Jürgen Pfeiffer (r.) und Wolfgang Lazar verkaufen ihre edlen Tropfen auch auf Märkten. Das Kelterfest im Karbener Jukuz allerdings fällt in diesem Jahr erneut aus.
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Jürgen Pfeiffer (r.) und Wolfgang Lazar verkaufen ihre edlen Tropfen auch auf Märkten. Das Kelterfest im Karbener Jukuz allerdings fällt in diesem Jahr erneut aus.

Liebe zum Keltern

Preisgekrönte Secco-Spezialitäten aus der Wetterau: „Pomolo Obstweine“ liefert bis nach Tallinn

Die Streuobstwiesen in der südlichen Wetterau liegen ihnen am Herzen. Wolfgang Lazar und Jürgen Pfeiffer lieben Äpfel und haben sich seit Jahren dem Keltern verschrieben.

Karben – Wolfgang Lazar und Jürgen Pfeiffer haben einen Award-Gewinner mit in die gesellige Runde gebracht. Allerdings einen in flüssiger Form. Eingeschenkt in Gläsern perlt er in einem leicht bräunlichen Goldton. Im Geschmack erkennt man deutlich Äpfel und Quitten. Auf der Cider World Messe konnten die beiden Obst-Kelterer mit dieser Spezialität den ersten Platz in der Kategorie nicht alkoholische Getränke belegen. Gemeinsam arbeiten sie Jahr für Jahr an immer neuen Perlwein-Kompositionen, deren Zutaten auf den heimischen Streuobstwiesen wachsen. Wichtige Bausteine für den Erfolg und die überregionale Bekanntheit ihrer Produkte seien Leidenschaft und Experimentierfreudigkeit. Dafür dürfte die an Obstvorkommen reiche Wetterau zur Ernte- und Kelterzeit auch genau der richtige Ort sein.

Aus dem Hobby der Männer ist längst ein arbeitsintensives Unternehmen mit Sitz in Rendel geworden. Manufaktur wäre vielleicht eine ebenso passende Bezeichnung, denn an Exklusivität mangelt es den Produkten nicht. »Angefangen hat alles mit einer alten Apfelmühle, die ich vor dem Sperrmüll retten konnte«, erinnert sich Jürgen Pfeiffer. »Das war Ende der 70er Jahre. Unser Ansatz lag zu der Zeit auf der eigenen Herstellung von Apfelwein. In den 80er Jahren waren wir die ersten, die das Schaukeltern populär machten. In der Folge entstanden überall Kelterfeste.«

Karbener Kelterei mit Äpfeln aus der Wetterau

Bei dem heutigen Arbeitspensum wären Lazar und Pfeiffer dann wohl komplett ausgebucht. Tatsächlich betreiben sie die Firma »Pomolo Obstweine« in Rendel nicht hauptberuflich. Lazar hat einen Job beim Landesvermessungsamt in Wiesbaden, Pfeiffer ist Verwaltungsfachangestellter. Während der Keltersaison enden ihre Arbeitstage meistens erst abends gegen 22 Uhr. Der Zeitaufwand sei immens, erzählen sie. Obstbeschaffung, Auslese, Baumpflege und Verkauf müssten geplant und durchgeführt werden.

Eine alte und schmackhafte Apfelsorte, die auf heimischen Streuobstwiesen vorkommt, ist die Goldrenette von Blenheim.

»Wir besitzen eigene Streuobstwiesen und haben außerdem Zulieferer, wie zum Beispiel die NABU- und BUND-Ortsgruppen in Karben«, berichtet Wolfgang Lazar. »Mit unseren Erzeugnissen aus der Region wollen wir die Leute begeistern und gleichzeitig etwas zum Erhalt der Naturlandschaft Wetterau beitragen. Für die Zulieferung von Äpfeln zahlen wir einen angemessenen Preis.«

Kelterei in Karben (Wetterau): Ihre Secco-Rezepte sind geheim

Naturgemäß hat jede der 27 Secco-Sorten ihre eigene Geschmacksrichtung. Ausschlaggebend ist nicht nur der Unterschied im Säuregehalt zwischen Früh- und Spätäpfeln. Mehr noch spielt die Mischung eine Rolle: Apfel-Speierling, Apfel-Mispel, Apfel-Holunder, Apfel-Quitte, Hollerblüten-Apfel - die jeweiligen Rezepte bleiben ein Geheimnis der Erzeuger. Daneben gibt es Seccos aus Birnen, Erdbeeren, Johannisbeeren, Himbeeren und Kirschen.

»Im letzten Jahr hatten wir Schlehen als Zutat«, sagt Lazar. »Wenn Leute an unserem Verkaufsstand die einzelnen Seccos testen, kann es passieren, dass sie ruckzuck 16 Geschmacksrichtungen durchhaben. Unsere Kundschaft besteht vor allem aus Leuten, die regionale Spezialitäten bevorzugen und etwas ausprobieren möchten.« Gleichzeitig erzählen sie von Veranstaltungen in Nordrhein-Westfalen, Österreich und Dänemark, zu denen sie reisen. Die Obstkelterer sind international vernetzt. »Unser weitester Versand ging von Rendel in die estnische Hauptstadt Tallinn«, verrät Pfeiffer.

Kelter in Karben: 2021 weniger Äpfel und nicht so süß

Bestätigen können die Kelter-Experten, dass das Jahr 2021 insgesamt zu nass war. Den Äpfeln fehlt es an Süße, obwohl sie normal groß gewachsen sind. Auch der Ernteertrag erreiche nicht das Volumen aus dem Vorjahr.

Was die Streuobstwiesen in Karben und anderswo anbelangt, loben Pfeiffer und Lazar das Engagement der örtlichen Naturschutzvereine. Die Nutzung vieler Streuobstwiesen als neue Naherholungsgebiete, besonders während der Corona-Pandemie, sehen die beiden Männer etwas konträr. Grundsätzlich finden sie die gesellschaftliche Wahrnehmung der Wiesen positiv. Beim Thema Schutz wird Jürgen Pfeiffer allerdings deutlich. Er sagt: »Da, wo Hunde auf den Streuobstwiesen ihre Spuren hinterlassen, wird kein Schaf mehr weiden. In Zukunft müssen wahrscheinlich überall Schilder aufgestellt werden, die darauf hinweisen.«

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