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Die Groß-Karbenerin Elke Wojnar erhebt schwere Vorwürfe gegen ihre Krankenkasse. Nach einer Schulteroperation sei sie zu einer Kurzzeitpflege gezwungen worden. Die Krankenkasse weist die Kritik zurück.

Ärger mit der Krankenkasse

DAK erzürnt Schwerbehinderte aus Karben: „Krankenkasse will abschrecken“

  • Holger Pegelow
    VonHolger Pegelow
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Die Karbenerin Elke Wojnar hat mittlerweile eine lange Krankengeschichte. Die 79-Jährige ist schwerbehindert und musste vor einiger Zeit operiert werden. Zu ihren Leiden hinzu kommt Ärger mit der Krankenkasse.

Karben – Wenn man zu Elke Wojnar nach Hause kommt, wird man von ihr entweder im Rollstuhl oder stehend begrüßt. Einige Schritte kann sie gehen, aber zumeist ist sie auf den Rollstuhl angewiesen. Die 79-Jährige ist schwerbehindert, hat auch vor der Tür ihres Wohnhauses in Groß-Karben einen Behinderten-Parkplatz. Die Seniorin gehört zu den medizinisch schweren Fällen, ist sie doch nach eigenen Angaben halbseitig gelähmt. »Ich habe auch mehrere künstliche Gelenk-Operationen hinter mir«, sagt sie. Aktuell leidet sie an einer schweren Omarthrose in beiden Schultern. Dass sie das der Redaktion so offen mitteilt, hat einen Grund: Sie ärgert sich massiv über ihre Krankenkasse, die DAK.

Warum genau, ergibt sich aus ihrer neueren Krankengeschichte. Denn in diesem Jahr ist sie an der linken Schulter operiert worden, allerdings nur minimalinvasiv, »weil ein Gelenkersatz wegen der Lähmung nicht möglich war«. Jetzt erzürnt die Seniorin, dass die vom Orthopäden befürworteten Reha-Maßnahme von der DAK abgelehnt worden sei.

»Ich legte Widerspruch ein mit dem Hinweis, dass es in Karben wohnortnah seit einiger Zeit keine Termine bei Physiotherapeuten gibt und schon gar nicht Hausbesuche wegen Corona angeboten werden.« Ebenso seien kurzfristig keinerlei Kapazitäten für häusliche Krankenpflege oder Haushaltshilfe verfügbar gewesen. »Diesen Anspruch hat man offenbar nur auf dem Papier - in der Realität funktioniert das überhaupt nicht.« Der behandelnde Arzt habe eine »notwendige postoperative Versorgung mit Physiotherapie begründet und zudem darauf hingewiesen, dass die Nutzung des Autos »schon aus versicherungsrechtlichen Gründen« nicht möglich sei. Geschweige denn, dass sie ihren Rollstuhl eigenständig in ihren Pkw heben könne.

Karbenerin erhebt Vorwürfe gegen Krankenkasse DAK: Nur nach Kosten entschieden?

»Auch der Widerspruch wurde ohne Begründung abgelehnt«, zeigt sich Wojnar über die DAK empört. Dort habe man auf Kurzzeitpflege hingewiesen. »So war ich einige Zeit im Johanniter-Stift zur Kurzzeitpflege.« Der Aufenthalt in einer Pflegeeinrichtung habe für sie eine psychische Herausforderung bedeutet. Die »sehr bedrückende Atmosphäre in einer Umgebung mit schwerstpflegerischen und dementen Menschen« sei eine Zumutung gewesen. Zudem seien die medizinischen und physiotherapeutischen Behandlungen nicht gewährleistet gewesen. Außerdem seien in den ersten drei Tagen die verordneten Medikamente nicht vorhanden gewesen. »Dies alles hat den Heilungsprozess sicher nicht gefördert.«

»Haben die Entscheidungsträger der DAK die gesundheitliche Gesamtsituation der Versicherten nicht in Betracht gezogen? Offenbar sei nur nach Kosten minimierenden Indikatoren und Fallpauschalen entschieden worden. Ihr multimorbides Krankheitsbild sei vernachlässigt worden.

Wie sie gehört habe, sei ihr Fall kein Einzelfall. Die Strategie der Krankenkasse ziele offenbar auf Abschreckung, beklagt Wojnar. Eine solche Vorgehensweise lasse das Vertrauen in Krankenkasse schwinden, sagt die seit 40 Jahren bei der DAK Versicherte.

Auf Anfrage dieser Zeitung heißt es seitens der DAK Hessen, man bedauere sehr, »dass Frau Wojnar unzufrieden ist und sich nicht ausreichend unterstützt fühlt«. Bislang habe man keine Kenntnis darüber gehabt. Zu der abgelehnten Physiotherapie schreibt uns die Krankenkasse, eine ambulante Heilmittelversorgung sei nach einer Krankenhausbehandlung »immer genehmigungsfrei. Ein Arzt muss dem Patienten lediglich eine Verordnung ausstellen, und dieser kann sich dann ohne vorherige Genehmigung oder Rücksprache mit der Krankenkasse von einem Physiotherapeuten behandeln lassen«.

DAK: Erst häusliche Versorgung

Nach ihrem Krankenhausaufenthalt sei im Rahmen einer Antragsstellung für eine medizinischen Anschluss-Rehabilitation eine umfassende Bewertung des Gesundheitszustandes und der persönlichen Umstände erfolgt, heißt es in der Antwort der Pressestelle weiter. Dabei betrachte man zum Beispiel auch, welche Einschränkungen die jeweilige Erkrankung tatsächlich auslöse und die persönliche Lebenssituation. »Im Fall von Frau Wojnar kamen wir zu dem Ergebnis, dass kurzfristig zunächst die häusliche Versorgung sichergestellt werden muss. Daher verwiesen wir auf die Kurzzeitpflege.« In dem entsprechenden Schreiben habe man die Versicherte aber auch auf die Möglichkeit der ambulanten Versorgung, etwa durch Physiotherapie aufmerksam, gemacht.

»Eine medizinische Nachsorge ist sehr wichtig für den Heilungsprozess und sollte sichergestellt sein. Daher unterstützen wir Frau Wojnar gerne in der Beratung für die weitere Versorgung.«

Laut Pressestelle hat die Krankenkasse die Anfrage dieser Zeitung zum Anlass genommen, sich mit Elke Wojnar in Verbindung zu setzen. Erreichen werden sie sie zurzeit nicht. Die 79-Jährige hat dieser Tage nämlich den Redakteur angerufen und mitgeteilt, sie sei wegen einer akuten Erkrankung erneut im Krankenhaus.

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