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Sie tauchen gemeinsam in eine mittelalterliche Welt ein: (von links) Anika Siebert, Kelly Koch, Franziska Schmitz, Kai Harlinghausen und Spielleiter Gerald Leps.

INFO

Eintauchen in magische Welten

Einmal im Jahr treffen sich spielbegeisterte Menschen im Jugendkulturzentrum (Jukuz) in Karben, um in Fantasiewelten Abenteuer miteinander zu bestehen. Die 20. Rollenspiel-Con wird erstmalig im Freien gespielt

Der Begriff »Con« steht für eine Abkürzung des englischen Wortes »convention«, zu deutsch Treffen oder Zusammenkunft. »Wir betreiben ein Rollenspiel und jeder von uns spielt eine fiktive Figur«, erklärt Spielmeister Gerald Leps. In diesem Fall sei dies die mittelalterliche Welt der verbotenen Lande.

Die Geschichte spielt nach einer überstandenen Seuche, in der die Einwohner wieder aus ihren Dörfern kommen und die Lande erkunden. Die Figuren erleben die Reise durch diese Lande und begegnen anderen Kulturen. Daraus ergibt sich eine Geschichte, die von den fünf Spielern gemeinsam erzählt wird.

Der Unterschied zu anderen Gesellschaftsspielen wie »Mensch ärgere dich nicht« sei die Tatsache, dass sich die Figur weiterentwickeln könne, durch die anderen Mitspieler oder die Geschichte, die sie erlebt habe. Damit erhalte das Spiel neue Geschichten, andere Höhepunkte. Mithilfe eines Regelbuches versuchten alle Spieler eine Sache zu lösen, sagt Leps.

Familiärer Charakter der Con in Karben

»Das Rollenspiel gab es schon bevor es Internet gab und es gibt es immer noch, obwohl es Internet gibt«, sagt Kai Harlinghausen. Speziell gestaltete Vorlagen beschreiben, was eine Figur ausmacht, wie ihre Attribute, Fertigkeiten oder die Ausrüstung sind. Ob sie Zwerg, Elf oder Zauberer ist, ob sie kämpfen kann oder nicht. Man kann auf seine Fähigkeit würfeln, mit bis zu Zwölf- oder 20-seitigen Würfeln.

»Es gibt viele verschiedene Systeme, wie ich ermitteln kann, was meine Figur für Fähigkeiten hat«, sagt Leps. Ein Spiel könne einen ganzen Tag dauern. Bei einer Con spiele man es zu Ende. Der Preis ist die Erfahrung, die der Spieler gewinnt, die gemeinsame Geschichte, die man mit fremden Leuten erlebt hat.

Anika Siebert ist zum ersten Mal dabei. Sie findet sich schon gut in die Geschichte ein und erzählt von der wundersamen Be-gegnung mit einem Fliegenmenschen. Es gibt Lagepläne, Zeichnungen und gestaltete Spielfiguren, um die Fantasie während des Spiels anzuregen.

Leps achtet darauf, dass jeder im Spiel seinen Auftritt hat. Bekannt sind eine Vielzahl von Spielwelten, von historischen Hintergründen bis hin zu Science-Fiction-Settings, Fantasy, Krimi-, Spionage und Horrorabenteuer. Am beliebtesten sind Fantasy-Welten, bei der Magie funktioniert. Kelly Koch spielt auch privat und probiert immer neue Systeme aus - mit anderen Leuten. »Immer wieder einen anderen Charakter zu spielen, das ist der Reiz«, sagt Koch.

Während Corona hätten die Leute online gespielt. Live sei das schöner, weil man die Leute persönlich sieht und die Geselligkeit mit Getränken und Knabbereien erlebt. Die zweite Gruppe erfreut sich im Freien an Steam-Fantasy. »Das System heißt Iron Kingdoms«, erklärt Alexander Stransky.

Sein Mitspieler Dominique Courbeaux aus Bad Homburg betreibt seit 15 Jahren Rollenspiele. »Die erste Con auf die ich gegangen bin war die Karben Con, deshalb komme ich regelmäßig wieder«, sagt Courbeaux. Markus Schnurr aus Frankfurt freut sich über besseres Wetter als gemeldet. Er hätte gehofft, dass noch weitere Leute einsteigen.

Angelika Möller, Sozialarbeiterin im Jukuz: »Dieses Mal ist die 20. Con. Sie sollte 2020 stattfinden, wurde aber wegen Corona verschoben. Wir nutzten die Gunst, sie im Sommer, im Freien, auszurichten. Eigentlich findet sie im Herbst statt«. Diesmal sind nur zwei Spielgruppen à fünf Spieler am Start. Die Spielleiter vom Orga-Team sind geimpft und getestet. Eine Voranmeldung der Spieler war nötig. Diese müssen geimpft, genesen oder getestet sein. Die Con finde normalerweise im Haus des Jukuz in den vielen kleinen Räumen statt. Daraus resultiere der familiäre Charakter. Andere Cons würden in großen Hallen ausgerichtet.

Wie Angelika Möller erklärt, treffen sich Stammspieler jedes Jahr, um nach dem Pen- und Paper-System zu spielen. Dies bedeute, dass man am Tisch sitze und mit Stift und Papier agiere. Entstanden sei das Ganze aus der Idee einer Jugendpflegerin. Eine Gruppe Interessierter organisierte die Con im Jukuz dann ehrenamtlich. An der ersten Con im Jahr 2000 nahmen 17 Spieler teil. Integriert sind der Live-Wettkampf »Die Karbener Herausforderung«, ein Kennenlernspiel und eine Tombola im Wechsel mit dem Wettkampf als Specials der Con. Letztes Jahr gab es eine Art Escape-Room. Auch Buttons werden kreiert. Etwa 50 Leute nahmen pro Jahr teil. 2020 fiel die Con wegen Corona aus, dieses Jahr findet sie in abgespeckter Form statt. gia

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