Ulrike Loos erinnert sich noch gut an die Anfänge des Waldschadenslehrpfads. Damals hat der saure Regen den Bäumen zugesetzt. Inzwischen leidet der Wald unter Trockenheit und dem Klimawandel.
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Ulrike Loos erinnert sich noch gut an die Anfänge des Waldschadenslehrpfads. Damals hat der saure Regen den Bäumen zugesetzt. Inzwischen leidet der Wald unter Trockenheit und dem Klimawandel.

Entsteht im Karbener Wald ein neuer Lehrpfad?

  • vonJürgen Schenk
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Vor Jahrzehnten haben Umweltaktivisten den Waldschadenslehrpfad im Karbener Wald angelegt. Der Weg ist fast in Vergessenheit geraten. Nun gibt es Ideen, einen neuen Weg zu gestalten.

Freunde des Karbener Waldes werden sich erinnern: Gleich links vom Parkplatz begann früher der Waldschadenslehrpfad. Ein aus Holz gefertigter Eingang zeigte an dieser Stelle den Anfang des Weges an. Unterwegs machten mehrere Stationen mit Informationsschildern deutlich, wie stark der Baumschaden über einen gewissen Zeitraum fortgeschritten war.

Heute stehen andere Probleme im Fokus. Zunehmende Trockenheit und der Borkenkäferbefall nagen an der Gesundheit der »grünen Lunge«. In den vergangenen Jahren hat der Karbener Stadtwald seine Hauptfunktion als forstwirtschaftlicher Nutzwald nach und nach verloren. Umso mehr ist er zum Naherholungsgebiet geworden. Andererseits ist über den Waldschadenslehrpfad längst Gras gewachsen. An wenigen Bäumen erinnern aufgemalte Prozentzahlen an die Vergangenheit. Reiter und Hundebesitzer nutzen die Wildnis, um ungestört zu sein. Kaum zu glauben, dass in dieses Gelände einst so viel Herzblut und Arbeitskraft investiert wurde.

Die Zahlen auf den Bäumen sind Zeugen des alten Lehrpfades.

Karbener Wald: Kranke Bäume sind gefällt worden

Es waren Leute vom Karbener Gewerbeverein, die alles initiiert hatten. Die ersten Informationstafeln sollen noch mit Werbeaufdrucken verschiedener Geschäfte versehen gewesen sein. Auch der hölzerne Waldplan am Parkplatz stammt aus dieser Zeit. Nach der Gründung der BUND-Ortsgruppe Karben wurde das Projekt von den Umweltschützern aufgegriffen und weitergeführt.

»Das war Mitte der 80er-Jahre«, erinnert sich Ulrike Loos. »Wir haben damals viel Arbeit in die Pflege und Neuanlage von Bepflanzungsflächen am Lehrpfad gelegt. Der saure Regen hatte große Schäden im Baumbestand angerichtet. Besonders die Fichten haben stark gelitten. Durch großflächige Fällungen verschwanden die kranken Bäume und damit auch das Schadbild aus den Augen der Waldbesucher.« Die ehemalige BUND-Vorsitzende glaubt, dass das von der Politik so gewünscht gewesen sei.

Karbener Wald: Ist das Interesse in der Bevölkerung vorhanden? 

Bei einem Rundgang zeigt sie genau die Stellen, an denen früher Hinweistafeln standen. Und sie entdeckt entlang des Weges Potenzial für etwas Neues. Dazu gehört zum Beispiel ein umgestürzter Baum im Unterholz, dessen Zerstörung die derzeitige Problematik widerspiegelt. Hier könne man eigentlich eine neue Station anlegen, meint Loos. Plötzlich kommt die Idee von einem »Waldlehrpfad-Revival« ins Gespräch.

Revierförster Helmut Link, dessen Amtszeit nur noch bis Ende des Jahres geht, kann sich eine Neu-Projektierung allerdings kaum vorstellen. Dazu fehle es ihm einfach an Zeit und Kapazitäten, gibt er offen zu verstehen. Schließlich sei er alleine für das Forstrevier von Altenstadt bis Bad Vilbel zuständig. »Damit bin ich völlig ausgelastet«, sagt er. »Unter meiner Regie wird für den Lehrpfad keine Zeit mehr sein.« Er lässt außerdem anklingen, dass sich das Interesse der Menschen über die Jahre sowieso eher in Grenzen gehalten hätte.

Seitens der Stadt scheint jetzt wieder neues Interesse aufgekommen zu sein. Auf Anfrage dieser Zeitung hat Bürgermeister Guido Rahn (CDU) eine Neu-Anlage mit aktueller Thematik begrüßt und seine Fürsprache angekündigt. Negative und positive Aspekte sollten aber gleichermaßen berücksichtigt werden.

Karbener Wald: BUND unterstützt Idee für neuen Pfad

»Neben den neuen Bedrohungen des Waldes durch Trockenheit und Borkenkäfer, haben wir auch noch positive Funktionen wie etwa den Waldkindergarten, Wanderwege, einen Teich sowie Klotzbeuten der Bienenbotschaft«, erklärt Rahn. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Stadt Karben könnte an das Ansinnen der einstigen Initiatoren des Lehrpfades erinnert werden. Der BUND würde sich an dem Projekt beratend beteiligen. »Wir haben das Wissen und das Interesse, können es als Verein aber nicht alleine stemmen«, erklärt Ulrike Loos. »Das heißt, die Stadt müsste dann die Arbeiter und Maschinen stellen.« Inwieweit das alles gelingen kann, wird die Zukunft zeigen.

Karbener Wald: Saurer Regen

Über viele Jahre war der Begriff in aller Munde. Vor allem in den 80er und 90er-Jahren verursachte der saure Regen in den Wäldern immensen Schaden. Als Effekt setzte das Waldsterben ein. Niederschlag, dessen pH-Wert zwischen 4,2 und 4,8 liegt, wird als »sauer« bezeichnet. Reines Regenwasser hat einen pH-Wert von 5,5 bis 5,7. Hauptursache für die Verunreinigung von Regenwasser sind Abgase in der Luft, die Säure bilden. Solche Niederschläge bewirken im Waldboden eine Übersäuerung und stören den natürlichen Wasser- und Nährstoffhaushalt der Pflanzen. Dadurch nimmt die Widerstandskraft der Bäume ab; in der Folge kommt es zum Absterben. Im Karbener Stadtwald lag der Schaden an einer Buche zum Beispiel zwischen 1994 und 1997 bei 40 Prozent. In den beiden Folgejahren stieg er auf 50 und im Jahr 2000 sogar auf 60 Prozent. Danach ging der Prozentsatz wieder leicht zurück. Darauf deuten die entsprechenden Zahlen hin, die am Stamm noch zu erkennen sind. 

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