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Giftige Gefahr für Katze und Hund

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Von: Christine Fauerbach

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Barbara Vyslouzil verwöhnt ihre drei Freigänger-Katzen Luzy, Penny und Kater Horst. Durch ausgelegte, giftige Tierköder sieht sie ihre Lieblinge allerdings in großer Gefahr. © Christine Fauerbach

Das Leben von Katzen, Hunden und Wildtieren ist durch im Freien ausgelegte Köder mit einem schnell wirkenden Ratten-/Mäusegift gefährdet. Die Köder sind in Petterweil ausgelegt worden. Barbara Vyslouzil weist Tierbesitzer auf die Gefahren hin.

I n der Petterweiler Schlossstraße leben 15 Katzen. Viele von ihnen sind Freigänger so wie Luzy (8), Penny (3) und Kater Horst (14). Halterin des munteren Trios ist Barbara Vyslouzil. Sie kommt ihrer Pflicht als verantwortungsvolle Tierhalterin vorbildlich nach. Ihre Katzen werden nicht nur regelmäßig gefüttert, sondern sie berücksichtigt beim Futter die Vorlieben der drei. Was diese allerdings nicht vom Jagen abhält. Schließlich sind Hauskatzen Raubtiere und erfolgreiche Jäger.

Ihre Streifzüge durch den eigenen Garten und in die Umgebung lieben alle drei sehr, wie die Halterin berichtet. Das ist vor allem bei Luzy der Fall, die einen stark ausgeprägten Jagdinstinkt besitzt. »Luzy kommt ihrem Job, Mäuse zu fangen, gern und oft nach. Ab und zu bringt sie für Penny eine Maus mit und lässt diese so an ihrem Jagderfolg teilhaben«, berichtet die Halterin.

Behandlung durch

Tierarzt nötig

Bisher ermöglichte sie ihren Katzen immer, dass diese sich im Freien aufhalten können. Seit dem vierten Juli-Sonntag sorgt sich die Katzenmutter aber um ihre Lieblinge. Denn »irgendjemand im Ort streut Mäusegift aus, das für unsere Mäusejäger hochgefährlich ist und tödlich enden kann«. Bei dem Gift handelt es sich um das sehr schnell wirkende Alpha-Chloralose. Innerhalb weniger Stunden greift es das zentrale Nervensystem der Tiere an. Es kann zum grausamen Tod durch Unterkühlung, Koma oder Ersticken durch Krampfanfälle und Flüssigkeit in der Lunge führen. Eine Vergiftung mit Alpha-Chloralose ist ein absoluter Notfall. Es gibt kein Gegengift und deshalb ist eine schnelle Behandlung durch den Tierarzt lebensrettend. So wie bei Luzy. Sie hatte an besagtem Sonntag gleich mehrere vergiftete Mäuse gefressen und wäre fast daran gestorben. »Nur durch Zufall ist unsere Freigängerin abends nach Hause gekommen. Uns sind ihr torkelnder Gang sowie Zuckungsanfälle, die an einen Schlaganfall beziehungsweise epileptische Anfälle erinnern, aufgefallen. Die sofortige Verbringung in die Katzenklinik Bockenheim und die dortige intensive Behandlung haben ihr das Leben gerettet.«

Recherchen ergaben, dass das Gift Alpha-Chloralose von der Firma Neudorff als »Sugan MäuseKöder Korn« und »Sugan MäuseKöder Paste« angeboten wird. Es ist frei verkäuflich. »Es darf ausschließlich innerhalb geschlossener Gebäude angewendet werden.«

Leider gibt es immer wieder Menschen, die die Anweisungen in der Packung weder lesen, noch befolgen. Offensichtlich hat jemand in Petterweil mit dem Gift präparierte Köder im Freien ausgelegt. Wo es nicht nur von Nagern, sondern auch von Hunden, Katzen und Wildtieren aufgenommen werden kann.

Nach Aufnahme des Wirkstoffs dauert es etwa 30 Minuten bis zu vier Stunden, bis die Wirkung eintritt. Das gilt auch für Katzen und Hunde. Mäuse oder Ratten sind erst leicht betäubt und werden dadurch zur leichten Beute von Katzen.

»Wir befürchten, dass Luzy kein Einzelfall bleiben wird«, sagt Barbara Vyslouzil. Deshalb hat sie sich an die Redaktion gewandt und will alle Petterweiler Katzen- und Hundebesitzer warnen. Zu den Symptomen einer Vergiftung mit Alpha-Chloralose bei Hunden und Katzen gehören Torkeln, Seitenlage mit Zittern und Krämpfen, Überempfindlichkeit und/oder Unterkühlung sowie eng stehende, schlitzförmige Pupillen. Auch Symptome wie starker Speichelfluss, übermäßiges Hecheln oder Durchfall können Hinweise auf eine Vergiftung sein und erfordern schnelles Handeln. Wichtig ist es, sofort einen Tierarzt aufzusuchen und diesen auf eine mögliche Vergiftung mit Alpha-Chloralose hinzuweisen. Ein Tierarzt beschreibt die Wirkung so: »Das Gift wirkt depressiv auf das zentrale Nervensystem (Koma). Es stimuliert die spinalen Reflexe (Hyperreflexie, vor allem bei Katzen), verursacht bronchiale Hypersekretion (starke Speichelbildung in Lunge und Atemwegen) und Hypersalivation (vor allem beim Hund starkes Speicheln aus dem Maul), eventuell auch Miosis (Pupillenengstellung), Zyanose (Sauerstoffunterversorgung mit blauer bis violetter Färbung der Schleimhäute und der Zunge)....«

Weitere Informationen über die Alpha-Chloralose-Vergiftung und deren Behandlung stellt die Seite »CliniTox« der Veterinärmedizinischen Universität in Zürich unter https://www.vetpharm.uzh.ch/clinitox/toxdb/KLT_016.htm zur Verfügung.

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