Kursleiterin Birgit Großmann-Kraus gibt den Freundinnen Maria (links) und Jana Tipps für das Modellieren. FOTOS: DOSTALEK
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Kursleiterin Birgit Großmann-Kraus gibt den Freundinnen Maria (links) und Jana Tipps für das Modellieren. FOTOS: DOSTALEK

Familie und Freunde aus Ton modelliert

  • vonAnne-Rose Dostalek
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Karben(dos). Verreisen ist zur Zeit nicht wirklich eine Option. Zu Hause muss es aber auch nicht langweilig werden. Die Erfahrung haben jetzt Kinder gemacht, die in den Ferien bei einem Töpfer-Workshop in der Karbener Kulturscheune mitgemacht haben.

Tastet euch langsam voran, spürt und seht, was mit dem Ton passiert, wenn ihr ihn mit den Fingern knetet, drückt, formt", sagt Birgit Großmann-Kraus. Die Keramikerin blickt auf die zehn Kinder, die an den Tischen in der Kulturscheune sitzen. Alle haben vor sich den bräunlichen und geschmeidigen Werkstoff liegen, aus denen sie jetzt Figuren formen sollen. Die Kursleiterin beim Herbst-Ferien-Workshop "Töpfern - Freunde halten zusammen" hatte ihnen zuvor erklärt, worum es gehen sollte: einen Freundeskreis aus Tonfiguren zu formen, der die enge Verbundenheit von Menschen symbolisiert.

Ursprung in Südamerika

Gerade jetzt in der Corona-Zeit könne so auf künstlerische Weise menschliche Nähe symbolisch dargestellt werden. Ob die Kinder dabei ihre Familie im Sinn hätten oder ihre Freunde, das könnten sie frei entscheiden. Seinen Ursprung hat der "Freundeskreis" in Südamerika, wo er traditionell zu besonderen Anlässen verschenkt wird.

Die Kinder machen ihre Erfahrungen mit dem Ton. Einigen fällt es leicht, aus einem Klumpen eine Figur zu formen, einen kompakten Körper noch ohne Arme, aber mit Kopf und Beinen. Andere sind unzufrieden mit der anfangs etwas unförmigen Wurst, die unter ihren Händen entsteht. Geduldig gibt Großmann-Kraus Ratschläge, zeigt, wie sich mit etwas drücken und kneten der Körper verändert.

"Das ist mein Vater", sagt Luise zu der ersten Figur, die sie geformt hat. Ihr macht es Spaß - und konzentriert nimmt sie sich die nächste Figur vor. Fanny will fünf Freunde aus dem Ton arbeiten und Leonie ihre große Familie. Geschickt modelliert die Achtjährige eine Figur nach der anderen, bis fast das Dutzend voll ist. "Jetzt müssen wir sehen, wie wir sie alle in dem Kreis unterbringen", sagt Großmann-Kraus lächelnd.

Kreativ bringen die Kinder auch eigene Ideen ein. "Jetzt kommen noch unsere Haustiere dazu, der Hund und die beiden Meerschweinchen", sagt ein Mädchen und macht sich eifrig ans Werk. Schritt für Schritt erklärt die Keramikerin die Arbeitsvorgänge: "Für die Arme den Ton nicht zu dünn rollen, sonst brechen sie ab", rät sie. Um die Arme anzufügen, ritzen die Kinder ihre Tonfigur an der Schulter ein, pinseln als Klebemittel Schlicker darauf, mit Wasser verflüssigten Ton, und drücken sie fest an.

Wer will, kann mit einem Stäbchen dem Kopf feinere Gesichtszüge verleihen, Haare einritzen oder mit Schlicker einen Zopf ankleben. Zum Schluss haben alle Kinder ihre Figuren modelliert und in den Kreis gestellt, einen runden Tonteller. In der Mitte wird Platz für eine Kerze gelassen.

Gebrannt werden die kleinen Kunstwerke in der Nidderauer Töpfer-Werkstatt von Birgit Großmann-Kraus. Zwei bis drei Wochen müssen sich die Kinder gedulden, bis sie ihre "Freundeskreise" abholen können. "Einfach toll, was die Kinder in den drei Vormittagsstunden geschafft haben", sagt Sozialarbeiterin Marion Rohmfeld, die das Töpferprojekt begleitet. Großmann-Kraus ist als Fachfrau zum zweiten Mal dabei. "Die Töpferkurse sind zurzeit sehr nachgefragt, auch von Erwachsenen", sagt die Keramikmeisterin.

Für Kinder sei Ton ein idealer Werkstoff, weil sie schnell Erfolge hätten. Diese Art von Töpfern stelle nicht so hohe Ansprüche an die Feinmotorik und die Kinder hätten einfach Freude am Arbeiten mit den Händen. Einige Regeln seien natürlich zu beachten, damit das Modellieren gelinge. Das Thema habe sie beim Kurs vorgegeben, aber für Fantasie bleibe genügend Raum.

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