Außen sieht die Burg-Gräfenröder Oberburg so aus wie zuvor. Doch innen laufen die Sanierungsarbeiten auf vollen Touren. Das Erdgeschoss ist weitgehend erneuert, der Eigentümer will im Anschluss das Obergeschoss für sich und seine Familie herrichten. 	FOTOS: HOLGER PEGELOW
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Außen sieht die Burg-Gräfenröder Oberburg so aus wie zuvor. Doch innen laufen die Sanierungsarbeiten auf vollen Touren. Das Erdgeschoss ist weitgehend erneuert, der Eigentümer will im Anschluss das Obergeschoss für sich und seine Familie herrichten. FOTOS: HOLGER PEGELOW

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Erdgeschoss der Oberburg saniert

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Der Sanierungsbedarf ist groß, aber der Eigentümer der historischen Oberburg von Burg-Gräfenrode hat die erste Etappe vollendet. Das Erdgeschoss erstrahlt in neuem Glanz. Die evangelischen Senioren haben sich dort jetzt erstmals getroffen.

S eit Mai vergangenen Jahres hat die unter Denkmalschutz stehende Oberburg in Burg-Gräfenrode einen neuen Eigentümer. Die evangelische Amtskirche Hessen-Nassau in Darmsadt hatte das Gebäude an den langjährigen Schutzpatron der Kirchengemeinde, Freiherr Philipp von Leonhardi, verkauft. Das Freigelände mit dem Spielplatz konnte die Stadt beziehungsweise deren Kommunales Immobilien-Management (KIM) erwerben. Dass die Kirche Gebäude und Gelände veräußert hat, war heftig umstritten. Mittlerweile ist es ruhig geworden um den Verkauf. Der neue Eigentümer hat die Ärmel hochgekrempelt und saniert das historische Gebäude. Die Ergebnisse der seit September vergagenen Jahres andauernden Arbeiten sind nun im Erdgeschoss zu sehen. Und auch, dass der Groß-Karbener Wort gehalten hat, denn von Anfang an hat er die Absicht gehabt, der evangelischen Kirchengemeinde die Räume zu vermieten. Denn kirchliche Arbeit soll auch nach dem Eigentümerwechsel dort stattfinden.

Am Mittwochnachmittag waren die Frauen des evangelischen Seniorenkreises diejenigen, die als Erste den neuen Gemeinschaftsraum mit Leben erfüllt haben. Während Ekkehard Müller zu Beginn des Treffens eine kleine Andacht hält, wird im künftigen Gemeindebüro noch eifrig gesägt und gehämmert. Denn bis kommenden Sonntag soll das Erdgeschoss, bis auf Kleinigkeiten, fertig saniert sein.

Wer das Burggebäude jetzt betritt, stößt schon auf das erste sanierte Teil: Die Eingangstür ist außen neu in Grün gestrichen worden, auf der Innenseite wurde die Eichenholztür abgeschliffen und neu geölt.

Wände mit Kalkputz und Hanffasern

Wer durch die Tür gegangen ist, steht in einem großzügigen Eingangsbereich. Die Wände und Decken, die wegen der Verlegung der neuen Elektroleitungen aufgebrochen worden waren, sind mit Kalkputz und Hanffasern geschlossen worden. Der Eigentümer hatte bereits bei einer Baustellenbegehung im Oktober gesagt, dass man ökologisch wertvolle Materialien verwende. So dauere es zwar länger, bis die mit Kalk verputzen Wände wieder trocken seien, aber dafür sei das Raumklima später besser.

Vom Flur links ab geht es ins neue Büro. In dem rund 25 Quadratmeter großen Raum wird zwar noch eifrig gewerkelt, aber auch der soll bis zum kommenden Sonntag fertig sein. »Die Sekretärin haben wir in Zwangsurlaub geschickt«, schmunzelt Ina Lauster-Ulrich, die stellvertretende Vorsitzende des Karbener Gesamtkirchenvorstandes. Burgherr von Leonhardi betont, dass man im Büro und im neuen Gemeinschaftsraum die vorhandenen Deckenplatten saniert und wiederverwendet habe. »Wir haben dazu die passenden Lampen gefunden«, freut er sich.

Die historische Treppe ist während der Arbeiten gleichfalls freigelegt worden. »Wir haben den alten Linoleumbelag weggenommen und die Eichenhölzer wieder freigelegt.« Zudem habe man, wo es notwendig war, Teile der Treppe, etwa in der Zwischenebene, durch neue Eichenhölzer ergänzt. Die Treppe werde dann noch geölt, »um die Originalfarben wieder hervorzubringen«.

Komplette Elektrik erneuert

Fast fertiggestellt sind zudem die Bäder rechts vom Eingang. Durch Einziehen einer Zwischenwand sind sowohl Damen- und Herrentoilette als auch eine integrative Toilette entstanden. Während das große WC mit Haltegriffen behindertengerecht ausgestattet ist, fehlt noch der Klapptisch, denn dort sollen Mütter ihre Kinder wickeln können. Neben der Treppe ist noch ein kleiner Raum mit einer Schräge. Deutlich fällt hier ein moderner Sicherungskasten auf, in dem die Elektroleitungen zusammenlaufen. »Die Elektrik haben wir im gesamten Haus erneuert«, informiert von Leonhardi. Genau wegen der maroden Elektrik war der evangelischen Kita die Betriebserlaubnis entzogen worden. Das war Anlass für die Amtskirche, einen Gutachter ins Gebäude zu schicken, der den Sanierungsbedarf klären sollte.

»Hier machen wir noch eine Garderobe rein«, kündigt der Burgherr an. Das Schmuckstück des Erdgeschosses ist jedoch der 35 Quadratmeter große Gemeinschaftsraum. Hier sollen sich nicht nur Senioren, sondern auch Konfirmanden und andere Gruppen der evangelischen Kirche treffen können. Die Mitglieder des Seniorenkreises sind an diesem Nachmittag die Ersten, die bei Kaffee und Kuchen nicht nur die neuen Räume bewundert haben. »Sie sitzen auch auf nagelneuen Stühlen«, sagt Lauster-Ulrich. Die Roggauer Senioren schmunzeln. »Sehr schön ist das alles hier geworden«, sagen sie übereinstimmend. Und vor allem finden sie klasse, dass sie nun nicht mehr die Treppe steigen müssen, denn zuvor hatten sie sich immer im ersten Stock der Burg getroffen. Jetzt müssen sie nur noch eine einzige Stufe überwinden, bautechnisch bedingt. Demnächst aber können sie ganz bequem in den neuen Gemeinschaftsraum gehen. Eine neue mobile Rampe ist laut Lauster-Ulrich schon bestellt.

Die evangelische Kirchengemeinde Burg-Gräfenrode lädt für Sonntag, 1. März, zu einem Empfang in die historische Burg ein. Los geht es um 11 Uhr mit einem Gottesdienst, danach gehen alle gemeinsam von der Kirche in die Oberburg. Dort gibt es einen Sektumtrunk, und es werden Reden gehalten. Grußworte kommen von Dekan Volkhard Guth, von Markus Keller von der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau Darmstadt, vom Eigentümer Philipp von Leonhardi, Bürgermeister Guido Rahn und Ina Lauster-Ulrich vom Gesamtkirchenvorstand Karben. pe

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