Die Kita Am Breul ist wegen der Pandemie weniger lang geöffnet. Eine Betreuung kann die Stadt nur bis um 15 Uhr statt wie bisher um 17 Uhr sicherstellen. FOTO: HOLGER PEGELOW
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Die Kita Am Breul ist wegen der Pandemie weniger lang geöffnet. Eine Betreuung kann die Stadt nur bis um 15 Uhr statt wie bisher um 17 Uhr sicherstellen. FOTO: HOLGER PEGELOW

Kinderbetreuung

Coronabedingt wird um 15 Uhr geschlossen

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Die Kindergärten bleiben trotz des Lockdowns geöffnet. Die Stadt Karben will ein Kernangebot an allen Wochentagen bieten. Ganz so einfach ist das nicht, wie sich nun herausgestellt hat.

Über 100 Kindergärtnerinnen arbeiten in den acht städtischen Kitas. In Zeiten der Corona-Pandemie sind sie besonderen Belastungen ausgesetzt. Homeoffice ist für sie unmöglich. Deshalb können sie sich nach dem Pandemie-Maßnahmenplan, den die Stadt Karben aufgestellt hat, von der Arbeit freistellen lassen. Möglich ist das, etwa wenn sie ein erhöhtes Krankheitsrisiko haben oder hochbetagte Angehörige pflegen.

Die Fachdienstleitung hat das Personal befragt, wobei sich herausstellte, dass sich 20 Mitarbeiterinnen aus den Kitas freistellen lassen wollen. Weitere 15 könnten die Freistellung noch in Anspruch nehmen, haben nach Angaben von Bürgermeister Guido Rahn (CDU) "jedoch zunächst freiwillig darauf verzichtet".

Weniger Personal zur Verfügung

Dennoch stehe der Stadt weniger Personal zur Verfügung. Und das hat Folgen. "Vorerst können wir eine Betreuungszeit von 6.45 bis 17 Uhr nicht mehr aufrechterhalten", sagte Rahn in der jüngsten Stadtverordnetensitzung. Mädchen und Jungen können ab sofort nur noch bis 15 Uhr in den Kitas sein.

Das sogenannte Nachmittagsmodul von 15 bis 17 Uhr wird ab sofort nicht mehr buchbar sein und auch nicht berechnet, ging aus den Erklärungen des Bürgermeisters weiter hervor. Es gebe zudem Eltern, die ihre Kinder aus Sicherheitsgründen vorübergehend nicht in die Kita bringen möchten. Von diesem Angebot hätten seit März "vereinzelt Eltern Gebrauch gemacht". Man müsse jetzt abwarten, wie das Ganze sich in den nächsten Wochen entwickelt. Während es im zuständigen Fachbereich also viel Beratungs- und Organisationsbedarf wegen Corona gibt, kommt weiterer Ärger auf die Stadt zu. Rahn kritisierte in der Stadtverordnetensitzung die ausbleibenden Zuschüsse des Bundes und des Kreises. Förderanträge hatte die Stadt nämlich für den geplanten Neubau einer Kita in Petterweil ebenso gestellt wie für eine Außengruppe an der Kita Zauberberg. Es habe sich um Fördermittel aus dem Bundesinvestitionsprogramm gehandelt.

Bürgermeister reagiert verärgert

Der Wetteraukreis habe der Stadt zu dieser Förderung geraten. Allerdings habe er der Stadt vor zwei Monaten mitgeteilt, dass das Förderprogramm ausgeschöpft sei und die neuen Programme noch nicht soweit seien. Ferner habe der Kreis der Stadt geraten, die Anträge gegebenenfalls zurückzustellen, da auch die Zuschussquote des Kreises "mehrfach überzeichnet" sei.

"Auf diesen Hinweis hin und mit der Option, den Antrag neu zu stellen, wurde der Antrag für die Kita Petterweil zurückgezogen, "zumal wir dort noch die Option des Verbleibs im Ortskern prüfen", sagte Rahn und reagierte damit auf eine Parlamentsanfrage. "Das ist sehr ärgerlich, denn wir müssen bauen.

Doch damit nicht genug des Ärgers. Der Rathauschef musste den Stadtverordneten außerdem mitteilen, dass es keine Zuschüsse für die geplante Feld-Wiesen-Gruppe an der Kita Zauberberg geben werde.

"Wir werden regelrecht im Regen stehen gelassen", erläuterte Rahn. "Alles in allem ist dies eine sehr unerfreuliche Situation, zumal über die Medien der Eindruck erweckt wird, dass es hohe Zuschüsse zum Bau von Kita-Plätzen geben würde", sagte Rahn.

"Und wenn es dann um konkrete Zuteilung geht, ist der Topf zu schmal bemessen, so dass rund die Hälfte der Anträge leer ausgehen", schimpfte der Bürgermeister in der Parlamentssitzung. Dies alles sei umso ärgerlicher, als dass die Stadt auf den hohen Folgekosten für den Betrieb der Kitas sitzen bleibe. Rahn rechnete vor: "Wir müssen mittlerweile sieben Millionen Euro als Zuschussbedarf seitens der Stadt einplanen."

Stadt stockt Ausbildungsplätze auf

Bürgermeister Guido Rahn machte noch weitere Mitteilungen zum Thema Kinderbetreuung. So stiegen etwa die Kinderzahlen in Okarben trotz der Tatsache, dass es dort keine Neubaugebiete gebe. Deshalb sollten in diesem Stadtteil Räumlichkeiten für zwei weitere Gruppen geschaffen werden. Weiterhin liefen Verhandlungen bezüglich möglicher Erweiterungsflächen an der bisherigen Kita in Petterweil. Unabhängig davon gehe des Bebauungsplanverfahren für eine neue Kindertagesstätte in dem Stadtteil am Standort im künftigen Neubaugebiet weiter. Der Bürgermeister rief die Stadtverordneten auf, bis Ende dieses Jahres, spätestens aber im Januar in den Gremien zu entscheiden, welche Variante die Stadt verwirklichen solle: Also Ausbau am Standort oder Neubau im Neubaugebiet.

Rahn teilte weiter mit, die Stadt werde in den städtischen Kindergärten 26 Ausbildungsplätze mit Vergütung haben. Man werde die Kapazitäten aufstocken: von acht Plätzen in diesem auf zwölf im nächsten Jahr. Hinzu kämen noch sieben Plätze für Anerkennungspraktikant*innen und weitere sieben für den Beruf der Sozialassistent*in. Schließlich gab es noch eine weitere erfreuliche Mitteilung. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Stadt seien den Kindergärten insgesamt 10 000 Blumenzwiebeln zur Verfügung gestellt worden. Die Kinder hätten sie bereits gesteckt. pe

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