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Freuen sich auf die Premiere des Films »RUN«: Autor und Regisseur Oliver Becker, Produktionsassistent Sven Schreiter und Kameramann Robert Kohlmeyer.

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»Du bist irgendwie anders«

  • VonChristine Fauerbach
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»Also ich hab damit ja überhaupt kein Problem, aber…« ist eine gängige Floskel. Wie es mit ihrer eigenen Toleranz aussieht, können die Zuschauer des ersten Karbener Kinofilms »RUN« 75 Minuten lang testen. Im Zentrum des spannenden wie aktionsgeladenen Filmdramas stehen die Themen Diversität, sexuelle Vielfalt, Machtspiele, Diskriminierung und Mobbing.

D er Countdown läuft: Premiere und offizieller Filmstart des ersten Karbener Kinofilms »RUN«, den das Open Mind Ensemble (OME) gedreht hat, sind dank niedriger Inzidenz in greifbare Nähe gerückt. Die Spannung ist nicht nur bei den Kinofans hoch, sondern auch bei den Mitwirkenden.

Titelsong heißt »Schattenfänger«

»Das Open Mind Ensemble wie alle anderen kennen bisher nur den Trailer. Sie sehen den Film erst gemeinsam mit dem Publikum bei der Premiere«, sagt Regisseur Oliver Becker. »Das wird dann ein schöner und bewegender Moment für alle«, prophezeit Regisseurin Janine Karthaus.

Zum Filmteam gehören 28 Laiendarsteller, 90 Komparsen zwischen 16 und 75 Jahren, die Cast-Gäste Tante Gladice und Travestiekünstler Rene Rexhausen, Moderator Steve Euler und Bürgermeister Guido Rahn. Die Musik haben die beiden Komponisten Patrick Bohlender aus Nidderau-Ostheim und Lars Nieminen aus Burg-Gräfenrode komponiert und getextet. Zu hören sind 25 Instrumentalstücke und der Titelsong »Schattenfänger«, den Sänger Johannes Rosbach aus Nidderau von der Live-Band »Let The Butterfly« interpretiert. Filmproduzent und Kameramann Robert Kohlmeyer aus Kilianstädten und sein Team haben die ausdrucksstarken wie einprägsamen Szenen mit vier Kameras gedreht. Becker, Karthaus und Kohlmeyer haben das Material bei Roko-Media geschnitten. Der Text des Titelsongs »Schattenfänger« von Patrick Bohlender ist Programm: »Du bist irgendwie anders, ich kenne dich so nicht«, heißt es. Erzählt wird die Geschichte von Leon (Yannik Arora). Er ist schwul, doch es fällt ihm schwer, sich zu seiner sexuellen Orientierung zu bekennen. Seine Mitmenschen scheinen sich gegen ihn verschworen zu haben.

Leon: Äußeres und inneres Chaos

Zu allem Überfluss hat Leon jede Menge Probleme mit sich selbst. Über seine Ängste und Wünsche kann er nicht reden, wehrt alle Nachfragen und Hilfsangebote mit »es geht mir gut« ab. Leon hat seinen Platz in der Gesellschaft, seine Orientierung, noch nicht gefunden. Parallel zum inneren Chaos Leons überschlagen sich die Ereignisse. Körperliche und psychische Gewalt, traumatische Erlebnisse, Drogen und Alkohol, ein Raubüberfall, Liebe, Eifersucht, Liebeskummer und vieles mehr stürmen auf Leon ein. Sein Alltag gerät aus den Fugen. Die Hilfe seiner besten Freundin Lisa (Lara Göhlert), die alle Probleme offen anspricht, über die Leon nicht reden kann, lehnt er ab, ebenso wie die von anderen. Keine Hilfe ist seine Mutter, die sich eine Schwiegertochter und Enkel wünscht.

Oliver Becker, der das Story- board gemeinsam mit Nicola Piesch und Janine Karthaus schrieb, sagt zum Ziel des Films: »›RUN‹ soll mit künstlerischen Elementen gespickt zum Nachdenken und Diskutieren anregen. Der Film zeigt gesellschaftliche Problematiken auf und demonstriert den schmalen Grat zwischen eigener Realität und äußerer Beeinflussung. Eine klare Opfer-Täter-Rolle gibt es nicht, und Lösungsansätze werden nur angedeutet.«

»RUN« ist keine leichte Kost

Die Zuschauer sollen durch die eindringlich erzählte Story, die sich so oder ähnlich überall zutragen kann, zum Nachdenken, Diskutieren und Suchen nach Lösungen anregt werden. Zu den stilistischen Mitteln des Films gehören Rückblenden, der Wechsel zwischen Farb- und Schwarz-Weiß-Aufnahmen sowie zwischen actionreichen und ruhigen Szenen. Der hessische Zungenschlag einiger Darsteller, sie und die Komparsen sowie der Hauptdrehort Karben sorgen für Lokalkolorit.

Ein großes Kompliment geht an die Darsteller und das künstlerische Team. Alle sind in ihren Rollen glaubwürdig, bestechen teils durch Spielfreude, Präsenz und Intensität. »RUN« ist keine leichte Kost. Der Film ragt wohltuend aus dem Meer seichter, auf Mainstream getrimmter Produktionen heraus. »RUN« spielt im Hier und Jetzt. Probleme werden nicht in die High Society oder fiktive Welten verlagert.

Träger von »RUN« ist das Literaturforum Karben. Die Liste der Partner und Förderer ist lang.

Das Open Mind Ensemble (OME) präsentiert dem Publikum den mit Spannung erwarteten ersten Karbener Kinofilm »RUN«. Das 75-minütige Drama hat eine FSK-Freigabe ab 16 Jahre. Ab Juli 2021 läuft »RUN« in den folgenden Kinos:

Karben: 2. Juli Premiere Open Air (geladene Gäste); offizieller Filmstart ist am 3. Juli beim Karben Open Air inklusive Talk mit dem Ensemble und Vorprogramm. Einlass ab 20 Uhr. Vom 3. bis 7. Juli läuft »RUN« im Cinepark Karben (Indoor), täglich jeweils ab 16.30 und 19 Uhr, Reservierungen sind möglich unter www.cinepark.net.

Bad Nauheim: Am 23. Juli gibt es ein »Pride Special« mit Talk und Showeinlagen in der Bad Nauheimer Trinkkuranlage. Showprogramm mit Tante Gladice und Moritz Bierbaum (Open Air).

Taunusstein: kino-swa.de zeigt »RUN« am 14. Juli beim Open Air in Taunusstein.

Gelnhausen: Am 21. Juli findet die Premiere im Kino Gelnhausen statt. Um 18.30 Uhr beginnt das Vorprogramm. Filmstart ist um 20 Uhr. Tickets gibt es online oder im Kino. Infos www.open-mind-ensemble.de. cf

Hauptdarsteller Leon, gespielt von Yannik Arora.

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