Heike Herrmann, Fachbereichsleiterin Kinderbetreuung, bereitet die Teams der Kitas auf die Zeit der Wiedereröffnungen vor.	FOTOS: JÜRGEN SCHENK
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Heike Herrmann, Fachbereichsleiterin Kinderbetreuung, bereitet die Teams der Kitas auf die Zeit der Wiedereröffnungen vor.

Interview

Fachbereichsleiterin der Kinderbetreuung über die Situation in den Karbener Kitas: "Die Nachfrage steigt massiv"

  • vonJürgen Schenk
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Die aktuelle Situation ist weder für Eltern, noch Erzieherinnen leicht. Heike Herrmann kümmert sich um ein vierköpfiges Team, acht städtische Kindertagesstätten, rund 100 Mitarbeiterinnen und 850 Kinder. Zum 2. Juni sollen die Kitas wieder öffnen - im Interview spricht sie über die derzeitige Lage.

Frau Herrmann, seitdem das öffentliche Leben in Deutschland weitgehend ausgebremst wurde, ist es auch in den Karbener Kitas still geworden. Wie ist die Situation zurzeit in Karben?

Zurzeit haben fünf städtische Kindertagesstätten geöffnet. 75 Kinder nehmen das Angebot einer Notbetreuung in Anspruch. In zwei Kitas werden Kinder aus anderen Karbener Einrichtungen mitbetreut. Von Woche zu Woche steigt die Nachfrage massiv an. Ab nächster Woche erwarten wir insgesamt 84 Kinder. Das liegt daran, dass immer mehr Leute in ihre Berufe zurückkehren und an der Zahl alleinerziehender Elternteile. Aber auch der Druck auf viele Eltern, wieder arbeiten gehen zu müssen, spielt bei dieser Entwicklung eine große Rolle.

Besteht für die Erzieherinnen Maskenpflicht?

Das stellen wir unseren Mitarbeiterinnen frei. Etwa die Hälfte trägt selbst genähte Masken. Viele sehen ein Problem darin, dass die Kinder keine Gesichtsmimik mehr erkennen können. Umso jünger ein Kind ist, desto mehr achtet es auf freundliche, böse, lächelnde oder traurige Gesichtsausdrücke. Mit zunehmendem Alter gehen Kinder zur Sprache über. Wir haben jetzt Gesichtsschilde bestellt, die im Lauf der nächsten Woche ankommen sollen. Dann kann die Mimik der Erzieherinnen gut erkannt werden.

Wie halten die Erzieherinnen Kontakt zu den nicht betreuten Kindern?

Manche Kinder rufen in den Kitas an und unterhalten sich mit ihren Bezugspersonen. Natürlich ist das Telefonieren für Drei- oder Vierjährige meistens noch ein Problem. Es gibt auch Ideen, Fotos nach Hause zu schicken oder Videos in den Kitas zu drehen. Was das Filmen angeht - so weit sind wir leider noch nicht. Es ist gut möglich, dass gerade die Jüngeren beim Zurückkommen Schwierigkeiten haben könnten. Kinder, die sich in den zurückliegenden Wochen sehr an Mama und Papa gewöhnt haben, wahrscheinlich eher als Vorschulkinder. Wir arbeiten derzeit an einem pädagogischen Konzept zur Eingewöhnung, weil wir da auch Probleme sehen.

Kinderbetreuung in Zeiten von Corona: Kleinere Gruppen und mehr Platz 

Die Ereignisse sind dynamisch, das Virus ist kaum zu berechnen. Es ist denkbar, dass bei einer zweiten Infektionswelle getroffene Lockerungen zurückgenommen werden müssen. Welche Befürchtungen haben Sie in dieser Hinsicht?

Ich bin grundsätzlich ein positiv denkender Mensch. Aber natürlich ist es schwer für ein Kind, das erst ein paar Tage in der Kita war, wieder zu Hause bleiben zu müssen. Dann ist guter Rat für die Eltern teuer. Auch in dieser Frage erarbeiten wir jetzt ein Konzept, das aber noch nicht fertiggestellt ist.

Wie bereiten Sie sich auf den Neustart vor?

In allen Häusern werden Möglichkeiten für die Betreuung kleiner Gruppen geschaffen. Dazu müssen Räume umgestellt werden. Insgesamt brauchen wir mehr Platz in den Kitas. Bei der Beschäftigung der Kinder muss die nötige Distanz gewahrt sein, beim Bewegungsangebot ebenfalls. Ganz klar geht das nicht, wenn ein Kind weint. Dann sagen alle Erzieherinnen deutlich, dass sie es auf den Schoß oder in den Arm nehmen wollen. Es wird natürlich Hygienepläne geben. Im täglichen Morgenkreis soll besprochen werden, worauf es dabei ankommt.

Wie ist die Stimmung in den Kita-Teams?

Alle vermissen die Kinder sehr. Viele freuen sich sogar, wenn sie zur Notbetreuung eingeteilt werden. Endlich, ist eine Antwort, die ich oft zu hören bekomme. Wir müssen weiter behutsam und bedacht vorgehen, aber die Familien entlasten, wo es notwendig ist. Mein größter Wunsch ist natürlich, dass alle gesund bleiben.

Kinderbetreuung Stadt Karben: Heike Herrmann ist oft Beschwerdemanagerin 

Als Fachbereichsleiterin Kinderbetreuung bei der Stadt Karben führt Heike Herrmann ein vierköpfiges Team, acht städtische Kindertagesstätten, rund 100 Mitarbeiterinnen, 850 Kinder und ist Finanzgeberin für die Schülerbetreuung. Außerdem ist die 50-Jährige aus Burg-Gräfenrode oft Beschwerdemanagerin für Kita-Personal und Eltern. Da trifft es sich gut, dass sie aus dem Metier kommt. Bevor sie die stellvertretende Leitung der Kita »Am Zauberberg« in Karben übernahm, war sie fünf Jahre als Erzieherin in Frankfurt tätig. Nach 15 Jahren am Zauberberg wechselte Herrmann 2015 in den Fachbereich der Stadt. Seit Herbst 2016 leitet sie die Dienststelle im Rathaus.

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