Golfen auf dem Bauernhof

Karben (cf). Das Hofgut der Familie Gauterin am Eckhardsgraben in Petterweil ist Bürgern in der ganzen Region ein Begriff.

Einige schätzen das südlich des Karbener Stadtteils liegende 78 Hektar große Hofgut als Anbaugebiet für Getreide und Gemüse, andere als Einkaufsstandort für Gemüsesorten wie Chinakohl, asiatischer Rettich und Sesamblätter. Bei Radlern ist das Anwesen als Raststätte beliebt und bei Golfern als Abschlags- und Übungsplatz. Jetzt möchten Juristin Dr. Gi-Ja und Landwirt Eckart Gauterin mit ihren Söhnen Albrecht (23) und Florian (21) ihre 6,4 Hektar große "Driving Range" zum rund 25 Hektar großen Neun-Loch-Platz ausbauen. "Die Hälfte der Golfplatz-Erweiterungsfläche ist Ausgleichsfläche. Hier wollen wir Obstbäume pflanzen. Aus den Äpfeln von unseren neuen Streuobstwiesen wollen wir Apfelsaft und -wein pressen", wünscht sich der Landwirt.

Bevor es soweit ist, benötigt Familie Gauterin die Zustimmung der Stadtverordneten zur Änderung des Regionalen Flächennutzungsplans 2010. Die Stadt unterstützt das Projekt "Golfen auf dem Bauernhof", das einen neuen Anziehungspunkt für Golfer, ihre Familien und Naherholungssuchende biete. Doch das Vorhaben setzt die Genehmigung der Regionalversammlung Südhessen vor-aus. Sie müsste die im "Vorranggebebiet für Landwirtschaft" liegenden Äcker "im regionalen Grünzug" zu Sportflächen umwidmen.

"Drei Generationen leben und arbeiten auf unserem Hof. Vom Gemüsebau alleine werden wir aber nicht dauerhaft leben können", berichtet die in Südkorea geborene Gi-Ja Gauterin. Sollten die Stadtverordneten in ihrer Sitzung kommenden Freitag den Plänen zustimmen, die landwirtschaftlichen Flächen im Norden, Westen und Süden um das Hofgut in einen Golfplatz samt Ausgleichsflächen umzuwandeln, dann geht ein mehr als zwei Jahrzehnte langer Traum der Familie in Erfüllung. Der Golfplatz soll das zweite Standbein des landwirtschaftlichen Betriebes bilden. Bestehen bleiben sollen Getreide- und Gemüsefelder sowie der Direktverkauf von Gemüse wie Eckart Gauterin betont. Zurzeit strömen an Wochenenden bis zu 300 Freizeitsportler und Kunden auf den Vollerwerbs-Bauernhof in Petterweil.

Bereits im vergangenen Juni hatte der Frankfurter Landschaftsarchitekt Johannes Cox das Konzept aus "Landwirtschaft, Apfelbaumanbau und Golf" den Mitgliedern des Ausschusses für Stadtplanung und Infrastruktur präsentiert. Die Umwelt würde mit vielen neu gepflanzten Bäumen, Biotopen mit Sumpfbereichen, Schutzhecken und Teichen aufgewertet. Dort fänden Lerchen und Feldvögel bessere Brutplätze als auf den Ackerflächen mit Monokulturen und leeren Feldrändern.

Im Clubhaus könnten Geschäftsleute tagen und Radler selbst gekeltertem Apfelwein oder -saft trinken. Schulkinder könnten auf dem Ausgleichsareal zelten. Allerdings müssten die 60 Stellplätze um 100 weitere Parkplätze ergänzt werden. Wird der Traum der Familie Gauterin wahr, dann wächst die Rasenfläche von heute 64 000 Quadratmeter um 214 000 Quadratmeter. Davon entfiele die Hälfte auf die Golfbahnen. Die Zustimmung der örtlichen und überregionalen Gremien vorausgesetzt, können "frühestens 2015" die Bagger rollen.

Die Anlage werde sich in die Strukturen unter Berücksichtigung von Ökologie und Landwirtschaft einpassen. Der Fahrradweg bleibe erhalten, so Gauterin. Neu um das Hofgut herum entstehen sollen Spazierwege, Feldränder, Trittstellen und Raueflächen für Zugvögel. Ein weiterer Vorteil sei, dass der wertvolle Ackerboden nicht abtransportiert und kein fremder Boden angeliefert werde. Wirtschaftsgebäude, Lagerfläche und Maschinenhalle sollen bestehen bleiben, neu gebaut werden solle ein Clubhaus, das auch für gesellschaftliche und kulturelle Veranstaltungen offen stehe. Eine Mitgliedschaft zum Golfen werde es wie heute nicht geben, jeder könne gegen Gebühr spielen.

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