Dosenkunst lässt das Müze leuchten

  • VonChristine Fauerbach
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Für manche ist es Schmiererei, für andere echte Kunst. Zwischen Graffiti, Streetart und Kunst verschwinden oft die Grenzen. Mit Graffiti-Kunst haben nun in Karben Jugendliche unter Anleitung des Graffiti-Künstlers Sebastian Stehr eine Wand und einen Container in echte Hingucker verwandelt.

Mit einem Schmuckstück hat der Container im Garten des Mütter- und Familien-Zentrums Karben (Müze) nichts gemein - bis zum Montag. Mit Fantasie und Gestaltungswillen haben das vier junge Leute geändert. Unter Anleitung von Graffiti-Künstler Sebastian Stehr verwandelte das Quartett mit vielen bunten Farben zwei der vier grauen Wände in eine fantasievolle Spielzeugwelt. Der professionelle Sprayer hatte dem Container bereits vor Kursbeginn mit warmen Brauntönen eine Holzoptik verpasst.

»Die Kursteilnehmer werden Aufkleber bemalen, auf die sie dann ihre Motive sprühen«, informierte der 45-Jährige. Bei der Motivwahl hatten die Jugendlichen freie Wahl. Ihre Teilnahme verdankten die vier ihren Müttern. Die hatten vom Graffiti-Workshop für Kinder- und Jugendliche des Müze Karben in der Zeitung und im Internet gelesen oder von Freunden und Bekannten erfahren. »Ich male und zeichne gern. Meine Mutter hat das Workshop-Angebot in der Zeitung entdeckt«, erzählt Carolin Gohla. Die 14-Jährige aus Niddatal-Bönstadt hat schon einmal vor Kursbeginn zu Hause die Sprühdosen geschwungen und am Garagentor geübt. »Ich spraye am liebsten Buchstaben und Wörter. Ich mag Schrift. Spraye sie viel lieber als Bilder.« Und so verpasst sie dem Spielzeugcontainer seinen neuen Namen Spielkiste.

Die Buchstaben bilden eine ideale Ergänzung zu den Bildern der drei anderen Teilnehmer. Alle haben bevor es mit dem Gestalten der Wände losging, ihre Motive gezeichnet und ausgemalt. »Ich habe noch nie gesprayt, aber ich male und zeichne gern«, erzählt Noah Behrendt aus Nieder-Wöllstadt. Bei den Motiven für die Spielzeugkiste muss er nicht lange überlegen. »Ich habe früher Fußball gespielt. Ich spraye ein Spielfeld, Tribünen und einen Ball«, erklärt der Zwölfjährige. Das ist einfacher gesagt als gesprayt. Den Ball zu sprayen verlangt viel Fingerspitzengefühl. Über dem Stadion von Noah lacht den Betrachtern eine Sonne fröhlich entgegen. Unterhalb des Stadions sollten eine Wolke und bunte Regenbogenstreifen für gute Laune bei Besuchern des Gartens sorgen. »Aus der Wolke wurde dann beim Sprayen ein Monster, aber das gefällt mir auch gut.«

Wie schnell sich beim Sprayen das Motiv wandelt, erlebte auch Cosima Förster. Die Elfjährige aus Klein-Karben hatte auf ihre Vorlage einen Teddybären gemalt. Nach den ersten Kniffen mit den Dosen blickte ihr kein Teddybär mehr entgegen, sondern ein Elefant. Und ihr Eis-Motiv schmolz in der Sonne förmlich dahin.

»Ich finde den Graffiti-Workshop sehr gut. Ich war schon in der letzten Woche dabei. Da habe wir eine Wand neben dem Müze-Haus bunt mit Motiven bemalt«, sagt Cosima. Ihre Freundin Fanny Hahn aus Burg-Gräfenrode liebt es bunt und fröhlich. Sie malt einen Luftballon, Schmetterling und ein rotes Spielzeugauto mit den Dosen.

Danach ist Warten angesagt, denn die Farbe muss trocknen. Allen Nachwuchssprayern gefällt es im Kurs vom Profi zu lernen. Stehr hat ihnen Tipps gegeben, wie sie ihre Ideen mit Sprühfarbe und viel Fantasie umsetzen können. Seine Erfahrung: Mit Graffiti-Kunst, die kreativ, bunt und expressiv ist, lassen sich Jugendliche für Kunst begeistern und können ihre Kreativität ausleben. Sein Fazit nach den Kurstagen: »Mit den beiden Spray-Workshops haben wir Farbe auf das Müze-Gelände gebracht.«

Trockenpause: Damit die gesprühte Farbe der Wandbilder nicht verläuft, gehört Warten zum Entstehen dazu.
Carolin Gohla sprüht den Namen »Spielkiste« auf den Container während Fußballer Noah Behrendt Ball, Spielfeld und Tribünen mit Farbe aus Dosen gestaltet.

Rubriklistenbild: © Christine Fauerbach

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