Fluglärm: Karben nicht hoch betroffen"

Karben (dit). Abweichungen von ausgewiesenen Flugrouten und die offiziellen Freigabepunkte der Deutschen Flugsicherung (DFS) könnten Ursachen dafür sein, dass sich Rendeler Bürger vermehrt über Fluglärm beklagen. Dies wurde in einer Podiumsdiskussion deutlich, zu der die CDU eingeladen hatte.

Dass der Sachverhalt geprüft werde, versicherte Jürgen Harrer, Leiter Kommunikation Fraport, der zusammen mit dem Referenten politische Kommunikation, Frank Cornelius, an der unter dem Motto "Wie laut darf der Jobmotor Flughafen sein?" stehenden Veranstaltung teilnahm.

Rund 100 Teilnehmer, unter ihnen Stadtverordnetenvorsteherin Ingrid Lenz und Mandatsträger von FW Karben, FDP, Grünen und SPD, konnte der als Moderator fungierende Stadtverbandsvorsitzende Mario Beck im Dorftreff willkommen heißen.

"Die CDU hat stets betont, dass der Flughafen als Wirtschaftsfaktor wichtig ist. Von der Nähe zum Flughafen profitieren auch Karbener Unternehmen und Arbeitnehmer", sagte er. In den vergangenen Monaten sei in der Region eine Debatte um Flugrouten und Lärmwerte entstanden. Beck betonte: "Die Diskussion wird emotional geführt, aber Sachargumente dürfen nicht zu kurz kommen."

Über die Entwicklung des Flughafens, von dem aus 108 Fluglinien zu 304 Zielen in 108 Ländern starten, informierte Harrer. "Das Mobilitätsbedürfnis ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen, die internationale Arbeitsteilung wird in hohem Maß über den Luftverkehr abgewickelt." Im Vergleich zum Jahr 1980 sei die Anzahl der Flughafen-Beschäftigten von 31 811 auf rund 75 000 gestiegen. 572 Beschäftigte wohnen in der Wetterau, 240 in Karben. "Über 90 Prozent der Aufträge werden an kleinere Betriebe in der Region vergeben." Derzeit gebe es 90 Starts und Landungen pro Stunde, eine Steigerung auf 126 Flugbewegungen pro Stunde sei möglich. "Aktuell haben wir aber nicht mehr Flugbewegungen als im Jahr 2008."

Laut Cornelius liegt Karben in einem "nicht hoch betroffenen" Randgebiet. Die "Route 07 N lang", von der Rendel bei Ostwind und Schönwetterlage betroffen ist, werde mit Inbetriebnahme der "Route 07 N ultralang" voraussichtlich langfristig nach Osten verschoben, die "Route 07 N kurz" entfalle. "Die kleineren Flugzeuge, die derzeit auf der "Route 07 N kurz" fliegen, werden dann auf die "Route 07 N lang" verlagert.

" Somit würden dann kleinere, höher fliegende Flugzeuge Rendel tangieren. Dies bedeute eine Verringerung des Fluglärms. Eine Aussage bezüglich einer von einem Teilnehmer befürchteten höheren Frequentierung könne derzeit nicht getroffen werden. Eine Reduzierung des Fluglärms gehe mit der in acht Wochen bevorstehenden Anhebung der Gegenanflughöhe um 300 Meter einher.

Die in einer lebhaften Diskussion wiederholt gestellt Frage, weshalb die Flugbewegungen aktuell immer weiter nach Westen verlagert würden, konnte Cornelius nicht beantworten. Ein Bürger wies darauf hin, dass der im Internet abrufbare Flugverlauf dem Korridor zwischen Büdesheim und Rendel entspreche. "De facto fliegen die Flugzeuge aber über unsere Dächer. Und sie fliegen auch deutlich niedriger." Hans Hansen, der eine Fluglärmmessung am Boden anregte, verwies auf Informationen, die vom Fluglärmschutzbeauftragten des Landes Hessen, Patrick Kirsch, zur Verfügung gestellt wurden. "Daraus geht hervor, dass mindestens 50 Flüge nach Westen ausweichen.

" Harrer versprach: "Wenn ich eine offizielle Stellungnahme erhalten habe, werden Sie eine Antwort bekommen." Auf die von einer Bürgerin geäußerte Befürchtung, die Nachtflugeinschränkung könnte unterlaufen werden, äußerte er: "Es wird alles getan, damit die letzte Maschine um 22.59 Uhr die Startbahn verlässt." Allerdings gebe es Ausnahmen, zum Beispiel für aus medizinischen Gründen notwendige Flüge.

Dem Hinweis, dass insbesondere Lufthansa-Maschinen in geringer Höhe flögen, hielt er entgegen, dass jede zweite Flugbewegung einer Lufthansa-Maschine zugeordnet werden und es sich um größere Flugzeuge handeln könne. Auf den Vorschlag von Mario Beck, das Einhalten der Routen mit einem niedrigeren Landeentgelt zu honorieren, antwortete er: "Wir haben großes Interesse, dass ausgewiesene Routen eingehalten werden und werden mit der DFS intensiv die Veränderung des offizielle Freigabepunkts diskutieren."

Eine Stellungnahme für die Stadt Karben gab Bürgermeister Guido Rahn ab: "Wir sind keine Flughafengegner. Aber die Bedenken der neuerdings verstärkt betroffenen Bürger müssen ernst genommen werden. Die optimalen Routen außerhalb von Rendel sollten eingehalten werden. Dann wäre vielen geholfen."

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare