Ortsvorsteher Erhhard Menzel deutet auf die Erklärungen unterm Platz-Schild. Er bedauert, dass die Freundschaft der beiden Fußballvereine aus Rendel und Valence en Brie derzeit "durch ein Tal der Tränen" gehe. Er hofft auf eine Wiederbelebung. FOTOS: CHRISTINE FAUERBACH
+
Ortsvorsteher Erhhard Menzel deutet auf die Erklärungen unterm Platz-Schild. Er bedauert, dass die Freundschaft der beiden Fußballvereine aus Rendel und Valence en Brie derzeit "durch ein Tal der Tränen" gehe. Er hofft auf eine Wiederbelebung. FOTOS: CHRISTINE FAUERBACH

Platz zum Verweilen

Erinnern an Fußballer-Freundschaften

  • vonChristine Fauerbach
    schließen

Der Valence-en-Brie-Platz in Rendel ist unspektakulär. Im Advent leuchtet die Fichte dort als Weihnachtsbaum. Der Platz ist ein Symbol der seit fast 40 Jahren bestehenden Fußallfreundschaft.

Plätze sind Treffpunkte der Bürger und Kulturen, laden zum Verweilen ein. Sie haben städtebauliche Bedeutung, sind Denkmal der Geschichte, Orte für Kunst und Kultur, erinnern an längst vergangene Zeiten und versprühen einen eigenen Charme. Sie sind groß und prächtig oder klein und unauffällig. Nicht immer sieht man ihnen an, welche Bedeutung sie haben.

Zu den auf den ersten Blick unspektakulären Plätzen gehört der Valence-en-Brie-Platz in der Rendeler Ortsmitte. Er liegt an der Ecke Klein-Karbener-Straße/Pfarrgasse. Eine stolze Fichte zieht alle Blicke auf sich. In der Adventszeit schmücken sie Bauhofmitarbeiter mit Lichtern, die den Platz in der dunklen Jahreszeit stimmungsvoll erhellen. Im Sommer leuchten die roten Blüten eines Rosenstrauchs in der Sonne. Umgeben von schützenden Kirschlorbeerhecken stehen unter dem Blätterdach eines Ahornbaumes zwei Bänke.

"Die Aufenthaltsqualität des Valence-en-Brie-Platzes hat sich verbessert. Die Akzeptanz des innerörtlichen Biotops ist in der Bevölkerung gestiegen. Heute dient der Platz Bürgern aller Generationen als Treffpunkt", sagt Ortsvorsteher Erhard Menzel. Das war nicht immer so, denn bequeme Hundehalter nutzten ihn als Toilette für ihre Vierbeiner. Maßgeblich zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität beigetragen hat die Initiative von Stefan Hirtler, Nachbar und Vizevorsitzender des TV Rendel.

Er sorgte dafür, dass ein Spender für Hundekotbeutel installiert wurde und hat die Platz-Patenschaft übernommen. Der Ortsvorsteher plant, mit der Stadt über eine weitere Bepflanzung des zu sprechen. Ziel ist es, die Aufenthaltsqualität für Menschen und Tiere zu optimieren.

Häuser sind abgerissen worden

Noch vor 50 Jahren sah es, wo sich heute der Valence-en-Brie-Platz befindet, ganz anders aus. Hier stand die Hofreite der Familie Jakob. Das Wohnhaus des kinderlosen Malers und Weißbinders Philip Jakob stand längs der Klein-Karbener Straße, die dort einen Engpass hatte. "Entgegenkommender Verkehr konnte an der Stelle nicht aneinander vorbeifahren." Nach der im Juli 1970 erfolgten Stadtgründung Karbens kauft der Magistrat das leer stehende Anwesen, ließ es abreißen, um die Straße zu verbreitern. Auf der verbleibenden Fläche wurde der Valence-en-Brie-Platz angelegt. Seine Geburtsstunde schlug Pfingsten 1981. Der damalige Ortsvorsteher Günter Ludwig weihte den Platz in Anwesenheit von Bürgermeister Paul Schönfeld ein. Monique Billard, Gattin des 1. Vorsitzenden des CS Valence en Brie, taufte ihn mit einer Flasche Champagner.

Seither ist der Platz ein Symbol, der seit 1964 bestehenden Freundschaft der Fußballer des TVR mit den Kickern des C.S. Valence en Brie und zugleich eins für die Freundschaft zwischen den Bürgern zweier Staaten, die eine bewegte gemeinsame Geschichte verbindet. Mit ihrer Freundschaft besiegelten die Sportler ihren Willen zur Völkerverständigung, was Anfangs der 1960er Jahre bemerkenswert gewesen sei.

Im Sommer fand die Premiere des Freundschaftsspiels der ersten und zweiten Mannschaften beider Vereine statt. Den Grundstein gelegt haben mit Valençois Jean-Claude Grandpierre, einem Elektriker, und seinem Rendeler Arbeitskollegen Otfried Hoos, zwei begeisterte Fußballer. "Bis heute bestehen noch viele familiäre Beziehungen zwischen den Einwohnern der beiden 600 Kilometer voneinander entfernten Orte", sagt Menzel.

Aktivitäten sind ins Stocken geraten

Die gemeinsamen Aktivitäten reichten von zusammen verbrachten Urlauben, Besuchen von Fußballspielen der 1. Französischen Liga oder Bundesliga, der Ausübung von Hobbys über Familien- und Silvesterfeiern bis zur Übernahme von Patenschaften und Trauzeugen.

Immer wieder würden Rendeler Familien in ihrer Partnergemeinde einen Zwischenstopp auf der Reise in die Bretagne oder Normandie einlegen, um ihre französischen Freunde wiederzusehen. Menzel bedauert: "Zurzeit geht die Freundschaft der beiden Vereine allerdings durch ein Tal der Tränen."

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare