wz_kleingaertner_bedacht2_4c_2
+
Fast jeden Morgen kommen Thea und Erich Bedacht in ihren Garten an der Nidda, wo sie reichlich Obst und Gemüse ernten.

INFO

Gartenglück mit »Königin Viktoria«

  • VonChristine Fauerbach
    schließen

Säen, pflanzen, ernten, verarbeiten: Gemüse und Obst aus dem eigenen Garten schmecken. Gesünder kann man sich kaum ernähren. Und: Die Arbeit im Garten mache Spaß und halte fit, sagen Thea und Erich Bedacht. Das Paar aus Klein-Karben bewirtschaftet seit 40 Jahren einen Kleingarten in der Anlage Am Breul.

F ast jeden Vormittag sind Thea und Erich Bedacht in ihrem Nutzgarten an der Nidda anzutreffen. Seit 1981 haben sie zwei Parzellen in der Kleingartenanlange Am Breul in Klein-Karben. »Wir bewirtschaften insgesamt 500 Quadratmeter. Vor 40 Jahren lag Gärtnern nicht im Trend. Und so konnten wir nach der Pacht des ersten Gartens kurz darauf die Nachbarparzelle auch noch übernehmen«, berichtet Erich Bedacht. Auf seinem Grundstück gab es keinen Brunnen und keine Gartenhütte, und so bot ihm der Nachbar seine zur Mitbenutzung an. »Ich durfte in seiner Hütte meine Geräte wie Rechen, Harke, Spaten, Gießkanne, Gartenscheren, große und kleine Schippen unterstellen. Das war toll, dadurch musste ich sie nicht immer von zu Hause mitbringen. Als er seinen Garten aufgab, habe ich ihn übernommen«, sagt der Ehrenvorsitzende des Klein-Karbener Obst- und Gartenbauvereins.

Das kleine Gewächshaus nutzt Bedacht ab März zur Anzucht und zum Vorziehen von Gemüse, Salat und Kräutern. Dort baut er auch Wein an. »Ich habe mir aus meinen Trauben hier und im Freien schon meinen eigenen Wein gekeltert«, berichtet der 87-Jährige. »Wir haben zwei Gärten. Hier in der Kleingartenanlage unseren Nutzgarten und rund ums Haus einen Garten mit vielen Blumen und Obstbäumen. Zu Hause relaxen und schwimmen wir, hier pflanzen und ernten wir«, berichtet Ehefrau Thea.

»Im Alter ist ein Garten ideal. Man ist im Freien, arbeitet an der frischen Luft und hält sich fit«, sagt die 82-Jährige. Sie ist vor allem fürs Ernten und die Verarbeitung von Obst, Gemüse und Salaten zuständig. »Das Obst von Bäumen und Sträuchern wird sofort verzehrt, dient als Kuchenbelag, wird zu Saft gepresst oder als Marmelade eingekocht«. Da kommen einige Sorten zusammen. Im Garten steht ein Königin-Viktoria-Pflaumenbaum, neben Birn- und Pfirsichbäumen, Rhabarber und einem weißen Klarapfelbaum »der ist so alt wie ich, trägt nur noch auf einer Seite Früchte«, sagt Erich Bedacht.

Die Ausbeute an Beeren ist mit gelben Himbeeren - »die sind zuckersüß, aber weniger aromatisch wie die roten« -, Erdbeeren, Johannisbeeren groß. »Morgens brauche ich Marmelade auf meinem Brot«, verrät Erich Bedacht. Seine Aufgaben sind Bodenbearbeitung, Pflanzen, Hegen und Wildkräuter jäten. Ich hatte eine Hand-OP, habe deshalb seit zwei Jahren nicht gedüngt und weniger Gemüse angepflanzt. Dafür auf einigen Beeten Kartoffeln gesetzt. Die Pflanzen hat mir ein Freund aus Rendel gegeben. Von einer Kleingartennachbarin habe ich heute Salatpflanzen bekommen. Unter uns fleißigen Kleingärtnern besteht ein reger Tauschhandel.«

Seine organischen Abfälle kompostiert der erfahrene Gärtner auf Hügel-Kompostbeeten. »Die sind ideal zur Aussaat, für Gemüse und Kräuter und ein idealer Humus.« Auf dem Kräuterbeet wachsen Sauerampfer, Pimpernelle, Schnittlauch, Salbei und Petersilie. Die Saat- und Pflanzzeit hat im April begonnen. Da wurden die ersten Setzlinge wie Blumenkohl ins Beet gepflanzt, beispielsweise Weißkohl und Wirsing gesetzt sowie Salat ausgesät. Auf den Gemüsebeeten wachsen seit Mai Salate, Tomaten, Lauch, Sellerie, bunter Mangold, Karotten, Rote Bete und Spinat. Die ersten Erdbeeren können Ende Mai geerntet, die ersten Blumen geschnitten werden.

»Im Juni ist alles gepflanzt und ausgesät. Nach den Eisheiligen werden nur noch Nachzügler wie Buschbohnen, Gurken oder Brokkoli gepflanzt. Die Hauptarbeit besteht jetzt im Gießen, Hegen und Pflegen«, informiert der gebürtige Groß-Kärber. Klatschmohn, Dahlien, Sonnen- und Ringelblumen bringen Farbe zwischen die Gemüsebeete. »Wo Platz ist, wird etwas eingesetzt«, sagt die gebürtige Klein-Kärberin Bedacht. »Wir haben viele Gartenbücher mit Tipps zu Hause, alle auch gelesen, aber das meiste wieder vergessen. Deshalb wird mit Erfolg bunt durcheinander gepflanzt«, informiert der passionierte Kleingärtner.

Mit Sorge beobachtet das Paar, dass die meisten Kleingärten nicht mehr als Nutzgarten dienten, sondern vermehrt für die Freizeit. Dadurch habe der Wildwuchs ebenso überhandgenommen wie das Setzen von Hochstammobstbäumen, die viel zu groß für die kleinen Gartenflächen seien.

»Grüner geht’s nicht« lautet das Motto des »Tag des Gartens«. Er wird seit 1984 am zweiten Sonntag im Juni gefeiert und ist eine Initiative des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde. Ziel ist es, den Menschen die Bedeutung des Kleingartens für das Wohlbefinden von Mensch und Natur in Stadt und Land ins Bewusstsein zu rufen und die Freude am Gärtnern zu wecken. Zwei Aspekte stehen im Mittelpunkt: Der positive Einfluss des Kleingartens und der Gartenarbeit auf menschliche Physis und Psyche und die städtebauliche, ökologische und soziale Bedeutung des Kleingartenwesens. Vorläufer sind die Klostergärten des Mittelalters, in denen Pflanzen und Heilmittel angepflanzt wurden sowie der Schrebergarten, der als Nutzgarten dem Anbau von Gemüse, Obst und Kräutern dient.

Die Idee der Selbstversorgung greift der seit den 1970er Jahren in Mode gekommene Trend des Urban Gardening mit Anpflanzung von Obst und Gemüse in Städten auf. cf

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare