Der stellvertretende Leiter der Kurt-Schumacher-Schule, Simon Claus, misst für das Pressefoto einmal die Abstände zwischen den Tischen. Wenn ab Montag die Schüler wiederkommen, müssen sie weit genug voneinander entfernt sitzen. 	FOTOS: HOLGER PEGELOW
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Der stellvertretende Leiter der Kurt-Schumacher-Schule, Simon Claus, misst für das Pressefoto einmal die Abstände zwischen den Tischen. Wenn ab Montag die Schüler wiederkommen, müssen sie weit genug voneinander entfernt sitzen. FOTOS: HOLGER PEGELOW

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Große Abstände und Masken

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Am Montag geht die Schule wieder los. Dann müssen 179 Schüler und Schülerinnen der Kurt-Schumacher-Schule nach der Pandemie bedingten Zwangspause wieder zum Unterricht. Das ist zwar nur ein Bruchteil der rund 1500 Schüler dieser Karbener Gesamtschule. Aber die organisatorischen Voraussetzungen sind durch die Hygiene- vorschriften der Landes- regierung enorm.

S chon im normalen Schulalltag hat die Direktorin der Kurt-Schumacher-Schule (KSS), Ursula Hebel-Zipper, viel zu tun. Aber jetzt, in diesen ganz und gar nicht normalen Corona-Zeiten, hat sie noch mehr Arbeit. Gerade kommt sie aus einer Besprechung mit ihrem Stellvertreter Simon Claus. Beide haben mächtig Druck, denn am Mittwochabend hat das hessische Kultusministerium die Richtlinien geschickt, unter denen der Schulbetrieb für die Abschlussklassen am Montag wiederaufgenommen werden soll. Und da gilt es jede Menge zu beachten.

Feste Klassenräume und Namensschilder

Zum Beispiel den Abstand zwischen den Tischen. Denn künftig ist das dichte Nebeneinandersitzen nicht mehr erlaubt. 1,50 Meter Mindestabstand zwischen den Schülern muss eingehalten werden, statt Gruppenunterricht von Angesicht zu Angesicht gibt es den guten alten Frontalunterricht. Vorne der Lehrer, dahinter schön hintereinander an Einzeltischen die Schüler. Und keineswegs mehr volle Klassen in einem Raum. Die Schule ist gezwungen, die Klassen und Jahrgangsstufen in Gruppen einzuteilen. Maximal 15 Kinder in einem Raum, lautet die Vorgabe der Landesregierung. »Bis auf wenige Räume sind unsere Räume viel zu klein. Wir haben uns auf maximal zwölf Schüler verständigt«, sagt Hebel-Zipper. Das bedeutet drei Gruppen Hauptschüler, fünf Gruppen für die Realschüler und sieben Gruppen für die Gymnasiasten. Am Montag treten laut der Direktorin und ihrem Stellvertreter 33 Haupt-, 62 Realschüler und 84 Gymnasiasten der zwölften Jahrgungsstufe wieder zum Unterricht an. Und da gilt es, Abstand voneinander zu halten.

Und das beileibe nicht nur im Klassenraum, sondern auch schon draußen. Die Schüler, die morgens mit den Bussen ankommen, werden von einer Aufsichtsperson in Empfang genommen. »Da wir befürchten, dass die Abstandsregeln vom Bus ins Schulgebäude und auf dem Schulhof nicht hundertprozentig einzuhalten sein werden, gilt ab Montag eine Maskenpflicht.« Kurt-Schumacher-Schüler müssen also eine Alltagsmaske tragen, so wie die Landesregierung sie ab Montag auch in öffentlichen Nahverkehrsmitteln und beim Einkaufen vorschreibt. »Im Unterricht ist das nicht erforderlich«, sagt die Direktorin.

Der Wetteraukreis als Schulträger hat indes am Freitagmittag nur eine Empfehlung zum Tragen von Masken ausgesprochen, aber keine Verpflichtung.

