+
Am "Heartbreak Hill" in Bad Vilbel heißt es: Augen zu und durch.

Eisern in der Gluthitze: Ironman in der Wetterau

Wetteraukreis (jas/gk/cf). Heiß, heißer, Ironman: Gegen die Uhr, den inneren Schweinehund, vor allem aber gegen die Hitze kämpften am Sonntag die 2643 eisernen Frauen und Männer aus 67 Nationen, die beim Ironman Frankfurt an den Start gegangen waren.

Bei Rekordtemperaturen von bis zu 40 Grad und schwülheißer Luft wurde das Sport-Event, das den Athleten ohnehin einiges abverlangt, zur Tortur.

Nach dem Auftakt im Langener Waldsee – diesmal ohne Neopren-Anzug, denn der See hatte sich bereits auf 22 Grad Celsius aufgeheizt – führte die Radrunde die Sportler quer durch die Wetterau, unter anderem durch Karben, Bad Vilbel und Friedberg.

+++ mehr Bilder vom Ironman

Ordentlich was los war an den Stimmungsnestern entlang der Strecke, so auch an der Karbener Gehspitze, wo die TG Groß-Karben ihr Stimmungsnest aufgebaut hatte. Lautstark feuerten die Fans, die sich ein schattiges Plätzchen gesucht hatten, die Läufer an. "Wasser, Iso, Cola!", riefen die freiwilligen Helfer an der Versorgungsstation den Athleten zu und reichten quasi ununterbrochen gefüllte Flaschen, aber auch Energie-Gel, Bananen und Schwämme. Bei der Hitze ebenfalls eine Ausdauerleistung.

Burgberg als "Highway to hell"

"Highway to hell" – gegen 10 Uhr dröhnte der Song aus den Boxen neben der HR 3-Tribüne an der Burgmeile in Friedberg. Exakt um 8.54 Uhr hatten die beiden Favoriten des Ironman, Jan Frodeno (Foto unten rechts) und Sebastian Kienle, dicht hintereinander als erste den Burgberg erklommen. Zu dieser Zeit waren sie bereits zwei Stunden und 14 Minuten unterwegs – nach 3,8 Kilometern Schwimmen und 45 Kilometern auf dem Rad. Weitere 135 Kilometer auf der Straße und 42,195 Kilometer beim abschließenden Marathon am Main in Frankfurt standen ihnen und den anderen Teilnehmern noch bevor. Es würde, so der HR 3-Moderator, der heißeste Frankfurter Ironman werden – er sollte recht behalten. Überlegungen der Veranstalter, den Ironman wegen hoher Temperaturen und steigender Ozonwerte abzusagen, waren wieder verworfen worden. Der Grund: Jeder Teilnehmer müsse selbst wissen, wo seine Grenze liege.

Die Fan-Meile an der Burg belebte sich nur zögerlich. Die meisten Zuschauer suchten ein schattiges Plätzchen auf. Um 9.16 Uhr passierten die schnellsten Frauen, Daniela Ryv, Julia Gaier und Caroline Steffen, die Burg. Eine Neuerung gegenüber den bisherigen Ironman war die separate Burgmeilenwertung. Dem Fahrer, die den etwa 700 Meter langen Burgberg zweimal am schnellsten hochbrausen würden, winkte eine Prämie.

+++ Video vom Ironman in Friedberg

Für Sebastian Kienle, Sieger des letztjährigen Hawaii-Ironman, Daniela Ryv und andere Teilnehmer am härtesten Triathlon der Welt dürften die tropischen Temperaturen gestern kaum ein Problem gewesen sein. Auf der Pazifikinsel sind Werte um 40 Grad keine Seltenheit. Aber wie hält ein Freizeit-Triathlet so etwas aus? Vormittags an der Burgmeile auf der ersten 90-Kilometer-Runde zwischen Frankfurt und Friedberg sahen die Gesichtszüge der meisten Radler noch recht entspannt aus. Übrigens: Stolze 75 Jahre war der älteste diesjährige Ironman-Teilnehmer.

Party am "Heartbreak Hill"

"The Beast" in Bergen-Enkheim, das Kopfsteinpflaster "The Hell" in Maintal-Hochstadt und die Friedberger Burgmeile lagen hinter den Triathleten, als sie auf die Vilbeler Partymeile am "Heartbreak Hill" einbogen. Dort wurden sie mit Disco-Sound empfangen. Die Fans gaben alles: Anfeuerungsrufe, Winken, Klatschen und La Ola wechseln sich ab. Einige hatten Plakate mitgebracht, darauf standen Sprüche wie "Keep calm, be an Ironman" oder "Ingo go!". Aus den Lautsprechern schallte: "Liebe Triathleten und Triathletinnen, das ist eure Party."

Im Irokesen-Look jubelte eine Fangruppe aus dem belgischen Essen ihrem Freund Bart Schrooyen zu. Zwei Kilometer davor feuerten vier Freunde aus dem sächsischen Lichtenstein ihren Triathleten Torsten Stöber an. Die Vilbelerin Birgit Vaclaviké hatte gar einen aufblasbaren Mini-Ironman dabei, mit dem sie ihren Freund Ingo Klingenberg den letzten Kick vor dem Lauf durch die Mainmetropole verpasste. "Tine, Tine, los, los, los. Du bist super. Weiter so!", rief eine andere Gruppe der Vilbeler Neubürgerin Tine Holst zu. Immer wieder brandete Applaus auf, für alle, die den "Heartbreak Hill" hinter sich gelassen hatten.

Am Heilsberg-Kreisel wurden die Triathleten von einer Duftwolke gegrillter Bratwürste umweht. Die legten Mitglieder der Feuerwehr für die Zuschauer auf den Rost. Einige Meter weiter gab es von 120 Helfern der Frankfurter Eintracht Getränke, Power-Riegel und Bananen für die Sportler. Derweil flickten die Helfer beim Fahrrad-Service einen platten Reifen. "10 bis 15 werden es heute bestimmt", erklärte der Leiter, während hinter ihm die Triathleten Kurs auf die Mainmetropole nahmen. (Fotos: nic, jas, cf)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare