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Die Kurt-Schumacher-Schule ist seit 2013 eine »Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage«. Navid Pirwayssian hat in seinem Schülerzeitungsartikel gefordert, dass die Inhalte des Projekts im Schulalltag wiederbelebt werden.

Schüler für Text geehrt

Ein Versprechen auffrischen

  • VonRedaktion
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Navid Pirwayssian hat mit diesem Text der KSS, den Sonderpreis beim Hessischen Schülerzeitungswettbewerb in der Kategorie »Gerechtigkeit« gewonnen. Hier der Beitrag - leicht gekürzt

Bei Anderssein mangelt es bei vielen an Toleranz«, sagt Bettina Kreutz, Schulsozialarbeiterin an der Kurt-Schumacher-Schule. ... Die Kurt-Schumacher-Schule ist seit 2013 eine »Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage«. Das bedeutet, dass damals mindestens 70 Prozent aller Schulmitglieder mit einer Unterschrift eingewilligt haben, gegen Diskriminierung und Mobbing vorzugehen. ... Trotz der eigentlichen Selbstinitiative, die die Schüler:innen ergreifen sollen, um eine Courage-Schule zu werden, wurde dieses Projekt von Helmut Polzer als Pate vorangetrieben. ...

Diskriminierung im Schulalltag

Nicht nur gegen Rassismus, sondern auch gegen alle Ungleichheiten wegen Religion, sozialer Herkunft, Geschlecht, körperlicher Merkmale, sexueller Orientierung und der politischen Meinung wendet sich das 1995 ins Leben gerufene Schulnetzwerk. Courage-Schulen sollen jedes Jahr mindestens ein Projekt zum Thema Diskriminierung organisieren. An der KSS gibt es punktuell Projekte wie Kabarett und die Woche der Demokratie, die solche Themen behandeln.

»Sensibilisieren« ist ein Stichwort, wenn es um Rassismus und Ähnliches geht. In einem Interview mit der Schulsozialarbeit hat sich herausgestellt, dass unsere Schule zwar eine gute, vorbildliche Grundhaltung hat, es dennoch Rassismus und Diskriminierung im Schulleben gibt. Diese kann sich in Form von »Späßen« äußern, kann aber auch zu Mobbing führen. Die Schulsozialarbeit habe schon viele unschöne Erfahrungen mit Rassismus gemacht. Vor allem kulturelle Anfeindungen seien keine Seltenheit, fasst Bettina Kreutz zusammen. Es falle manchen schwer, andere Kulturen zu akzeptieren. Dass Menschen auf ihre Abstammung reduziert werden, ist heute noch ein bedeutendes Thema an unserer Schule.

Dass ein solches Verhalten an der Kurt-Schumacher-Schule auftritt, stellt keinen Einzelfall dar. Laut einer Repräsentativumfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes geben etwa 23,7 Prozent der Befragten an, Diskriminierung im Bildungsbereich erlebt zu haben. ...

Rassismusforscher Karim Fereidooni, Professor an der Ruhr-Universität Bochum, sagte im Interview mit der Tagesschau, dass es trotz der unbekannten Prozentzahlen zurzeit keine Schule ohne Rassismus geben würde. »Überall dort, wo Menschen zusammenkommen, spielen Ungleichheitsstrukturen eine Rolle.« Damit sind einerseits die Ausgrenzungen innerhalb der Schüler:innenschaft gemeint, die meist »nebenbei« passieren und als Spaß verstanden werden. Hinzu komme, dass bei Mobbing vor allem der Kampf um Anerkennung eine Rolle spiele, weiß Kreutz. ... Andererseits ist auch die Machtungleichheit, die zwischen Lehrer:innen und Schüler:innen herrscht, ein Problem. Diese beeinflusst beispielsweise die Notengebung, wie eine Studie der Universität Mannheim herausgefunden hat: Bei der Korrektur eines Diktats wurde ein Schüler mit dem Namen »Murat« im Vergleich zu einem Schüler namens »Max« schlechter bewertet, trotz der gleichen Fehleranzahl. ...

Auch noch zur heutigen Zeit werden Stereotype bedient. Kindern mit Zuwanderungsgeschichte würden weniger Deutschkenntnisse zugetraut. Unmittelbare Diskriminierung gehört bei vielen zum Alltag. Erfahrungsberichte zeigen, dass viele Jugendliche das Gefühl haben, diskriminierende Anliegen würden von den Lehrkräften überhört oder nicht ausreichend beachtet. ...

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat einen Praxisleitfaden »zum Abbau von Diskriminierung in der Schule«, erstellt. Hier wird auf ausgrenzendes und beleidigendes Verhalten von Lehrer:innen hingewiesen und Verbesserungsstrukturen werden aufgezeigt. Die Schulsozialarbeit setzt sich gegen Mobbing und Ausgrenzung ein. Sie intervenieren in Konflikten und sie arbeiten präventiv, um solche Konflikte zu vermeiden. Dies geschieht mit verschiedenen Aktionen an der KSS, wie mit dem Schulkabarett »Homologie«, aber auch mit den Projekttagen zu Flucht und Migration.

Schulsozialarbeit interveniert

Es besteht der Wunsch, dass mehr Engagement seitens der Schüler:innenschaft kommt. Nach ersten Umfragen der Schüler:innenzeitung »eKSStrablatt« zeigte sich, dass die Aktion »Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage« kaum bekannt ist und viele nicht wissen, welche Bedeutung diese Auszeichnung für unsere Schule hat. Oft haben Schüler:innen zwar davon gehört, allerdings war ihnen nicht klar, dass das Projekt schon seit 2013 existiert und die vorherigen Schüler:innen sich bereit erklärt hatten, sich gegen Diskriminierung jeder Art zu wenden. ...

Die Selbstinitiative ernst zu nehmen und zu beweisen, dass wir eine Courage-Schule sind, wünscht sich Bettina Kreutz. Nun ist es an uns Schüler:innen, dieses Versprechen aufzufrischen durch das Bekenntnis der jetzigen KSS-Schüler:innenschaft, um diesem Titel auch heute noch gerecht zu werden.

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