Er liebt das Lesen und Theaterspielen: Jetzt hat Yannick Arora aus Karben im Spielfilm "RUN" des Open Mind Ensembles die Rolle des Hauptdarstellers Leon übernommen. Es ist zugleich sein erster Film und die erste Hauptrolle.	FOTO: CHRISTINE FAUERBACH
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Er liebt das Lesen und Theaterspielen: Jetzt hat Yannick Arora aus Karben im Spielfilm »RUN« des Open Mind Ensembles die Rolle des Hauptdarstellers Leon übernommen. Es ist zugleich sein erster Film und die erste Hauptrolle. FOTO: CHRISTINE FAUERBACH

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Erst Außenseiter, jetzt Hauptrolle

  • vonChristine Fauerbach
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Themen wie Machtspiele, sexuelle Vielfalt, Diskriminierung, Ausgrenzung und Diversität greift der erste Karbener Spielfilm »RUN« auf. Yannick Arora spielt als Leon die Hauptrolle. Wie es dazu kam, und über die Arbeit am Set erzählt er in einem Gespräch mit dieser Zeitung.

S eine erste Rolle in einem Film verdankt Yannick Arora der Aufmerksamkeit seiner Mutter. Sie machte ihn kurz vorm ersten Lockdown 2020 auf den Aufruf »Schauspieler gesucht« bei Facebook aufmerksam.

Bereits seit seiner Schulzeit an der Kurt-Schumacher-Schule (KSS) hat Yannick ein Faible für die Bühne und das Rollenspiel entwickelt. »Ich habe in KSS-Schultheateraufführungen wie ›Gizmo‹ und ›Pension Schöller‹ mitgespielt sowie im Musical ›Da staunt der Römer‹ Bühnenerfahrung gesammelt«, berichtet der 21-Jährige. Da er von Anfang an Spaß am Theaterspielen hatte, »Texte auswendig lernen ist für mich kein Problem«, und schon immer einmal in einen Filmdreh hineinschnuppern wollte, nahm er Kontakt zum Open Mind Ensemble (OME) auf und ging zum ersten Treffen.

»Es gab keine festen Castings für einzelne Rollen. Die Regisseure Oliver Becker und Nina Karthaus gaben jedem mehrere Textpassagen und ließen alle verschiedene Charakter ausprobieren.« Yannick hoffte, dass er Glück hat und eine Statistenrolle bekommen würde. Dann kam der Anruf des Regieduos. Er sollte Leon und damit die Hauptrolle übernehmen. »Ich war total überrascht, dass ich die Hauptrolle spielen sollte«, berichtet der Klein-Karbener. Und er hatte mit gemischten Gefühlen zu kämpfen. Getrübt wurde die Freude über die Zusage anfangs durch Bedenken, »ob ich die Rolle aufgrund des Umfangs - Leon ist in fast jeder Szene zu sehen - ausfüllen kann.«

Hinzu kam, dass sich die Arbeit vor der Kamera von der auf der Bühne wesentlich unterscheidet. »Im Theater ist der Ablauf eines Stücks kontinuierlich, beim Filmdreh muss der Take stimmen, und die Szenen werden nicht chronologisch gedreht.« Darsteller füllten auf der Theaterbühne ihre Rollen gestisch, mimisch und stimmlich unter Anwendung verschiedener Techniken aus. Der Schauspieler ist Teil einer Gruppe, die nicht nur die Bühne, sondern auch den Zuschauerraum bespielt.

Am Set braucht man Spontanität

Im Film fokussiert sich das Spiel »in einem kleineren Raum« vor der Kamera. Gleich wichtig sind unter anderem Eigenschaften wie Fantasie, Freude am spielerischen Ausprobieren von Neuem, Einfühlungsvermögen, eine gute Beobachtungsgabe, Disziplin, Konzentrationsfähigkeit, Motivation, Spontanität und Ausdrucksfähigkeit. Wichtig sind auch eine gute körperliche Konstitution und Belastbarkeit, um stundenlanges Proben, im Freien bei jedem Wetter, durchzuhalten. »Die Arbeit am Film ›RUN‹ war für mich einerseits anstrengend und nervenaufreibend durch viele Wiederholungen einzelner Szenen, aber auch durch eigene Versprecher. Andererseits war es faszinierend zu sehen, wie ein Film gedreht wird. Großen Spaß gemacht hat die Arbeit im und mit dem Team. Wegen Corona hat nie das ganze Ensemble bestehend aus 25 festen Darstellern, 80 Statisten und zehn Gastdarstellern gedreht, sondern am Filmset war immer nur eine kleine Gruppe.«

