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Musik steckt ihm im Blut: Jens Ruppert aus Petterweil verbreitet gute Laune mit der Steirischen Harmonika.

Volksmusik

Die Steirische als Lebensgefühl

  • VonJürgen Schenk
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Abseits vom Mainstream gibt es immer wieder Menschen mit außergewöhnlichen Leidenschaften. Jens Ruppert aus Petterweil ist so einer.

Seit mehr als zwei Jahren spielt Jens Ruppert nun schon die Steirische Harmonika. Seine Vision: Das alpenländische Gute-Laune-Instrument soll es auch in der Wetterau zu größerer Bekanntheit und Beliebtheit bringen. Am liebsten wäre ihm, wenn ganz viele Leute einfach einmal ausprobieren würden, damit zu musizieren. Ein Teil seines Herzens gehört sicher dem Land Bayern und der Lebensart der Menschen dort. Das erkennt man allein schon an dem urigen Ambiente seines Partykellers in Klein-Karben.

Hingezogen zur Volkstümlichkeit

Richtig zünftig geht es dann zur Sache, wenn Jens Ruppert zur Steirischen Harmonika greift. Dann hat es beinahe den Anschein, als ob er mit der Musik zu einer Einheit verschmilzt. Ein Grund für die Affinität zur Volkstümlichkeit könnten die früheren Urlaube mit seinen Eltern sein, vermutet der Vollblutmusiker. Sie seien oft zum Skifahren in den Bergen gewesen.

»Während meiner aktiven Zeit als Handballer haben wir beim TV Petterweil öfters Bayerische Abende veranstaltet«, erzählt Ruppert. »Wann und wo immer ich in dieser Zeit Volksmusik hörte, hatte ich das Gefühl, dass mich ein Instrument besonders ansprach. Es war dieser eine besondere Klang, der herausstach und mich begeisterte. Aber ich habe meinen persönlichen Startpunkt dann noch einige Jahre vor mir her geschoben.«

Im Frühjahr 2019 gab es schließlich kein Halten mehr. Im Internet hatte er die »Quetschn Academy« entdeckt. Das sind zwei Männer aus Graz, die auf ihrem Youtube-Kanal mehrere tausend Menschen erreichen und in einem separaten Mitgliederbereich Videos zum Erlernen der Steirischen Harmonika online stellen. »Davon fühlte ich mich sofort angesprochen.

»Da war plötzlich eine große Sehnsucht in mir, dieses Instrument auch spielen zu können. Noch am gleichen Abend habe ich ein Wochenende zum Kennenlernen in Graz gebucht. Ich hatte damals keine eigene Harmonika, und Noten lesen kann ich bis heute nicht. Das fühlte sich zu Beginn an, als ob der Mount Everest vor mir stand«, berichtet er aus seiner Anfangszeit.

Tatsächlich verzichtet das Konzept der »Quetschn Academy« völlig auf Noten. Alles muss im Kopf durch die Fähigkeit zum Auswendiglernen vor sich gehen. Ausdauer und Fingerfertigkeit sind allerdings, wie bei jedem anderen Instrument, Grundvoraussetzungen zum erfolgreichen Musizieren. Seine erste »Quetschn« wurde ihm gebraucht nach dem ersten Theorie-Kurs aus Graz zugeschickt. Zufälligerweise handelte es sich dabei um jenes Instrument, das Ruppert bei diesem Seminar erstmals in der Hand hielt. Ein Dreivierteljahr müsse man hierzulande auf eine Neuanfertigung warten, weiß Ruppert. Und bei den Preisen gebe es nach oben kaum Grenzen.

Begleitet von seinen Kindern

Seine Übungszeiten verteilen sich über den ganzen Tag. Zehn Minuten kann der selbstständige Physiotherapeut zwischen seinen Patienten abzwacken, abends spielt er die Lieder dann komplett durch. Begleitet wird er dabei manchmal von seinen Kindern am Schlagzeug. Auch im Gesangverein Karben/Petterweil, wo Ruppert als Sänger aktiv ist, fließt die Steirische bereits in die Proben mit ein.

In Adrian Kehr aus Poppenhausen in der Rhön fand im vergangenen Jahr einen Gleichgesinnten. Der Volksmusik-Enthusiast betreibt dort einen Harmonika-Laden, ist Gründer von »Rhön Harmonika« und offizieller Quetschn Academy-Partner. Kooperativ wollen die Männer ihr Lieblingsinstrument nun in den Gebieten nördlich der Mainlinie populärer machen. Und die Chancen dafür stehen gar nicht so schlecht.

Immer wieder komme er jetzt auch mit Harmonika-Begeisterten aus Hessen in Kontakt, sagt Jens Ruppert. »Diese Musik ist Glück und Entspannung zugleich für mich. Und sie fördert die Gesundheit, weil es etwas ist, was mir gut tut. Ich glaube, dass alle Menschen die Steirische Harmonika erlernen können. Man muss dabei nur systematisch vorgehen und es auch wirklich wollen.«

Synonym für Musik vom Lande

Das Adjektiv steirisch im Namen des Instruments wirkt eher etwas irreführend. Denn tatsächlich hat die Steirische Harmonika ihren Ursprung nicht in der österreichischen Steiermark, sondern sie wurde in Wien erfunden. Dort wurde diese Art der alpenländischen Volksmusik steirisch genannt, quasi als Synonym für Landmusik. Andere gebräuchliche Namen sind: Ziehharmonika, Knöpflharmonika, Zugorgel oder im Dialekt Ziach, Ziachorgel, Quetschn. jsl

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