Flugzeuge sollen etwa 300 Meter höher fliegen

Bad Vilbel/Karben/Frankfurt (pe). Zufrieden mit dem Gespräch beim Flughafenbetreiber Fraport am Donnerstagabend haben sich Karbens Bürgermeister Guido Rahn und Bad Vilbels Erster Stadtrat Jörg Frank geäußert.

Sie, der Rendeler Ortsvorsteher Erhard Menzel sowie Vertreter der Anti-Fluglärm-Initiativen aus Bad Vilbel und Karben kamen dort mit dem Hessischen Fluglärmschutzbeauftragten Patrick Kirsch zusammen, um über die aktuellen Maßnahmen zur Reduzierung der Überflüge zu diskutieren.

"In einem sehr sachlichen und konstruktiven Dialog wurden unsere Forderungen zur Lärmminimierung erneut angesprochen, mit dem erfreulichen Ergebnis, dass die Mindestflughöhe des Gegenanflugs über der Quellenstadt ab dem 18. Oktober um 1000 Fuß (das sind etwa 300 Meter) von der Deutschen Flugsicherung angehoben wird, was zu einer Verminderung der Geräuschkulisse führen wird. Ein gutes Ergebnis und ein schöner Erfolg für alle Bürger Bad Vilbels", berichtete Jörg Frank. Auch Karbens Bürgermeister Guido Rahn zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden, gab aber zu bedenken, dass die Fragen der Abflughöhe und die sogenannten Sonderfreigaben noch nicht thematisiert beziehungsweise noch nicht gelöst seien. Frank und Rahn gaben zudem bekannt, dass die Städte und die beiden Bürgerinitiativen sich um einen Sitz im Konvent vom Forum "Flughafen und Region" bemühen werden.

Nach Angaben von Frank könnten mit der Anhebung des Gegenanflugs um 1000 Fuß auch die Flugzeuge auf der Abflugroute 07-N (lang) schneller an Höhe gewinnen, da die startenden Maschinen die landenden unterfliegen und mit der Anhebung mehr Platz dafür wäre. "Wir erhalten sozusagen eine neue Freiheit nach oben. Es bleibt nur die Frage, wie wir diese nutzen? Wir haben die Hoffnung, dass damit die Flugzeuge schneller steigen könnten, was mit Sicherheit eine weitere Minimierung der Geräuschkulisse bedeuten würde. Auf dieses konkrete Ziel arbeiten wir weiter hin. Dafür sind allerdings weitere Gespräche mit der Deutschen Flugsicherung zu führen", berichtete Frank.

Direktanflug in Fächerform

Bei dem Gespräch wurden zudem weitere Probleme erörtert: Das große Ärgernis, dass die abfliegenden Flugzeuge die offiziell ausgewiesene Abflugroute 07-N (lang) zu schnell verlassen, in den sogenannten Direktflug eindrehen und damit in Fächerform über die Bad Vilbeler Kernstadt und Massenheim fliegen, soll mit einer strikteren Einhaltung der Flugroute eingedämmt werden. "Wir fordern weiterhin die strikte Einhaltung der Flugroute, die per se auf der Höhe der Bundesstraße 521 zwischen Enkheim und Niederdorfelden und damit über weit weniger bewohntem Gebiet verläuft.

Zudem entsteht beim Einfächern durch das Steigen der Maschinen in Kurven wegen der Aerodynamik mehr Lärm. Durch das Steigen auf gerader Strecke wäre dies geräuschärmer. Die Einhaltung der Flugroute wäre daher sehr sinnvoll", erläuterte Frank gestern weiter.

Zur Einhaltung dieser Flugroute ist die Deutsche Flugsicherung durch die übergeordnete Behörde des Bundesamts für Flugsicherung verpflichtet, von der nur wenige Abweichungen erlaubt sind.

"Die jetzige Handhabung des Nichteinhaltens und der Auffächerung der Flüge über Bad Vilbel könnte daher rechtswidrig sein, weil so durch die Hintertür eine neue Flugroute entstehen könnte. Leider steht uns als Stadt Bad Vilbel keine Klagebefugnis zu. Ob und inwieweit allerdings die Bürgerinitiativen dagegen rechtliche Schritte einklagen können, bleibt abzuwarten", so der Erste Stadtrat weiter.

Antrag auf Sitz im Forum

Wie Frank und Rahn mitteilten, werde man "mit Nachdruck" dafür eintreten, dass sich die Stadt Bad Vilbel gemeinsam mit der Nachbarstadt Karben und den beiden Bürgerinitiativen gemeinsam um einen Sitz im Konvent vom "Forum Flughafen und Region" bemühen wird. Dieses Gremium wird zur Flugrouten-Festsetzung angehört. Darin sind im Gegensatz zur Fluglärmkommission neben hauptamtlichen Vertretern der Kommunen auch Bürgerinitiativen zugelassen.

Der Karbener Bürgermeister erwähnte ebenfalls, dass die Problematik der Abflughöhe "noch nicht thematisiert" worden sei. Zudem sei das Problem der sogenannten Sonderfreigaben nicht gelöst. Als Stadt wünsche man, dass die Jets zwei bis drei Kilometer länger auf der Ideallinie bleiben und erst ab Niddatal abbiegen würden. "Erst dann würde Karben verschont." Die Städte wollten einen entsprechenden Antrag bei der Fluglärmkommission einreichen. Rahn zeigte sich abschließend recht zufrieden mit den Gesprächen: "Ich habe mir ehrlich gesagt weniger versprochen."

Die Bürgerinitiativen äußerten sich gestern noch nicht. Die Karbener BI hatte, wie berichtet, 700 Protestunterschriften an den Bürgermeister übergeben. Sprecherin Christina Domenech-Schmidt wies gegenüber der WZ darauf hin, dass das Lärmproblem keineswegs auf Bad Vilbel und Karben beschränkt sei: Man habe inzwischen Anrufe von Betroffenen aus der übrigen Wetterau erhalten. Gestern Abend war das Thema auch auf der Tagesordnung des Stadtparlaments. Die WZ wird berichten.

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