Neu wird auch sein, dass jeder Schüler einen festen Platz hat. Damit das Herumlaufen möglichst gering gehalten wird, sollen die Klassen soweit möglich feste Räume haben. »Und die Schüler haben Namensschildchen auf ihren Tischen.«

Als vor Ostern die Abiturprüfungen stattfanden, hat man in der Schule die Tische in den Oberstufenräumen schon mal umgestellt. Für das Foto misst der stellvertretende Schulleiter Claus die Abstände symbolisch nach. Als wir den Beispielraum wieder verlassen, kommen wir an der Material- und Buchausgabe vorbei. Auf dem Boden schwarz-gelbe Markierungen, auch hier wieder Abstände und eine Zone, die nur von jeweils einem Schüler betreten werden darf. Ähnlich verfahren will man an der Schulbücherei.

Organisiert ist auch das: Die Klassen einer Jahrgangsstufe werden nebeneinander unterrichtet. Bedeutet: ein Lehrer ist in dem einen Raum und wechselt dann in den Nebenraum, wo er den anderen Teil der Gruppe unterrichtet

Es gibt laut Hebel-Zipper die Anweisung, dass die beiden jeweiligen Leistungskurse sowie Deutsch und Mathematik unterrichtet werden. »Wir müssen aber noch entscheiden, was wir mit den Schülern machen, die das Sport-Abi machen möchten.« Wochenlang habe kein Sport stattgefunden, Mannschaftssport, zu dem auch Badminton zähle, sei nicht erlaubt.

Alle Fahrten müssen storniert werden

Aktuell ist die Schulleitung dabei, sich einen Überblick zu verschaffen, wie viele Lehrerinnen und Lehrer ab Montag zur Verfügung stehen. »Das ist extrem kompliziert«, sagt Hebel-Zipper. Denn etliche Pädagogen gehörten zu den Risikogruppen oder hätten Kontakt zu jemandem, der zu einer Risikogruppe gehöre. Zurzeit schätzen die Verantwortlichen, dass von den 93 Lehrerinnen und Lehrern der KSS ein gutes Drittel nicht unterrichten darf. »Damit sind nicht alle Fächer abgedeckt.« Dies komme auch dadurch, dass ein Sport- oder ein Mathelehrer kein Englisch unterrichtet.« Besonders knapp sieht es in Englisch aus. Hebel-Zipper bemüht sich nach eigenen Angaben gerade darum, eine im Sabbatjahr befindliche Englisch-Lehrerin wieder zu reaktivieren.

Der teilweise Schulbeginn für die Abschlussklassen beziehungsweise die zwölften Jahrgänge ist nur ein Teil der Arbeit. Hinzu komme, dass bis zum Herbst keinerlei Klassenfahrten und Ausflüge mehr stattfinden dürften. »Die Lehrer sind damit beschäftigt, die Wanderwoche, die Klassen- und Studienfahrten abzusagen. Alles muss storniert werden, die Zahlungen sind bereits geleistet worden.«

Die täglichen Besprechungen hätten ebenso zugenommen wie die Zahl der Schreiben an Schulamt, Wetteraukreis und Kultusministerium. »Und es kommen dau- ernd neue Herausforderung- en hinzu«, sagt die Schulleiterin.

Was morgen sein wird, weiß sie nicht. In einem ist sie aber sicher: »In diesem Jahr werden wir in der Schule nicht mehr vollzählig sein.«

Die 179 Schülerinnen und Schüler, die am Montag wieder in die Kurt-Schumacher-Schule gehen, werden zu Beginn erst einmal eine Einführungsstunde in Sachen Hygiene erhalten. Das hat Direktorin Ursula Hebel-Zipper angekündigt. Allen Schülern soll verdeutlicht werden, wie sie sich künftig zu verhalten haben. Die Lehrer sollen die von ihnen angesprochenen Punkte dokumentieren. Ab dann gelte: »Wer sich nicht an die Regeln hält, wird vom Unterricht suspendiert«, droht die Leiterin der Gesamtschule an. Das sei im Sinne der Sicherheit notwendig. pe

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