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Moritz Bierbaum hat sich einen Jugendtraum erfüllt und in Rendel in der ehemaligen Vinothek ein Bistro eröffnet.

Hinterm Tresen

Gastronomie „Auszeit“ in der Wetterau: Neuer Wirt ist bekanntes Gesicht

  • VonJürgen Schenk
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Die „Scheune“ in der Rendeler Ortsmitte hat wieder einen Wirt. Vielleicht sogar einen, der ab und zu seine Lieder singt. Denn Musik gehört für Moritz Bierbaum zum Leben dazu.

Karben - Mit seinem Start in der Gastronomie kann Moritz Bierbaum zufrieden sein. Mehr als 70 Gäste wollten die Eröffnung des Bistros »Auszeit« miterleben. Richtig voll sei es am vergangenen Samstag gewesen, sagt der 28-Jährige. Die vielen Einweihungsgeschenke, die nebeneinander auf der Theke stehen, kolportieren das gleiche Bild. Nicht nur Leute aus seinem Heimatdorf Rendel wünschten ihm gutes Gelingen, sondern von überall her kamen Bekannte und Freunde zu Besuch. »Mit dem Bistro erfüllt sich für mich ein Jugendtraum«, verrät er. Das Abenteuer, ein eigenes Lokal zu besitzen, habe aber auch einen ernsten Hintergrund. Und man muss kein Hellseher sein, um ihn zu erraten: Corona.

Moritz Bierbaum ist über die Grenzen Karbens hinaus kein Unbekannter. Was man ihm als Gastronom für die Zukunft zutrauen darf, hat er als Sänger und Musical-Darsteller schon geschafft. Direkt nach seiner dreijährigen Ausbildung an der Stage & Musical Academy in Frankfurt bekam er die Hauptrolle des kleinen Prinzen in dem gleichnamigen Musical. 2019 trat er in der RTL-Castingshow »Deutschland sucht den Superstar« mit einem Josh-Groban-Song auf. Dem DSDS-Format konnte er letztlich nicht viel abgewinnen. Und sein hauptberufliches Engagement bei »Der kleine Prinz« liegt wegen der Corona-Einschränkungen in der Kulturbranche derzeit immer noch auf Eis. Während der Pandemie hat der junge Künstler seine Bodenständigkeit unter Beweis gestellt: In Rendel performte er Hauskonzerte für die Nachbarschaft und konnte damit vielen Menschen eine Freude machen.

Bistro „Auszeit“ in Rendel: Sänger und Musical-Darsteller hinterm Tresen

Jetzt macht Bierbaum aus der (Corona-)Not eine Tugend. Sein Bistro, das in den Räumen der ehemaligen »Vinothek« Platz gefunden hat, soll bei den Gästen nicht nur durch sein schönes Ambiente punkten. Vielmehr spielt auch seine große Leidenschaft, die Musik, in der Konzeption eine tragende Rolle. Zunächst einmal sei es für ihn eine Herzensangelegenheit, für alle Menschen in Rendel und Umgebung etwas Neues zu bieten, betont er. »Die Kultur liegt mir sehr am Herzen. Gerade Corona hat gezeigt, wie wichtig sie eigentlich den meisten Leuten ist. Ich möchte in Zukunft unbekannte Künstler fördern und ihnen hier eine Bühne geben. Natürlich werde ich auch selbst mal ein Konzert geben, denn viele nennen mich ja jetzt schon jetzt den singenden Wirt.« Er weiß aus eigener Erfahrung nur zu genau, wie sehr das Publikum mittlerweile nach solchen Veranstaltungen dürstet.

Saisonale Themenabende seien ebenfalls geplant, um das Bistro bekannt zu machen. Winzerabende, Oktoberfest, Halloween - Ideen habe er genug. Bei allem Einsatz für sein derzeit wichtigstes Projekt wolle er seine Karriere als Musiker aber nicht aus den Augen verlieren.

Dafür ist Moritz Bierbaum auch bereit, neue Wege zu gehen. Popmusik Marke DSDS werde er zukünftig nicht mehr machen. Handgemacht soll seine Musik sein, mit akustischen Instrumenten und mit deutschen anstatt englischen Texten. Eine entsprechende CD ist im Werden. »In dieser Branche muss man aufpassen, dass man nicht in eine Schublade gesteckt wird«, weiß der Solo-Künstler. »Inzwischen bin ich mein eigener Songwriter. Von meinem Produzenten und vom Management habe ich mich getrennt.«

Gastronomie „Auszeit“ in Rendel: Saisonale Themenabende

Im Bistro »Auszeit« wird er von einem Team aus Familienmitgliedern und Angestellten unterstützt. Sein Mann, der aus der Gastronomie stammt, hilft hinter der Theke mit. »Hier bin ich schon mit meinen Eltern eingekehrt«, erinnert sich Bierbaum. »Früher wurde das Lokal von den Machos betrieben. Da habe ich als Jugendlicher manchmal anschreiben lassen, und mein Vater musste am nächsten Tag den Deckel bezahlen.«

Am Eröffnungstag sei schon vorher richtig Leben in der Bude gewesen. Gerade noch rechtzeitig vor dem Eintreffen der ersten Gäste habe man es mit dem Putzen hinbekommen, erzählt Moritz Bierbaum. Jetzt scheint der Teufel nur noch etwas im Detail zu stecken. »Denn unser Kassensystem, das eigentlich sehr gut ist, akzeptiert noch keine Kartenzahlungen.«

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