Wo passen solche Container hin? Bei Häusern ab 20 Parteien sind sie künftig Pflicht. Doch auch bei kleineren Gefäßen könnte der Platz eng werden. Auf jeden Fall kommt zum neuen Jahr die gelbe Tonne, sie löst den gelben Sack ab, mit dem es immer wieder Ärger gibt. 	SYMBOLFOTO: DPA
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Wo passen solche Container hin? Bei Häusern ab 20 Parteien sind sie künftig Pflicht. Doch auch bei kleineren Gefäßen könnte der Platz eng werden. Auf jeden Fall kommt zum neuen Jahr die gelbe Tonne, sie löst den gelben Sack ab, mit dem es immer wieder Ärger gibt. SYMBOLFOTO: DPA

Plastikmüll

Gelbe Tonnen: Neue Entwicklungen in Karben

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Die Tage der dünnen und weichen Beutel für den Verpackungsmüll sind gezählt. Karben wird, wie im übrigen Wetteraukreis, flächendeckend die gelbe Tonne einführen.

Weit zurückschauen muss man nicht, um sich über die gelben Säcke zu ärgern. Als der Februar-Abholtermin anstand, war es windig. Das Ergebnis hat man auf den Straßen gesehen. Gelbe, mit Verpackungsmüll befüllte Säcke, wurden vom Gehweg auf die Fahrbahn geweht. Beileibe ist das nicht der einzige Ärger.

Immer wieder fragen Bürger vergebens nach den Rollen mit den dünnen und leichten Großbeuteln. Der Empfang der Stadtverwaltung muss auf Anfrage verneinen. Und auch wenn die Säcke mal nicht abgeholt werden, gibt es mächtig Ärger. Schon seit Jahren sind die Säcke vielen ein Dorn im Auge. Das könnte bald der Vergangenheit angehören.

Der Karbener Haupt- und Finanzausschuss, der in Corona-Zeiten anstelle der Stadtverordnetenversammlung entscheidet, hat zu den Verpackungsmüllsäcken dieser Tage einen Beschluss gefasst. In nicht öffentlicher Sitzung wurde einstimmig beschlossen, dass jeder Haushalt über die Nutzung von gelbem Sack oder gelber Tonne selbst entscheiden müsse. »Wenn dies nicht möglich ist, soll jeder Haushalt frei über die Aufstellung des Gefäßvolumens entscheiden dürfen bei einer Auswahl zwischen 120-Liter-, 240-Liter- und 1100-Liter-Gefäßen. Idealerweise sollte der Abfuhrrhythmus 14 Tage betragen, heißt es in dem Beschluss der neun Ausschussmitglieder.

Gelbe Tonnen Karben: Umstellung kommt für ganzen Kreis

Der Beschluss kommt zu einer Zeit, in der der Abfallwirtschaftsbetrieb Wetterau AWB gerade mit dem Dualen System Deutschland DSD eine neue Vereinbarung verhandelt. Wie AWB-Betriebsleiter Dr. Jürgen Roth auf Anfrage dieser Zeitung sagt, mache das DSD bei einer Wahlmöglichkeit nicht mit. »Für sie gibt es nur entweder oder, und das flächendeckend.« Will sagen: Entweder kreisweit in allen 24 zum AWB gehörenden Kommunen gelbe Säcke oder in allen Kommunen gelbe Tonnen.

Genauso äußert sich Karbens Bürgermeister Guido Rahn (CDU): Laut aktuellem Status werde auch in Karben zum Januar 2021 flächendeckend die gelbe Tonne eingeführt. In Häusern mit über 20 Haushalten gebe es Großcontainer mit 1,1 Kubikmetern, informiert das Stadtoberhaupt.

Fragt man nach den Gründen für dieses Vorgehen, nennt Roth die Kosten. »Ein Mischsystem aus gelben Säcken und gelben Tonnen würde höhere Kosten verursachen.« Im gesamten Kreis außer Bad Vilbel würden in einem Jahr über vier Millionen gelbe Säcke ausgegeben. Das Duale System Deutschland wolle nur eines bezahlen, entweder Tonne oder Säcke. Das DSD vertritt die Firmen, die einen Grünen Punkt auf ihre Verpackung drucken und dafür ins System einzahlen. Er wisse, »dass die Mehrheit weg will von den gelben Säcken«, sagt Roth. Das war im Karbener Magistrat die Überlegung. Rahn betont, er sehe Vorteile bei Einführung der gelben Tonne. Denn die Plastiksäcke liegen dann nicht mehr am Straßenrand herum.

Gelbe Tonnen Wetterau: Problem für viele Hausbesitzer

»Daher war es unser Wunsch, den Bürgerinnen und Bürgern in Karben die Wahlmöglichkeit zwischen gelben Säcken und gelben Tonnen zu ermöglichen«, erklärt Rahn. »Dieser Wunsch ist aber in den Verhandlungen des AWB mit dem DSD nicht durchsetzbar gewesen.«

Aber was nun? Auch Rahn weiß, dass es in Karben nicht wenige Grundstücke gibt, auf die neben Restmüll-, Papier- und Kompostbehältern keine einzige weitere Tonne passt, etwa in den alten Ortskernen von Groß- und Klein-Karben. Für die hat AWB-Betriebsleiter Roth einen Tipp: »Wer keine gelbe Tonne will, kriegt auch keine. Aber der muss im Laden durchsichtige Säcke kaufen und sie dann befüllt zum Recyclinghof bringen.« Ob er sie nicht einfach, wie bisher, an den Straßenrand stellen kann? Nein, antwortet Roth: »Das vom DSD beauftragte Unternehmen soll diese Säcke nicht mehr mitnehmen.«

Gelbe Tonnen Karben: Kommentar von Holger Pegelow

In den meisten Haushalten geht es schnell: Tag für Tag wandert Verpackungsmüll in den gelben Sack. Der ist schnell voll, und wenn dann mal alle vier Wochen der Abfuhrtermin im Kalender steht, werden häufig gleich mehrere Säcke vor die Tür gestellt. Das führt oft zu Ärger der Anwohner, denn die leichten Dinger reißen auf oder fliegen bei Wind auf die Straße. Kurz vor dem Abfuhrtermin sind dann auch noch die Straßen vermüllt.

Die Kommunalpolitiker meinen nun, mit der Einführung von festen Tonnen für den Grüne-Punkt-Müll seien die Probleme gelöst. Das mag zwar für die genannten so sein, aber es werden sich neue auftun. Denn auf vielen Grundstücken in den Ortskernen oder etwa im eng bebauten Karbener Breul-Gebiet ist gar kein Platz für eine zusätzliche Tonne, geschweige denn für einen Container. Im Laufe dieses Jahres dürfte die geplante Umstellung noch für viele Diskussionen sorgen. Dabei wird schon wieder die Stadt den Ärger abkriegen. Von Bewohnern, die keinen Platz haben, und denjenigen, die sich dann auch noch auf eigene Kosten Säcke kaufen müssen, die dann noch nicht einmal mitgenommen werden. Da hilft wirklich nur noch eins: den Grüne-Punkt-Müll vermeiden.

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