Das ist die offizielle Bescheinigung: Stadtbrandinspektor Christian Becker ist zum Zeitpunkt des Testes coronafrei gewesen. Er warnt die Karbener, diszipliniert zu bleiben.
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Das ist die offizielle Bescheinigung: Stadtbrandinspektor Christian Becker ist zum Zeitpunkt des Testes coronafrei gewesen. Er warnt die Karbener, diszipliniert zu bleiben.

Stadtbrandinspektor getestet

Corona-Verdacht bei Feuerwehr: Tagelange Ungewissheit in Karben

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Ein Corona-Ausbruch bei der Feuerwehr - das könnte ein echtes Problem darstellen. Tage der Ungewissheit hat Stadtbrandinspektor Christian Becker hinter sich. Er hat dieser Zeitung nun proaktiv davon berichtet, wie es ihm in der vergangenen Woche ergangen ist.

Am Montagmorgen habe er einen Einsatz gehabt, bei dem er ziemlich starken trockenen Husten gehabt habe. »Nach dem Einsatz bin ich sofort nach Hause gefahren und habe den Bürgermeister und meinen Stellvertreter informiert.« Denn er habe den Verdacht gehabt, dass er sich mit dem Coronavirus infiziert hatte. »Wir Feuerwehrleute dürfen dann mit sofortiger Wirkung keinen Dienst mehr machen.« Dann habe er seinen Hausarzt konsultiert, der ihm geraten habe, einen Corona-Test zu machen.

Beckers Krankmeldung hat bei der Feuerwehr eifrige Aktivitäten ausgelöst. »Denn wenn nur der leiseste Verdacht besteht, muss beispielsweise der Einsatzleitwagen desinfiziert werden.« So passierte es auch. Denn sein Stellvertreter Christoph Häusler musste den Einsatzleitwagen von Becker übernehmen.

Becker berichtet weiter, er sei dann drei Tage zu Hause in Okarben geblieben. »Und gleich am Dienstag musste ich mit ansehen, wie die Feuerwehr Okarben zu drei Einsätzen rausgefahren ist«, beschreibt Becker die für ihn völlig ungewohnte Situation. »Das war schon ein komisches Gefühl, nicht selbst helfen zu dürfen.« Angst habe er nicht gehabt, als er auf das Testergebnis gewartet habe. »Aber man macht sich ja schon Gedanken: Mit wem bist du in den letzten Tagen zusammengetroffen.« Am Donnerstagmorgen kam für ihn die Entwarnung: Das Gesundheitsamt bestätigte ihm, dass es keinen SARS-CoV-2-Nachweis bei ihm gebe.

Sein eigenes Erleben nutzt Christian Becker dazu, vor Leichtsinn zu warnen. »Corona ist noch nicht vorbei. Niemand darf das auf die leichte Schulter nehmen. Es kann jeden treffen, selbst uns Feuerwehrleute«, betont er. Mit großer Sorge beobachte er deshalb, dass immer mehr Menschen auch in Karben meinten, es sei schon alles überstanden.

Dabei warne man in den Reihen der Feuerwehr eindringlich vor der Gefahr durch das Virus. Seit dem 1. September habe man wieder mit der Ausbildung vor Ort begonnen. »Wir haben wegen der besonderen Umstände kleine Gruppen zu je sechs Leuten gebildet.« Hinzukomme nur noch der Ausbilder.

Die Gruppen kämen zudem zeitversetzt. Zwischen den einzelnen Gruppen würden die Fahrzeuge und Gerätschaften immer wieder desinfiziert. Zudem müssten alle Handschuhe anziehen und, wenn sie sich in einer Entfernung unter 1,50 Meter begegneten, einen Mundschutz tragen.

Auch sonst würden strenge Vorschriften gelten. Wer Husten habe, müsse sich sofort krankmelden und dürfe weder mit anderen Feuerwehrleuten zusammentreffen noch zum Dienst erscheinen. Bislang habe es seit März noch keinen einzigen aktiven Corona-Fall in den Karbener Feuerwehren gegeben. Alle Wehrleute verhielten sich sehr diszipliniert, lobt Becker. »Alle sind sich bewusst, dass sie in diesen Zeiten eine besondere Verantwortung tragen.« Es hätten sich aufgrund des familiären Umfeldes, etwa nach Auslandsaufenthalten von Angehörigen oder Dienstreisen, einige wenige Feuerwehrleute abgemeldet. »Das waren vielleicht sechs«, schätzt der Feuerwehrchef. Alle wüssten, wie wichtig es sei, dass sie jetzt an Bord bleiben und zu den Einsätzen fahren könnten.

Nebenbei ist Becker auch froh darüber, schon rechtzeitig ganz viel Desinfektionsflüssigkeit bestellt zu haben. »Das habe ich gleich im März gemacht.« Einige Kameraden hätten ihn wegen seiner Vorsicht belächelt. »Jetzt sind sie gekommen und haben mir gesagt, wie recht ich damit gehabt hätte.« Becker ist nach seinem negativen Test längst wieder im Einsatz. »Zu tun ist ja auch jede Menge«, blickt er auf verschiedene Einsätze in den vergangenen Tagen, wie etwa den Unfall auf der Nordumgehung.

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