1. Wetterauer Zeitung
  2. Wetterau
  3. Karben

Corona wütet an Wetterauer Schulen: Rektorinnen kämpfen mit Ausfällen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jürgen W. Niehoff

Kommentare

Der Ordner, in dem Schulleiterin Ursula Hebel-Zipper die coronabedingten Krankmeldungen sammelt, ist bald wieder voll. In fast jeder Klasse seien Schülerinnen und Schüler betroffen. Aktuell seien drei von 112 Lehrerinnen und Lehrern infiziert.
Der Ordner, in dem Schulleiterin Ursula Hebel-Zipper die coronabedingten Krankmeldungen sammelt, ist bald wieder voll. In fast jeder Klasse seien Schülerinnen und Schüler betroffen. Aktuell seien drei von 112 Lehrerinnen und Lehrern infiziert. © Jürgen W. Niehoff

Die Omikron-Variante des Coronavirus hat die Wetterau fest im Griff. Das macht sich an den Infektionszahlen an den Schulen ebenfalls bemerkbar. Am Mittwoch sind 198 Infektionsfälle aus Schulen gemeldet worden. Zwei Karbener Schulleiterinnen berichten vom Corona-Alltag.

Karben - »Ich verbringe zurzeit die Hälfte meines Arbeitstages mit der Bearbeitung der Corona-Fälle an meiner Schule«, sagt Ursula Hebel-Zipper. Die Stimme der Schulleiterin der Kurt-Schumacher-Schule, mit 1430 Schülern und 112 Lehrern eine der größten Schulen im Wetteraukreis, klingt verzweifelt. Hinter ihr liegen zwei schwierige Jahre mit vielen Corona-Beschränkungen.

»Es waren nicht nur für die Lehrer schwere Jahre, die sich im laufenden Schulbetrieb mit den neuen Techniken wie Online-Fernunterricht und den dadurch bedingten neuen Unterrichtsmethoden vertraut machen mussten, sondern auch für die Schülerinnen und Schüler stellten die zwei Jahre eine große Herausforderung dar«, sagt Hebel-Zipper.

Sie hat in dieser Zeit mit ihrer Schule alles mitmachen müssen, von der kompletten Schulschließung, über den Wechselunterricht mit teilweisem Präsenzunterricht und Homeschooling bis hin zu dem momentanen Präsenzunterricht mit dreimal wöchentlichen Tests und der strikten Maskenpflicht auch während des Unterrichts.

Corona an Wetterauer Schulen: Unzählige Meldungen ans Gesundheitsamt

Und während sie von ihren Erfahrungen aus den vergangenen Wochen berichtet, klingelt unentwegt ihr Telefon mit weiteren Corona-Meldungen aus ihrer Schule. Ihre Sekretärin kommt ins Büro und legt ihr neue Krankmeldungen von weiteren Schülern auf ihren Schreibtisch, die sie dann umgehend dem Gesundheitsamt melden muss.

Jede Schülerin und jeder Schüler sowie die Lehrerinnen und Lehrer müssten dreimal die Woche getestet werden. Das darf nicht in der Abgeschiedenheit zu Hause erfolgen, sondern wird in der Schule erledigt. Mittlerweile seien drei Lehrer und in jeder Klasse mindestens ein Schüler an ihrer Schule an Corona erkrankt. Klar, dass sie zu Hause bleiben müssen.

Und wie sieht es mit Impfverweigerern an der Gesamtschule aus? »Sagen wir mal so, wir haben auch ungeimpfte Lehrer und Schüler, wenn auch nur in ganz geringer Anzahl. Aber das sind keine generellen Verweigerer, sondern sie haben lediglich Probleme mit dem aktuellen Impfstoff und warten deshalb nur auf einen möglichen Totimpfstoff«, berichtet Hebel-Zipper. Diese Personen müssen sich dann aber auch täglich vor Zeugen in der Schule testen lassen.

Wetterauer Schulen: Corona hat Wissenslücken bei den Schülern verursacht

Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus haben natürlich auch die Eltern. »Wenn Corona-Fälle in der Klasse gemeldet werden, dann halten Eltern ihre Kinder auch schon mal zu Hause oder geben mir telefonisch oder schriftlich die widersprüchlichsten Ratschläge.«

Und diese Erfahrung macht sie nicht allein. Gegenüber der Kurt-Schumacher-Schule befindet sich die Pestalozzi Grundschule mit 282 Schülern und 24 Lehrern. Auch deren Schulleiterin Hilke Bender schildert die zurückliegenden zwei Jahre als sehr schwierig und für alle Betroffenen sehr anstrengend.

»Als wir nach der kompletten Schließung im Sommer 2020 mit dem Wechselunterricht wieder beginnen sollten, hatten noch nicht mal alle Kinder PCs oder Laptops zu Hause. Das hat der Elternbeirat dann in Eigenregie bewerkstelligt«, erinnert sich Bender. Der Vorteil an ihrer Schule ist, dass in den Klassen 3 und 4 der Umgang mit einem Computer auf dem Stundenplan steht und die meisten Kinder deshalb keine größeren Probleme mit dem Umgang mit dieser Technik hatten. »Allerdings haben diese zwei Jahre Wissenslücken bei den Kindern verursacht. Denn nicht jedes Kind ist so diszipliniert und bleibt den ganzen Vormittag vor dem PC ruhig sitzen und lernt«, sagt die Grundschulleiterin. Ein Großteil der Eltern sei vom Homeschooling überfordert gewesen.

Hilke Bender leitet die Pestalozzi-Schule, sie hofft auf ein baldiges Ende der Pandemie.
Hilke Bender leitet die Pestalozzi-Schule, sie hofft auf ein baldiges Ende der Pandemie. © Jürgen W. Niehoff

Wetterauer Schulen wollen Schließungen wegen Corona vermeiden

Ähnlich äußert sich auch die Leiterin der Selzerbachschule in Klein-Karben, Petra Matthes-Ahäuser, dazu. Und auch Andreas Gerhardus räumt dies so ein. Er ist Vorsitzender des Elternbeirates der Pestalozzischule in Groß-Karben. An der Grundschule sei die Stimmung zum Wechselunterricht sehr geteilt. So befürworte beispielsweise ein Teil der Eltern den Wechselunterricht dann, wenn nur so Schließungen verhindert werden könnten. »Hier spielt das Alter der Kinder eine große Rolle: bei den Jüngeren ist die Anforderung und Überforderung von Eltern an den Distanztagen viel größer als bei Älteren, zum Beispiel Oberstufenschülern«, erklärt der Vater.

»Auf keinen Fall soll es wieder zu einer kompletten Schulschließung kommen, trotz aller Bauchschmerzen, die Eltern bezüglich der Infektionsgefahr in Schulen haben«, sagt Gerhardus. Einig sind sich auf jeden alle Eltern wie die Schulleitungen: Wissenslücken würden bei den Kindern zurückbleiben. Das sei nicht nur der Ausfall in der ersten Pandemie-Phase sondern auch jetzt sei der Schulbetrieb eingeschränkt, das Testen koste beispielsweise ebenso Zeit wie die Hygienemaßnahmen. Das angekündigte »Aufholjahr« habe auch nicht realisiert werden können. Stattdessen wurde viel den Schülern selbst aufgebürdet: »das müsst ihr eben können«. Das bedeute, sie müssten sich selbst kümmern. »Manche schaffen das, andere nicht. Hier spielt wieder das Elternhaus eine große Rolle und somit das Thema Bildungs(un)gerechtigkeit«, sagt Gerhardus, der auch Mitglied des Kreiselternbeirats ist. (jwn)

Auch interessant

Kommentare