Wobau-Aufsichtrat Otmar Stein hat sich mit einer Erbengemeinschaft auf den Kauf dieses Gebäudes samt Hofflächen und Scheune geeinigt. Die Wobau will in dem Haus fünf kleine Wohnungen schaffen und sie zu günstigen Preisen vermieten.
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Wobau-Aufsichtrat Otmar Stein hat sich mit einer Erbengemeinschaft auf den Kauf dieses Gebäudes samt Hofflächen und Scheune geeinigt. Die Wobau will in dem Haus fünf kleine Wohnungen schaffen und sie zu günstigen Preisen vermieten.

Attraktive Ortskerne

Günstiger Wohnraum: Wobau investiert in Alt-Petterweil

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Das Ziel ist günstigen Wohnraum zu schaffen, deshalb ist die städtische Wohnungsbaugesellschaft aktiv geworden. In Petterweil hat sie kürzlich gleich zwei Objekte erworben.

Otmar Stein steht im Hof des alten landwirtschaftlichen Anwesen im Ortskern von Petterweil. »Das alles ist noch gut erhalten, die Bausubstanz gepflegt«, zeigt er sich zufrieden. Der ehemalige Bauernhof mit Wohnhaus, Garagen, Scheune und einem großen Hof hat er vor einiger Zeit für die städtische Wohnungsbaugesellschaft Wobau erworben. Das Anwesen an der Alten Heerstraße 10 gehörte einer Erbengemeinschaft, Jahrzehnte war es von einem alten Landwirtsehepaar bewohnt gewesen. Die Erbengemeinschaft habe das rund 1100 Quadratmeter große Anwesen nicht nutzen wollen und es der Stadt zum Kauf angeboten.

»Wir haben es genommen«, sagt Stein. Der stellvertretende Aufsichtsrat der Wobau ist schon häufiger aktiv geworden, wenn es darum geht, alte Anwesen zu kaufen. Denn die Stadt möchte gerade in den alten Ortskernen Wildwuchs verhindern. Zu oft schon haben private Investoren, nicht zuletzt mangels eines gültigen Bebauungsplans, alte Häuser abgerissen und stattdessen verdichtet neue Gebäude draufgesetzt.

Die Folgen sind bekannt: Häufig genug passen die Objekte keinesfalls ins Ortsbild, und zudem haben sich in den alten Ortskernen durch verdichtetes Bauen die Verkehrsprobleme verschärft. »In Klein-Karben ist einiges schief gelaufen«, sagt Stein. Allerdings war das, bevor Stein dergestalt aktiv wurde, wie er es jetzt ist, und es zudem der politische Wille noch nicht vorhanden war, dass die Stadt in Sachen Wohnungsbau aktiv wurde. Fast alles wurde privaten Investoren überlassen bzw. musste ihnen überlassen werden.

Immobilienpreise sind stark gestiegen

Das hatte seinerzeit auch den Grund, dass die Stadt wegen völliger Überschuldung finanziell gar nicht handlungsfähig war. Jetzt ist das anders. Zudem hat sich - ganz entscheidend - die Wohnungsproblematik im gesamten Rhein-Main-Gebiet massiv verschärft. Mit bösen Folgen auch für Karben. Die Mietpreise sind um 17 Prozent, die Immobilienpreise gar um 42 Prozent gestiegen.

Preisgünstiger Wohnraum ist infolgedessen knapp. Die Mieten für Neubauten bewegen sich alle deutlich über zehn Euro je Quadratmeter. Um auch Menschen mit mittlerem oder niedrigem Einkommen Wohnraum anzubieten, engagiert sich die Stadt nun stärker.

Dazu sind die Ortskerne wichtig, denn dort herrscht hier und da Leerstand. Häufig sind die langjährigen Bewohner verstorben oder weggezogen, deren Kinder haben oft kein Interesse an den Objekten oder wohnen weit weg.

So war es auch in Petterweil. Die Wobau ließ laut Stein die Bausubstanz des Anwesens untersuchen - mit guten Ergebnissen. »Das Wohnhaus können wir mit überschaubarem Aufwand sanieren«, sagt der langjährige Erste Stadtrat, der sich schon seit Jahrzehnten ehrenamtlich für die Stadt engagiert.

»Wir werden dort fünf Zwei-Zimmer-Wohnungen schaffen«, informiert er. Das Geld für die Investitionen soll aus dem Verkauf der Scheune kommen. Der alte Bau im hinteren Hofteil könnte ebenfalls zu Wohnzwecken modernisiert werden. »Ich habe schon zwei Interessenten dafür«, sagt Stein. Ein Architekt habe auch die Bausubstanz der Scheuen für gut befunden.

Weiteres Haus gekauft

Fußläufig davon entfernt hat die Wobau noch ein weiteres Anwesen erworben. An der Alten Haingasse 17 steht an der Straße ein Gebäude, daneben sind Garagen. Das 1000 Quadratmeter große Gelände ist im hinteren Teil unbebaut. »Das vermietete Zwei-Familien-Haus vorne an der Straße werden wir modernisieren«, verspricht Otmar Stein. Zudem könnte auf dem großen Grundstück ein Sechs-Familien-Wohnhaus über den Garagen entstehen.

Die Wobau wird bei beiden Objekten einige Hunderttausend Euro an Sanierungskosten aufwenden. Nach Fertigstellung der Wohnungen kann die Stadt sie zu Quadratmeterpreisen anbieten, die deutlich unter dem Durchschnitt liegen werden: zwischen 7,50 und 8,00 Euro.

Kein Leerstandsmanagement

Die Stadt Karben will Leerstände von Immobilien nicht dokumentieren. Das geht aus einer Antwort des Magistrats auf eine parlamentarische Anfrage der Freien Wähler hervor. Die hatten zur letzten Sitzungsrunde gefragt, ob es bei der Stadt ein sogenanntes Leerstandsmanagement gebe, also ob leerstehende Immobilien erfasst seien und es seitens der Stadt ein Konzept gegen Leerstände von Wohnungen und Gewerbeimmobilien gebe. Dazu heißt es in der Magistratsantwort, es gebe verschiedenartige Leerstände, so etwa einen marktwirksamen Leerstand oder einen konjunkturellen Leerstand. Marktwirksame Leerstände zu erfassen, wäre nicht sinnvoll, da sie häufig nach kurzer Zeit weiterverkauft seien. Von konjunkturellen Leerständen bei Büro- und Gewerbeimmobilien sei am Standort Karben nicht auszugehen.

Die Stadt hat ihr Augenmerk auf latente Leerstände gerichtet. Dazu gehören sanierungsbedürftige Immobilien, die von den Eigentümern nicht mehr saniert und damit marktgängig gemacht würden. Besonders ältere Eigentümer von älteren Immobilien neigten dazu, leerstehende Wohnflächen auch leer zu lassen. Für sie bestehe oft kein ökomomischer Anreiz zur Immobilienverwertung mehr und es gebe Ängste vor Neuvermietungen.

Eine katastermäßige Erfassung der Leerstände sei mit hohem Bearbeitungsaufwand verbunden. Die Stadt beschreite deshalb den Weg und greife aktiv ein, wie in den Ortskernen von Klein-Karben und Petterweil, wo man insgesamt fünf Objekte erworben habe. »Diesen Weg wollen wir auch zukünftig weiter- gehen, da wir diesen sinnvoller und zielführender finden, als mit hohem Personalaufwand Leerstände zu dokumentieren, ohne dass wir dadurch Mittel in der Hand haben, um den ggf. vorhandenen Leerstand zu beseitigen«, heißt es in der Antwort des Magistrats.

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