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Nach 32 Jahren trennen sich die Wege von Gemeindereferentin Ursula Rettinghaus und »ihrer« Gemeinde in Karben. Sie geht in den Ruhestand und zieht nach Mainz.

Ursula Rettinghaus

Die gute Seele geht

  • VonAnne-Rose Dostalek
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Drei Jahrzehnte war Ursula Rettinghaus den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen der katholischen Gemeinde Karben eine verlässlicher Ansprechpartnerin, Impulsgeberin und geistliche Begleiterin.

Ich habe einen ganz großen Kloß im Hals«, sagt Ursula Rettinghaus und in diesem Moment ist die Distanz weg, die notgedrungen durch die Corona-Maßnahmen in der St.-Bonifatius-Kirche herrscht. Die Gemeindereferentin steht in einem weißen liturgischen Gewand, der Albe, am Redepult der St.-Bonifatius-Kirche. Es ist ihr letzter Gottesdienst in Karben, mit viel Musik und vielen Abschiedsworten. Vor ihr sitzen auf den Kirchenbänken zahlreiche Gemeindemitglieder, ehrenamtlich Engagierte, die Pfarrgemeinderäte, Vertreter des Bistums Mainz, Vertreter der evangelischen Gemeinden und der Karbener Schulen, an denen Rettinghaus katholische Religion unterrichtete.

»Ich möchte das Thema Gemeinde zum Leuchten bringen«, sagt Rettinghaus, und hat sich für den Wort-Gottesdienst etwas Besonderes ausgedacht. Jeder und jede, mit dem sie in irgendeiner Form in Kontakt war, ob bei Kinderfreizeiten, Vorbereitung auf Kommunion und Firmung, Lektorendiensten, Gottesdiensten, Glaubensgesprächen, Pilgerfahrten und Bildungstagen, ist eine Blume zugedacht. Die Vasen vor dem Altar füllen sich mit leuchtenden farbenprächtigen Gladiolen und spiegeln ganz im Sinne von Rettinghaus die Vielfalt und Buntheit einer lebendigen Gemeinde. In diese Gemeinde ist Rettinghaus vor 32 Jahren entsandt worden und dieser Gemeinde ist sie in Karben trotz vieler Veränderungen personeller und struktureller Art treu geblieben. »Ich konnte mich hier gut entfalten und hatte die Freiheit, die ich brauchte«, sagt Rettinghaus.

Nahe am Menschen gewirkt

Geprägt worden sei sie von der Aufbruchstimmung des 2. Vatikanischen Konzils. Diesen Geist habe sie versucht zu bewahren in der Glaubensvermittlung, in der Frauenberufung und der Heranführung von Ehrenamtlichen. Diese würden gebraucht, um Qualität und kritische Reflexion in die Leitung einer Gemeinde zu holen. »So bin ich erkennbar für die Menschen geworden«, sagt Rettinghaus, die auch noch eine Ausbildung als geistliche Begleiterin gemacht hat.

Zur Seelsorge habe sie sich berufen gefühlt und dabei gelernt, auf den Menschen zu schauen. »Das nehme ich mit in den Ruhestand«, sagt sie, denn Glaubensbegleiterin sei man lebenslänglich. Rettinghaus will sich auch weiterhin um das Familien- und Jugendferienhaus Casa San Lorenzo Assisi in Umbrien/Italien kümmern. Dort hat sie mit viel Leidenschaft und kräftiger Unterstützung ein ehemals landwirtschaftlich genutztes Haus als Selbstversorgerhaus ausgebaut. Viele Karbener, ob nun Gruppen, Familien oder Einzelpersonen, konnten schon dorthin fahren und die Casa als spirituellen Erholungsort kennenlernen.

»Wenn jemand geht, bleibt eine Lücke«, stellt Pfarrer im Ruhestand Gottfried Scholz fest. Ihn hat sich Rettinghaus an ihre Seite gewünscht beim Abschiedgottesdienst, denn Scholz hat gemeinsam mit ihr 1989 in Karben angefangen. Die Gemeinde in Karben habe in jüngerer Zeit einige schmerzhafte Veränderungen erlebt, sagte Scholz.

Der Schritt zu einer Großpfarrei sei ein Umbruch. Doch trotz Personalmangel und Strukturänderungen gebe es Hoffnung. »Menschen, die das innere Priestertum in sich tragen, bringen sich ein«, sagt Scholz und sieht in den Gemeinden Spuren eines Aufbruchs.

Für eine gute gemeinsame Zeit dankt Pfarrer Thomas Korfmann, der seit der Abberufung des langjährigen Pfarrers Bernd Schirmer als Pfarradministrator und Seelsorger wirkt. Die Idee der Zusammenarbeit, für die Rettinghaus stehe, habe ihm gefallen.

Ihren Dank sprach auch Barbara Giavarra-Kalker vom Pfarrgemeinderat aus. »Du hast dich um unsere Seelen gekümmert«, sagte sie. Diese spirituelle Fürsorge sei immer spürbar gewesen, in allen Arbeitsgebieten.

Die »unaufgeregte, vertrauensvolle und sehr konstruktive Zusammenarbeit« werde ich vermissen, sagte Schulleiterin Petra Matthes-Ahäuser von der Selzerbachschule.

»Mir fällt es schwer, wegzugehen«, gibt Rettinghaus zu. Für die 64-Jährige steht ein Umzug an. Die Weichen dafür hat sie längst gestellt. Sie geht in Mainz vor Anker, in einer Wohngemeinschaft von Menschen, die wie sie langjährig im Dienst der katholischen Kirche waren oder noch sind, wird sie künftig leben.

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