Auf dem Platz vor der Apotheke in Okarben wird engagiert über die fehlenden Investitionen in den Stadtteil diskutiert. Eine Bürgerinitiative hat sich gegründet und am Samstag ihre erste Demonstration veranstaltet.
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Auf dem Platz vor der Apotheke in Okarben wird engagiert über die fehlenden Investitionen in den Stadtteil diskutiert. Eine Bürgerinitiative hat sich gegründet und am Samstag ihre erste Demonstration veranstaltet.

Schlechte Gehwege und Straßen

Großer Unmut in Okarben: Bi gegründet

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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In Okarben ist der Unmut groß. Wenn es um Investitionen in Wege und Straßen geht, fühlt man sich in dem Karbener Stadtteil abgehängt. Jetzt hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, und eine erste Demonstration hat stattgefunden.

Heinz Jörg ist ein alter Okärber. Er trägt jede Woche Zeitungen aus und kennt deshalb jeden Weg und jede Straße. »An 38 Stellen sind die Gehwegplatten zerbrochen«, sagt er, und die Umstehenden nicken. Die Zuhörer sind Teilnehmer der ersten Demonstration für die Sanierung des Stadtteils. Auf dem Platz vor der Apotheke haben sich an diesem Samstagvormittag einige Dutzend Okärber versammelt. Der 78-Jährige, der von sich sagt, er sei seit dem Jahr 2014 parteilos, hat sie zusammengetrommelt, hat bei der Polizei diese Demonstration angemeldet. Die ist denn auch mit einem Streifenwagen an der Sparkasse anwesend.

»Die Holperpisten in Okarben sind enorm«, wettert Heinz Jörg. Ortsvorsteher Karlheinz Gangel hätte ihm gewiss beigepflichtet. Denn in der Ortsbeiratssitzung im vergangenen November hatte sich der CDU-Politiker schon mal mächtig empört, als es um den Haushalt 2020 ging. Da seien »keine speziellen Positionen für Okarben zu erkennen«. So stünden im Haushalt 30 000 Euro für die Sanierung von Gehwegen. Ein Sammelposten, wie sich herausstellte. Gangel, an diesem Samstag nicht mit von der Partie, berichtete über Stürze auf den Gehwegen.

Mächtig angefressen ist man im Stadtteil ebenso darüber, dass der vierte Abschnitt der Sanierung der Hauptstraße noch immer nicht angegangen worden ist. Heinz Jörg zählt auf, dass der erste Abschnitt schon 1993 realisiert worden sei, 2001 sei die Bahnunterführung gebaut worden. Alles damals unter SPD-Bürgermeistern.

BI Okarben: Millionen fließen in andere Stadtteile

2007 habe ein Dreierbündnis aus CDU, Freien Wählern und FDP die Stadt regiert. »Ab da ist in Okarben nicht mehr viel passiert«, betont der Initiator. Das WC im Bürgerhaus sei saniert worden, dort habe es auch neue Vereinsräume gegeben und ein Urnenrondell auf dem Friedhof sei errichtet worden. »Doch sonst herrscht in Okarben Stillstand«, sagt er unter dem Beifall von den meisten Zuhörern.

Irgendwie kommt man sich in dem Stadtteil abgehängt vor, zumindest hat man das Gefühl, »immer als letztes dranzukommen«. Bereits im Oktober 2017 habe der CDU-Fraktionsvorsitzende Mario Beck gesagt, das Land werde die Ortsdurchfahrten erneuern. »Bei uns ist bis heute nichts passiert.« Heinz Jörg zählt zudem auf, was in anderen Stadtteilen investiert werde. Gerade im aktuellen Haushalt flössen Millionen nach Petterweil »und auch noch erhebliche Summen nach Rendel«. Zudem werde die Sporthalle in Kloppenheim saniert. »Bei unserer Sporthalle tut sich nichts.« Dabei habe der TV Okarben drei Basketball- und mehrere Tischtennismannschaften.«

Heinz Jörg (links) hat mit Annette und Volker Löhr in der Hauptstraße ein großes Protestplakat angebracht.

Heinz Jörg berichtet, er sei in den vergangenen acht Wochen im Stadtteil unterwegs gewesen und habe 86 Unterschriften gesammelt. So viele Mitglieder habe auch die Bürgerinitiative. Ein weißes T-Shirt mit der Aufschrift »Jetzt! Wann dann?« hat er sich anfertigen lassen.

Zum Schluss seiner Rede nennt er die Forderungen der BI: Eine Dringlichkeitssitzung des Ortsbeirats Okarben innerhalb der nächsten drei Wochen, die Erneuerung und Absenkung der Gehwege im Stadtteil, der Bau des vierten Abschnitts der Hauptstraße, eine Lampe am alten Friedhof, die Sanierung der Gehwege auf dem Friedhof, einen behindertengerechten Aufgang zum Bürgerhaus.

BI Okarben: Ein Hauptthema ist der Friedhof

Ein Thema auch der Friedhof. »Ich habe mir mal alle Karbener Friedhöfe angeschaut, unser sieht am schlechtesten aus«, meckert Heinz Jörg weiter. Es müsse »endlich etwas passieren im Stadtteil«.

Gerald Schulze, stellvertretender Ortsvorsteher und SPD-Stadtverordneter, sagt, er habe mehrfach den Bürgermeister darauf angesprochen. Der habe ihm »in die Hand versprochen«, dass im nächsten Jahr der vierte Abschnitt der Hauptstraße saniert werde. Was den Friedhof angehe, habe er die Kritikpunkte immer wieder vorgetragen. »Wir wollen den Friedhof so haben wie in Roggau«, sagt Schulze.

Das scheint in der Tat ein wichtiger Punkt zu sein. Denn während der Diskussion meldet sich Bürger Herbert Wiechert zu Wort. »Den Gehweg hat die Stadt mit Schottersteinen aufgeführt. Es sieht dort aus, als wolle man Eisenbahnschienen verlegen.« Er regt sich ebenso darüber auf, dass in der verlängerten Untergasse keine Hecke geschnitten werde. Er habe das in das Ereignis- und Anregungmanagement der Stadt eingetragen. »In vier Jahren ist nichts passiert.« Er habe dort auch einen Lehrer getroffen, der die Brennnesseln beseitigt habe, weil dort dessen Schulkinder zur Schule laufen. Es gibt nur einen, der an diesem Vormittag dagegenhält: der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Thorsten Schwellnus. »Mich wundert, dass es aus dem Ortsbeirat heraus keinen Änderungsantrag gab, es als um das Investitionsprogramm ging. Da hätten sie doch die Möglichkeit gehabt, für Okarben klare Forderungen zu stellen, welche Wege abgesenkt und saniert werden sollten« Dennoch sei es gut, dass sich die BI gegründet habe. »Dann wird«, so Schwellnus, »der Druck auf die Stadt größer«.

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