So funktioniert es: Ausbilder Alexander Marx erklärt Mahdi Asghari die Technik des Karbener Hallenbades. FOTOS: JÜRGEN SCHENK

Besondere Ehre für Mahdi Asghari

Erstmals wird im Karbener Schwimmbad ausgebildet

Erstmals bildet die Stadt Karben einen Fachangestellten für Bäderbetriebe aus. Dabei handelt es sich um Mahdi Asghari, der vor einigen Jahren als Flüchtling aus Afghanistan kam.

M ahdi Asghari möchte etwas aus seinem Leben machen. In seinem Heimatland Afghanistan hätte der 21-Jährige dazu wohl keine Perspektive gehabt. Seit vielen Jahrzehnten wachsen die Jugendlichen am Hindukusch mit Terror und Gewalt auf, ohne Aussicht auf Änderung. Deshalb ist der junge Mann vor fünf Jahren, ohne Familie, mit der ersten großen Flüchtlingswelle nach Deutschland gekommen. Hier in der Wetterau hat er die erhoffte "bessere Welt" und ein Leben im Frieden gefunden.

Swimming-Pools nur in Hotels

Hierzulande war vieles neu für ihn. Wie die vielen Schwimmbäder. In Afghanistan hätten, wenn überhaupt, nur die größeren Hotels in der Hauptstadt einen Swimming-Pool, erzählt Mahdi. Auf dem Land würden die Menschen so etwas gar nicht kennen. Seine jetzige Begeisterung wurde entfacht, als er sich Gedanken um eine Berufsausbildung machen musste. Seinen Hauptschulabschluss machte Mahdi auf der Johann-Philipp-Reis-Schule in Friedberg. Dort kam er auch zum ersten Mal mit den "Bademeistern" in Kontakt. Das sind die Auszubildenden zum Fachangestellten für Bäderbetriebe, die an der gewerblich-technischen Berufsschule im Theorie-Bereich ausgebildet werden.

Die Schule ist hessenweit die einzige Berufsschule für diesen Ausbildungsberuf. 25 bis 30 Schüler reisen dafür aus ganz Hessen nach Friedberg und nehmen am Unterricht teil. Die Ausbildung dauert drei Jahre, mit den entsprechenden Leistungen kann sie auch in zweieinhalb Jahren absolviert werden. Diesen Weg hat Mahdi Asghari nun für sich entdeckt. Während eines Berufspraktikums lernte er das Hallenfreizeitbad in Karben kennen. Im Team von Chefin Carolin Beck und ihres Stellvertreters Alexander Marx fühlte er sich gleich gut aufgehoben. Schnell war klar: Das Schwimmbad sollte zu seiner Ausbildungsstätte werden. Vor etwa einem viertel Jahr stellte ihn die Stadt Karben als ersten Azubi in diesem Fachbereich ein.

Sein direkter Ausbilder ist Marx. "Die Tätigkeiten eines Fachangestellten für Bäderbetriebe sind sehr vielschichtig", erklärt Marx. "Man ist Bademeister, Techniker, Kindergärtner und Psychologe in einem. Vor allem aber muss man körperlich fit sein und gut schwimmen können. Auf diese Fähigkeiten kommt es im Ernstfall an. Generell braucht man mindestens das DLRG-Rettungsschwimmer-Abzeichen in Silber, um zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden." Das sollte für den Auszubildenden Asghari keine unüberwindbare Hürde darstellen. Bronze hat er bereits in der Tasche. "Und das, obwohl er sich anfangs gerade so über Wasser halten konnte", wie Marx mit leicht schelmischen Tonfall berichtet. Mittlerweile schwimme er aber allen anderen davon. Er sei ein echtes Naturtalent.

Jeden Tag zum Training ins Becken

Dafür trainiert Mahdi fast jeden Tag. Jetzt, während des erneuten Lockdowns, hat er das ganze Becken für sich allein. Obwohl die Wassertemperatur abgesenkt wurde, zieht er tapfer seine Bahnen. "Wie ein Fisch", sagt der Azubi über sich selbst. In der Prüfung werden anspruchsvolle Zeiten verlangt. Die Durchfallquote ist nicht gering. Zu den wichtigsten Schulfächern gehören Chemie, Biologie und Sport. Im Lernbereich Bädertechnik geht es zum Beispiel um die Wasseraufbereitung. Außerdem müssen die Auszubildenden sich in rechtlichen Belangen auskennen und Wiederbelebungsmaßnahmen beherrschen.

"Nach der Ausbildung sind die Aussichten nicht schlecht", weiß Carolin Beck. "Aktuell herrscht ein Mangel an Fachkräften. Rund 2000 Stellen sind nicht besetzt. Deswegen nehmen wir auch jede Praktikumsanfrage an. Wir wollen junge Menschen in diesen Job bringen." Nach ihrer Aussage könne Mahdi Asghari schon jetzt auf eine Übernahme nach der Ausbildung hoffen. Und diese Perspektive hat er sich bereits erarbeitet.

Die praktische Prüfung beinhaltet unter anderem eine kombinierte Übung ohne Pause. Sie besteht aus folgenden Teilen: Kopfsprung ins Wasser, 20 Meter Schwimmen in Bauchlage, Abtauchen auf drei bis fünf Meter Tiefe, Heraufholen eines fünf Kilogramm schweren Gegenstands, Lösen aus einer Umklammerung, 25 Meter Schleppen, Sichern und an Land bringen des Geretteten, Herz-Lungen-Wiederbelebung. Weiter müssen in 15 Minuten 400 Meter im Becken in verschiedenen Schwimmstilen zurückgelegt werden. 12 Minuten hat der Prüfling Zeit, um mit Kleidung eine Strecke von 300 Metern zurückzulegen und sich anschließend im Wasser zu entkleiden. Außerdem gehören 25 Meter Streckentauchen und ein Sprung aus drei Metern Höhe zur Prüfung. Der theoretische Teil umfasst Fragestellungen zur Rettungstechnik. Eine Erste-Hilfe-Ausbildung ist erforderlich. Das Mindestalter beträgt 14 Jahre. jsl

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