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Claudia App und Lucy Snyder, bekannt als Duo Herzgold.

Duo »Herzgold«

Ein Lied für Tokio aus Karben: »Wir sind eins«

  • VonJürgen Schenk
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Demnächst geht ein Lied auf die Reise. Auf seinem Weg nach Tokio soll es helfen, Grenzen einzureißen und Barrieren zu überwinden. »Wir sind eins« - das ist Karbens Botschaft an die Welt und ein Sehnsuchtsprojekt vieler Menschen.

A uf der Reitanlage Waldhohlhof in Karben bleibt an diesem Nachmittag nichts dem Zufall überlassen. Die übliche Beschaulichkeit hat sich ein Stück weit in Vorfreude und Anspannung verwandelt. Nach und nach kommen immer mehr Leute zum Dressurplatz. Sie alle hoffen dort auf ein schattiges Plätzchen. Doch das ist nur schwer zu bekommen. Zwischendrin laufen weiterhin Vorbereitungen auf dem Vorplatz und im Bereich der Pferdeställe. Man sieht den Bundestrainer der deutschen Parareiter, Bernhard Fliegl, in hektischer Betriebsamkeit. Und gleichzeitig beginnt ein zweiköpfiges Filmteam, Szenen für ein Musikvideo zu drehen. »We are One« heißt der Song. Passend dazu sind Menschen mit und ohne Handicap im Fokus der Kameras, Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und natürlich die beiden Interpretinnen Claudia App und Lucy Snyder, bekannt als Duo »Herzgold«.

Mit dem Lied geht ein klares Statement von Karben in die Olympiastadt Tokio und in die ganze Welt. »We are One« - wir sind eins. »Es ist eine Hymne für die paralympischen Reitwettbewerbe und darüber hinaus eine nachhaltige Botschaft für alle Menschen und alle Nationen dieser Erde«, unterstreicht Claudia App die Bedeutung des Liedes. »Der Parasport steht stellvertretend für die Message, die wir senden wollen. Ob mit oder ohne Behinderung, wir wollen, dass alle Menschen zusammenfinden. Komponist und Produzent von »We are One« ist Willy Klüter. Der Text stammt von Ilona Boraud«, ergänzt Lucy Snyder.

Team-Maßnahme als Vorbereitung

»Wir sind gleich«, »der selbe Traum«, »same one sun« - manche Textstellen in den deutsch gesungenen Strophen und im englischen Refrain hören sich wie Ankerpunkte eines großen Ganzen an. Ideengeber Bernhard Fliegl wollte genau solche Worte im Song haben. »In der Vorbereitung auf Tokio haben wir nach einer Team-Maßnahme gesucht«, sagt der Bundestrainer. »Herausgekommen ist ein großes Paket, das etwas bewegen soll. Wir wollen damit zeigen, dass auch im Parasport, obwohl er noch immer im Schatten des Regelsports steht, vieles auf die Füße gebracht werden kann.« Das Songprojekt werde vom Deutschen Kuratorium für therapeutisches Reiten und anderen Interessenverbänden unterstützt. Neben der normalen Version von »We are One« sei auch eine rein englischsprachige Version für Tokio entstanden, teilt Fliegl mit.

In dem Musikvideo hat auch das gemeinsame Pferd von Claudia und Lucy einen Auftritt. Es steht mit 59 anderen Pferden auf dem Waldhohlhof. Nach einem Unfall hat Lucy die aktive Reiterei aufgegeben. Ihre Begeisterung für dieses Hobby ist dennoch ungebrochen. »Es war immer unser Traum, etwas in Kombination mit Pferden und Singen zu machen«, sagte sie kürzlich an anderer Stelle.

In den Boxen der Reitanlage haben auch die Para-Reiterinnen Angelika Trabert und Claudia Schmidt ihre Pferde untergebracht. Beide Frauen starteten schon für Deutschland bei Paralympischen Spielen, Trabert das erste Mal 1996 in Atlanta.

Dreharbeiten mit Sommer-Charme

»Beim Parareiten gibt es nur Dressurwettbewerbe«, erklärt die frühere Weltmeisterin. »Diese Wettbewerbe sind in fünf Stufen unterteilt, die sich nach dem Grad der Behinderung richten. Beim höchsten Grad besteht die Prüfung zum Beispiel nur aus Schrittaufgaben.« Die Gastgeberfamilie Cost und ihre Crew bekommen während der Veranstaltung viel Lob für das Ambiente und die Organisation.

An der Kuchentheke kümmert sich Guilaine Rehberg derweil um das leibliche Wohl der Gäste. Zwischendrin findet sie sogar noch Zeit für eine kleine Führung über das Gelände. »Vor 18 Jahren wurde der Reiterhof an der Straße nach Heldenbergen gebaut. Solange bin ich auch schon dabei«, verrät sie.

Währenddessen hat sich der Dreh ins Dressurviereck verlagert. Einzelne Videosequenzen von Übungen werden aufgenommen. Immer mehr Menschen und Pferde kommen ins Bild. Sogar an die Wertungsrichter hat man gedacht, wobei der Mann, ganz stilgerecht, Melone trägt. Alles mit sommerlich-leichten Charme, versteht sich.

Auf das Ergebnis darf man gespannt sein.

Das Pop-Schlager-Duo Herzgold besteht seit dem Jahr 2017. Lucy Snyder ist gebürtige Schweizerin, Claudia App kommt aus dem Südhessischen. Beide Sängerinnen sind in der klassischen Musik groß geworden und haben Ausbildungen zur Opern- und Konzertsängerin absolviert, daneben hatten sie auch Schauspielunterricht. Claudia studierte Sprachen an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt und ist ausgebildete Übersetzerin. Lucy hat den Beruf der Arztsekretärin erlernt. Kennengelernt haben sie sich in der Schule. jsl

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