Interessant findet Arora die Möglichkeit, dem Charakter einer Rolle seinen eigenen Stil zu verpassen. »RUN«-Hauptfigur Leon ist homosexuell. Yannick erläutert: »Es ist eine Rolle, die ich spiele. Für mich macht es keinen Unterschied, ob ich einen Homo- oder Heterosexuellen spiele, denn das Gefühl ›Liebe‹ kennt jeder, unabhängig von seiner sexuellen Prägung. Leon ist sich seiner Sexualität bewusst, schafft es aber nicht, zu ihr zu stehen, assoziiert viele seiner Probleme auf sie. Wodurch er Probleme mit sich und anderen hat.«

Im Alltag angefeindet

Yannick berichtet, dass er sich gut mit dem Thema Ausgrenzung auskenne. Der Sohn einer Deutschen und eines Inders wurde in der Schule oft gemobbt und in der Klasse in die Rolle eines Außenseiters und Opfers gedrängt. Heute wird er immer wieder mit Alltagsrassismus verschiedenster Ausprägung konfrontiert. Die Bandbreite reicht von Fragen wie »Verstehen Sie, was ich sage?«, überdeutlich akzentuiertem Sprechen und einem bestimmten Tonfall über Blicke bis zu Anfeindungen wie »Dummes Ausländerschwein« und »Geh zurück nach Hause«. Yannick, der in Frankfurt geboren ist und seit 20 Jahren in Karben lebt, sagt: »Irgendwann habe ich begonnen, darüber zu stehen, vieles verletzt mich inzwischen nicht mehr so wie früher. Abgesehen von rüden, verbalen Anfeindungen.« Nach der Mittleren Reife an der KSS wechselte er an die Oberstufe, die er aber verließ. Seit zwei Jahren macht er eine Ausbildung zum Sozialassistenten und sein Fachabitur im sozialen Sektor.

Zu Yannicks Hobbys gehören Musik machen, Lesen und eigene Geschichten schreiben. »An der KSS habe ich in der Bläserklasse Waldhorn gespielt, momentan elektronische Musik am PC. Ich lese gern Fantasy-Romane wie ›Narren Turm‹ und ›Witcher‹ von Andrzej Sapkowski oder ›Herr der Ringe‹ von Tolkien. In meinen eigenen Fantasy-Geschichten verarbeite ich viele Erlebnisse und Emotionen, habe einige anonym auf einem Blog veröffentlicht. Die künstlerische Ader habe ich von meiner Mutter, die malt, geerbt.« Freuen würde sich Yannick Arora über neue Rollenangebote. Sein Traum wäre es, nach seiner Ausbildung ein Schauspielstudium zu machen. Er ist ein großer Fan der Frankfurter Theatergruppe »Landungsbrücken« und findet die Bad Vilbeler Burgfestspiele toll.

Das Open Mind Ensemble (OME) will seinen Spielfilm »RUN« bundesweit in Programmkinos laufen lassen und bei Filmfestivals zeigen. Träger des Filmprojektes sind das Karbener Literaturforum und der Verein Spiel & Theater - Werkstatt & Wohnung, kurz STWW e. V., Medienpartner ist Radio MKW. Zu den Förderern gehören die Stadt Karben, der Wetteraukreis mit dem Bundesprogramm »Demokratie leben« und das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Für Kinoqualität mit Dolby Surround System und 6K-Filmkameras ist das Roko Media-Studio von Robert Kohlmeyer zuständig. Die Filmmusik haben Patrick Bohlender und Lars Nieminen komponiert. Am 12. März 2021 soll - falls es die Corona-Pandemie gestattet - die Premiere von »RUN« im Cinepark Karben stattfinden. cf

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