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Mia näht gerne und am liebsten in einer Gruppe mit anderen Kindern zusammen. Die Zehnjährige ist stolz auf das kleine Nadelkissen, das sie schon fertig hat.

Jugendkulturzentrum

Endlich wieder Leben im Jukuz in Karben

  • VonAnne-Rose Dostalek
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Im Jugendkulturzentrum Karben herrscht wieder Leben. Nach der langen coronabedingten Pause gibt es wieder Kursangebote und die offenen Treffs haben ihre Türen geöffnet.

D u musst den Nagel gerade treffen, genau auf den Kopf, das ist schon die Hälfte der Miete«, erklärt Reinhold »Randy« Hill und schaut auf Joris, der den Hammer mit beiden Händen hält. Sie stehen auf der Plattform der Holzhütte, die ein Dach erhalten soll. »Das haben sich die Kinder gewünscht«, sagt Schreiner Hill, der die Holzwerkstatt des Karbener Jugendkulturzentrums (Jukuz) leitet.

Draußen ohne, innen mit Maske

Im Hüttendorf hinter dem Jukuz-Hauptgebäude, im Schatten von großen Bäumen, können die Kinder nach Herzenslust bauen und werkeln. Coronagemäß im Freien, um die Ansteckungen mit dem Virus zu vermeiden. Angemeldet haben sich vier Jungen zwischen 8 und 11 Jahren, die nun mit heller Begeisterung im Hüttendorf Holzbretter sägen und hämmern. »Die Kinder haben sich irrsinnig darauf gefreut, einfach loslegen zu können«, sagt Hill, der von allen einfach Randy genannt wird. »Holz ist cool«, sagt Jan, der in wenigen Tagen zehn Jahre alt wird und wie die anderen gar nicht groß über Schule, Corona und Einschränkungen reden, sondern endlich wieder etwas machen will.

Die Kurse haben in der zweiten Juniwoche begonnen und dauern bis Sommerferienbeginn. Wie bei den Nähkursen für Mädchen ist die Teilnehmerzahl auf vier beschränkt. Weil die Jungen im Freien werkeln, müssen sie keine Maske tragen. Die Mädchen hingegen im Nähraum unterm Dach tragen diszipliniert den Mund-Nase-Schutz, sind aber froh, als sie ihn in der Pause im Freien ablegen können. »Das habe ich beim letzten Mal genäht«, sagt Mia und hält ein kleines Nadelkissen hoch. Nähen macht ihr Spaß und dass das wieder möglich ist, mit anderen Kindern zusammen, ist für die Zehnjährige das Größte. An diesem Nachmittag sind die Kinder damit beschäftigt, einen Brötchenkorb aus Stoff zu nähen. Wie das geht, mit Zuschneiden, Nähmaschine einrichten, Säumen und Versteppen, das erläutert ihnen Julia Cellarius, Sozialarbeiterin und gelernte Schneiderin. »Himmel, ist es schön, wieder hier mit den Kindern arbeiten zu können. Ich liebe meine Arbeit und habe sie so sehr vermisst«, sagt sie. Vorbei ist die Zeit, als sie das Homeschooling in den Räumen des Secuz unterstützte, ein Angebot des Jukuz und der Schulsozialarbeit für Fünft- bis Siebtklässler der Kurt-Schumacher-Schule. »Das haben wir gut ins Laufen bekommen«, sagt sie. Statt digitalem Homeschooling jetzt also wieder die Nähkurse für Kids und Teens und jeden Donnerstagnachmittag der Jugendclub im Degenfeld’schen Schloss in Groß-Karben - ab 8 Jahren.

Jugendarbeit lebt von der Begegnung

Auch die anderen offenen Treffs, das Jugendcafe - freitags im Jukuz - und der Mädchentreff donnerstags sind wieder gestartet. Die lange Pause ist nicht ohne Auswirkung geblieben, denn offene Jugendarbeit lebt von der unmittelbaren Begegnung und den damit entstehenden Freundschaften und Bindungen. »Es ist ein Neustart, aber einige Jugendliche sind wieder gekommen«, sagt Sozialpädagogin Marion Rohmfeld, zuständig für die Angebote des Mädchentreffs. Digitale Angebote über die Homepage des Jukuz oder Kontakte über WhatsApp und Instagram hätten das wirkliche Miteinander nicht ersetzen können. Ihr Eindruck sei, dass die Kinder und Jugendlichen das Digitale satt hätten und endlich wieder etwas erleben wollen.

»Auf die Öffnungsperspektive im Sommer haben wir lange gewartet, jetzt ist es endlich soweit und wir nehmen mit unseren zielgruppenspezifischen Angeboten für Kinder und Jugendliche und den Offenen Treffs wieder Fahrt auf«, sagt Thomas Frühauf, Leiter des Jukuz. »Wir haben immer ein offenes Ohr dafür, wenn junge Menschen eine Idee, ein Projekt, einen Wunsch haben, den sie entweder mit uns oder eigenständig in unseren Räumlichkeiten und Freigelände umsetzen wollen«, erklärt Frühauf und freut sich, dass wieder Leben im Haus einkehrt. Dafür sorgen sollen neben den regulären Angeboten, zu denen die Ferienspiele gehören, auch neue Projekte wie die Open-Air-Filmtage im Juli in Zusammenarbeit mit dem Cinepark Karben.

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