Jubiläumsfeier

Groß-Karben: Neues Leben im alten Dorf

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In Groß-Karben wird am Wochenende groß gefeiert. Gleich drei Anlässe vereinen die Groß-Kärber in ihrem Dorffest: den Abschluss der Dorferneuerung, die Eröffnung der Nordumgehung und das 725-jährige Bestehen.

Der Name Groß-Karben taucht erstmals in einer Urkunde von 1293 auf. Es ist eine Gerichtsurkunde des Freigerichts Kaichen, in der es um Erbansprüche geht. Einer der genannten Zeugen kommt aus Grozinkarben. "Der Name ›Karben‹ taucht schon in einer Urkunde aus dem Jahr 827 auf", bemerkt Stadtrat Jürgen Hintz, auch Vorsitzender des Geschichtsvereins und Mitglied im Festausschuss zum Dorffest. Nur könne man nicht zuordnen, welches der drei Karben gemeint sei. Zu damaliger Zeit stand die Region unter direktem Schutz des Kaisers, erst 1806 wird Groß-Karben hessisch – es fällt an das Groß-Herzogtums Hessen-Darmstadt.

Verbürgte Daten seien spärlich aufgrund vieler Brände, so Hintz. Dennoch lassen sich laut der Chronologie zum 700-jährigen Bestehen geschichtliche Strömungen auch für Groß-Karben ersehen. 1543 wird die Filialkirche evangelisch. Das Bestehen einer Kapelle, als Tochterkirche von Klein-Karben, ist aus dem Jahr 1378 verbürgt. Erst 1573 wird Groß-Karben selbstständig.

1739 erhalten die Groß-Kärber jüdischen Glaubens von der Burg Friedberg die Erlaubnis, eine Synagoge in der Heldenberger Straße zu bauen. Ein Jahr später wird eine jüdische Schule eingerichtet. Eine Volkszählung von 1871 ergibt, dass Groß-Karben, neben Staden, mit fast 20 Prozent im Kreis Friedberg die Gemeinde mit dem höchsten jüdischen Bevölkerungsanteil war.

1938 werden Synagoge und die Scheune des Juden Seppel Junker niedergebrannt. Anstelle der Scheune steht heute der Kreuzgassbrunnen, der aus Spenden der 700-Jahrfeier gestiftet wurde. 1942 werden die noch verbliebenen etwa 30 Groß-Kärber jüdischen Glaubens deportiert, von denen die meisten in den KZs umgebracht wurden. Eine Gedenktafel erinnert an den Standort der Synagoge, es gibt Stolpersteine für die ermordeten jüdischen Mitbürger.

Markante Gebäude

Von Groß-Karbens langer Historie künden hauptsächlich Gebäude: Das Degenfeld’sche Schloss wird 1728 auf einem vormaligen Barockhaus erbaut, das dank der Dorferneuerung zu neuem Leben und Glanz erwacht ist und das Heimatmuseum beherbergt. 1775 folgt der Bau des Leonhardischen Schlosses. Um die beiden Schlösser herum entstehen Westliche und Östliche Ringstraße. Die Kirche sei der mittelalterliche Ortskern, sagt Hintz. Gewachsen sei der Ort um diese Mitte herum. Etwa nach dem Bahnhofsbau 1849, danach konnten sich Arbeiter und Bürger ansiedeln. Diese Entwicklung manifestiert sich in einer zeitgenössischen Entwicklung: 1885 gründen sangesfreudige Männer den Gesangverein Teutonia, 1891 wird die Turngemeinde gegründet, 1893 die Freiwillige Feuerwehr und 1903 der SPD-Ortsverein. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat Groß-Karben enormen Zuwachs an Vertriebenen zu verkraften, 1970 verschmilzt das selbstständige Groß-Karben mit vier weiteren Dörfern zur Stadt Karben.

25 Jahre nach der 700-Jahr-Feier haben die Festveranstalter eine Broschüre herausgebracht, in der die neuere Geschichte und die Vereine im Vordergrund stehen. Aufreibende Zeiten hat dabei Harald Ruhl erlebt als Mitbegründer der Bürgerinitiative "Nordumgehung jetzt" und als politisch engagierter Groß-Kärber im Dorferneuerungsprozess. Das Förderprogramm des Landes für die dörfliche Region hat noch Bürgermeister Roland Schulz (SPD) nach Groß-Karben geholt. Umgesetzt unter seinem Nachfolger Guido Rahn (CDU) wurden die Neugestaltungen des Jugendfreizeitgeländes neben der TG und des Platzes mit Ehrenmal.

Rund 30 Bürger im Arbeitskreis Dorferneuerung konzipierten diese und weitere Projekte. "Es sind aber auch viele Fördergelder in private Sanierungsprojekte geflossen", bemerkt Ruhl. Aber erst der Bau der Nordumgehung hat die Sanierung der Heldenberger Straße mit Lindenplatz und Platz mit Kreuzgassbrunnen ermöglicht. "Die Gestaltung dieses Bereichs hat meine Erwartung übertroffen", ist Ruhl begeistert. Das verspricht eine neue Lebensqualität, die Ruhl als Anwohner der Bahnhofstraße schon jetzt genießen kann, auch wenn die Straßensanierung hier noch bevorsteht. Denn es ist dank der Umgehung ruhiger geworden.

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