Eine bessere Pflege der drei jüdischen Friedhöfe in Karben beantragt die SPD. Dieser Tage hat die Stadt auf dem Groß-Karbener Friedhof das Unkraut entfernt und die Hecke geschnitten. FOTOS: HOLGER PEGELOW/ARCHIV
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Eine bessere Pflege der drei jüdischen Friedhöfe in Karben beantragt die SPD. Dieser Tage hat die Stadt auf dem Groß-Karbener Friedhof das Unkraut entfernt und die Hecke geschnitten. FOTOS: HOLGER PEGELOW/ARCHIV

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Friedhof von Unkraut befreit

  • Holger Pegelow
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Immer wieder stellt die SPD Anträge zum Thema Friedhöfe. Bei der nächsten Sitzungsrunde soll es um die jüdischen Friedhöfe in Karben gehen. Doch das Thema hat sich, zumindest für Groß-Karben, fast schon erledigt.

Wenn die Stadtverordneten zu ihren Sitzungsrunden zusammenkommen, steht ein Thema ganz sicher auf der Tagesordnung: Friedhöfe. Meist geht es um die städtischen Friedhöfe in Groß-Karben und Okarben, wo die oppositionelle SPD Handlungsbedarf sieht. Zur aktuellen Sitzungsrunde in der ersten Woche nach den Ferien dreht es sich nun um die jüdischen Friedhöfe.

Im Juni unternahm man eine Begehung der jüdischen Friedhöfe und musste feststellen, "dass sich die drei Friedhöfe in einem miserablen und nicht repräsentativen Zustand befinden", heißt es in dem Antrag. Es sei nicht möglich gewesen, auch nur einen einzigen der Friedhöfe in Gänze zu betrachten, da die Unfallgefahr und das Sicherheitsrisiko wegen umgefallener Bäume, toter Äste und extrem hohem Gras und Dornenbüschen zu groß gewesen seien, sagt Fraktionschef Thomas Görlich.

Das prangert die SPD gerade vor der aktuellen Diskussionen "um antisemitische Narrative und Hassverbrechen gegen jüdische Mitmenschen" an. Der Magistrat wird aufgefordert, "die jüdischen Friedhöfe wieder in einen angemessenen und repräsentativen Zustand zu versetzen, der das Begehen möglich macht".

Klare Forderung an den Magistrat

Im einzelnen zählt die Fraktion auf, was ihr aufgefallen ist. Auf dem Friedhof in Groß-Karben müsse das Dornengestrüpp gemäht werden. Es wüchsen viele junge Bäume zwischen und auf den Gräbern, die dringend entfernt werden müssten. Einige Grabsteinen sei komplett zugewuchert, ebenso die Erinnerungstafel am Eingang. Auch bei den jüdischen Friedhöfen in Burg-Gräfenrode und in Klein-Karben sieht die SPD Handlungsbedarf. In Klein-Karben gebe es eine "hohe Gefahr, von Ästen getroffen zu werden".

Wer sich aktuell den Groß-Karbener jüdischen Friedhof anschaut, kann davon jedoch fast nichts entdecken. In dieser Woche hat der städtische Bauhof nach Angaben von Bürgermeister Guido Rahn (CDU) die Gartenarbeiten dort beendet. Alle jüdischen Friedhöfe würden vom Regierungspräsidium regelmäßig begangen und den Kommunen danach Hinweise zur weiteren Tätigkeit gegeben. Im April 2019 sei die Stadt Karben seitens des RP aufgefordert worden, einige Grabmale auf dem jüdischen Friedhof in Groß-Karben zu sanieren, berichtet der Bürgermeister. Daraufhin habe man Angebote bei Steinmetzen angefordert. Nach Rücksprache mit dem RP Darmstadt habe eine Firma aus Schöneck den Auftrag erhalten.

Die Zusage zur Übernahme der Kosten habe sich allerdings, auch coronabedingt, etwas in die Länge gezogen. "Inzwischen haben wir aber auch vom RP diese erhalten und die anstehenden Arbeiten sollen in den nächsten Tagen erfolgen." Die Pflege der jüdischen Friedhöfe ist in Karben zweimal jährlich eingeplant. Dafür erhält die Stadt vom Regierungspräsidium jährlich einen Betrag von rund 2500 Euro.

Rahn nimmt auch zu den anderen beiden Friedhöfen Stellung. Auf dem in Klein-Karben hinter dem Rosenhang gebe es keine Grabmale mehr. Das Tor sei im Jahr 2012 gerichtet und vom RP bezahlt worden. In Burg-Gräfenrode sei die letzte Reparatur des Tores im Jahr 2014 erfolgt. Der SPD ist die zweimalige Pflege der allerdings zu wenig. In Groß-Karben und Burg-Gräfenrode sollten sie viermal pro Jahr gemäht werden. "So werden die Friedhöfe für Schülerinnen- und Besuchergruppen dauerhaft begehbar."

Gelder für Schnitt aus der Stadtkasse

Allerdings gilt: Das Schneiden der Hecken und Mäharbeiten müssen aus der Karbener Stadtkasse gezahlt werden. Andere Arbeiten werden in Absprache mit der jüdischen Gemeinde Frankfurt vom Regierungspräsidium übernommen.

Das Thema steht auf der Tagesordnung der nächsten Stadtverordnetensitzung am Freitag, 21. August, 20 Uhr, im Bürgerzentrum.

Das Regierungspräsidium weist erforderliche Gelder für die Unterhaltung der jüdischen Friedhöfe den einzelnen Städten und Gemeinden zu. Sie übernehmen quasi im Auftrag der Bundesrepublik die Pflegemaßnahmen. Mitarbeiter des RP kontrollieren deren Ausführung.

Jüdische Friedhöfe machen allerdings einen nicht so gepflegten, fast parkartigen Eindruck wie christliche Begräbnisstätten. Bodendecker überwuchern die Gräber und die Grabsteine werden eher selten restauriert. Diese besondere jüdische Friedhofskultur entspringt der Ansicht, der Friedhof sei ein "Haus des Lebens".

Nach der millionenfachen Tötung der Juden und die Vernichtung der jüdischen Gemeinden durch das NS-Regime gab es nur wenige Überlebende. Die verwüsteten Friedhöfe blieben zwar bestehen, wurden nach dem Krieg aber nicht mehr gepflegt, da die wenigen Überlebenden oder nach Deutschland zurückkehrenden Juden dies nicht leisten konnten. Im Jahr 1957 übernahm der Staat auch aus moralischer Verantwortung heraus die Pflege der Gesamtgrabanlagen. pe

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