Einheitliches Mehrwegsystem für Gastronomie gefordert

  • Holger Pegelow
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Karben (pe). Die Pandemie hat die Müllproblematik in der Stadt abermals verschärft: Überfüllte Mülleimer und Einweggeschirr in den Grünanlagen, Kaffeebecher auf dem Bahnhofsvorplatz. Die Stadt Karben hat nach früheren Ausführungen des Bürgermeisters mit dem Müllaufräumen in der Landschaft und dem Leeren der Mülleimer jede Menge zu tun.

Auch CDU-Chef Mario Beck hat beobachtet, dass durch die Covid-19-Pandemie die Menge an Müll durch Einweggeschirr für Essen und Getränke zum Mitnehmen und Bestellen stark zugenommen habe. Deshalb hat er mit seiner Fraktion gefordert, der Magistrat möge in Abstimmung mit den Karbener Gastronomen die Umsetzung eines einheitlichen Mehrwegsystems für das Liefer- und Abholgeschäft der Gastronomie in der Stadt prüfen. Je mehr Karbener Betriebe ein einheitliches System nutzen, desto einfacher könnten Behältnisse zurückgegeben werden und umso mehr würden Mehrwegbehältnisse nachgefragt. Die Stadt soll nach den Worten von Beck hier eine koordinierende Rolle einnehmen.

Denselben Gedanken haben auch die Freien Wähler und einen ähnlichen Antrag formuliert. Dort heißt es, der Magistrat werde beauftragt zu prüfen, in welcher Form ein Mehrweg-Kaffeebecher und ein Mehrwegssystem für das Liefer- und Abholgeschäft der Gastronomie umgesetzt werden könne.

Verweis auf Kreisstadt

Die FW führen hier die Bemühungen von Friedberg und Bad Nauheim an. Die Stadt Karben sollte mit diesen beiden Städten Kontakt aufnehmen. Bürgermeister Guido Rahn (CDU) verwies in der Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung und Infrastruktur neben Bad Nauheim und Friedberg auch auf Bad Vilbel.

Wie in dieser Zeitung berichtet, hat in der Nachbarstadt Rinku Sharma, der Gründer der Bad Vilbeler IT-Schule Techeroes, gemeinsam mit Jugendlichen im Alter von zwölf bis 17 Jahren die Lieferplattform »Go Kidogo« ins Leben gerufen und damit Einwegpackungen den Kampf angesagt.

»Go Kidogo« heißt auf Suaheli so viel wie »Kleine Schritte, große Veränderung« und bietet den Restaurantbetreibern die Nutzung eines nachhaltigen Mehrwegsystems an. »Die teilnehmenden Restaurants können über Go Kidogo die in drei Größen zum Stückpreis von zehn Euro erhältlichen Boxen mieten, in denen sie ihr Essen an die Kunden ausliefern. Diese haben dann die Wahl, ob sie die Boxen anschließend behalten oder zum Restaurant zurückbringen wollen.«

In der Wetterauer Kreisstadt wie auch in Bad Nauheim befasst man sich dagegen mit einem anderen System. Wie berichtet, hat eine Marktanalyse in Bad Nauheim ergeben, dass sich das Mehrweg-Geschirr der Marke »Vytal« am besten eigne. Das pfandfreie Mehrwegsystem war durch die Fernseh-Sendung »Die Höhle der Löwen« bekannt geworden und ist deutschlandweit im Einsatz.

Die Firma bietet verschiedene Mehrwegbehälter an: drei runde (1250, 750 und 500 Milliliter Fassungsvermögen), eine geteilte Menübox mit zwei Fächern, einen Kaffeebecher mit Trinkdeckel und stapelbare Pizzaschachteln mit »ausgeklügeltem Belüftungssystem«, damit die Pizza knusprig und warm bleibt. Die Behälter bestehen aus Polypropylen, sind auslaufsicher und für Mikrowelle und Spülmaschine geeignet. Nach zehn Befüllungen weisen sie eine positive Ökobilanz auf.

Die Behälter haben einen QR-Code. Über eine App wird der Kunde registriert. 14 Tage hat man Zeit, um den Behälter bei einem der Teilnehmer abzugeben. Wer die Box in dieser Frist nicht zurückgibt, muss zehn Euro zahlen und hat sie somit erworben. Sonst ist kein Pfand zu entrichten.

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