Daniel Jost steht hinter einer Filmkamera vor blauem Himmel.
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Kameramann Daniel Jost leidet als Freischaffender unter der Corona-Krise.

Fernsehen

Corona: Preisgekrönter Kameramann aus der Wetterau hat Existenzängste

  • VonJürgen Schenk
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Daniel Jost filmte auf dem Nebelhorn oder nach dem Terroranschlag von Nizza. Zu Beginn der Pandemie bekommt der Kameramann aber monatelang keinen neuen Auftrag.

Karben – Der Leonhardische Schlosshof in Groß-Karben ist keine schlechte Adresse, um sich niederzulassen. Im hinteren Teil des leicht verwinkelten Anwesens stehen Tische und Stühle auf dem alten Pflastersteingeläuf. Da lässt es sich im Sonnenschein eines Frühlingsmorgens wunderbar aushalten. Man glaubt fast, einen gewissen freigeistigen Charme zu spüren. Und die Zeit scheint auch ein wenig langsamer zu ticken. Dann braucht man eigentlich nur noch einen Cappuccino und ein nettes Gespräch.

Von Daniel Jost kann man beides bekommen. Seit über zwei Jahren genießt er das Wohnen im Schlosshof. »Es war die richtige Entscheidung, mit meiner Familie nach Groß-Karben zu ziehen«, ist sich der 42-Jährige sicher. Berufliche Gründe hätten dafür den Ausschlag gegeben. Im Rhein-Main-Gebiet seien die Möglichkeiten für einen selbstständigen Kameramann wie ihn einfach breiter gesät.

Kameramann aus der Wetterau mit dem Hessischen Fernsehpreis ausgezeichnet

»Diesen Beruf mache ich seit 20 Jahren«, erzählt der gebürtige Offenburger. »Mein Fachbereich ist die elektronische Berichterstattung. Angefangen habe ich bei einem Regionalsender in Freiburg, den ich mit anderen Medienleuten zusammen aufbauen durfte. Dort war ich der einzige Kamera-Volontär. Ursprünglich wollte ich Sozialpädagoge werden. Aber das Filmen übte einfach eine zu große Faszination auf mich aus.«

Diese Faszination führte ihn nur ein Jahr später in die Selbstständigkeit und dann in die Mainmetropole, wo er einen größeren Tätigkeitsbereich abdecken kann. »Mit der Zeit erweiterte sich der Kreis immer mehr. Trotzdem musste ich, gerade nach dem Wohnsitzwechsel, einige Produktionsfirmen abklappern, um Jobs an Land zu ziehen«, erinnert sich Jost. Die Erfolge ließen jedoch nicht lange auf sich warten. Unter anderem konnte er mit seinen Fähigkeiten beim Hessischen Rundfunk Fuß fassen. 2015 wurde er mit dem Hessischen Fernsehpreis ausgezeichnet.

Mittlerweile arbeitet Daniel Jost sehr oft für freie Produktionsfirmen in der Region, deutschlandweit und auch im Ausland. Manchmal jeden Tag woanders, ganz nach Auftragssituation. Doch die Corona-Pandemie hat auch in sein Leben eine Kerbe geschlagen. Als Freischaffender muss er in seiner Branche mit Existenzsorgen zurechtkommen. Er weiß, dass er damit nicht allein dasteht. »Aber das ändert ja nichts an meiner Situation«, sagt Jost. »Am Anfang der Krise war ich drei Monate lang ohne Auftrag. Die oft zitierte Entschleunigung ging nicht dauernd. Irgendwann kam die Angst. Ich wusste nicht so recht, wie es weitergehen sollte. Mein Glück war und ist, dass ich breit aufgestellt bin, was mein Leistungsspektrum betrifft.«

Wetterauer Kameramann filmt Nachberichterstattung zu Terroranschlag

Daniel Josts Portfolio umfasst Nachrichten, Magazinbeiträge, Sportaufzeichnungen, Live-Veranstaltungen, Dokumentationen sowie Unternehmens- und Werbefilme. Im Sportbereich stand er bei Fußball- und Eishockeyspielen hinter der Kamera. Um dabei gute Aufnahmen hinzubekommen, müsse man quasi mitspielen. Eishockey sei eine ganz besondere Herausforderung. Auch von emotional schwierigen Jobs kann er berichten. So etwa von dem Terroranschlag in Nizza 2016, wo er im Auftrag des ZDF eine Nachberichterstattung filmte. »An einem Tag wollten wir in dem Stadtviertel drehen, von wo der Attentäter stammte. Das war von vornherein eine heikle Geschichte. Und als wir durch die Straße fuhren, wurde unser Fahrzeug auch direkt von oben mit Steinen und Eiern beworfen. Wir suchten dann schnell das Weite.«

An Abwechslung mangele es in seinem Job nicht: Heute ein Job im Frankfurter Bahnhofsviertel und morgen beim Bundespräsidenten. »Politikprominenz und hochrangige Manager hatte ich häufig vor der Nase«, erzählt Jost weiter. »Und ich muss die Leute schon mal darauf hinweisen, wenn die Krawatte schief sitzt oder Schuppen auf dem Kragen sind. Bei allem fokussierten Arbeiten muss man immer offen für das Drumherum bleiben.«

Auf Querdenker-Demos kann der Kameramann aus der Wetterau verzichten

Zu seinen gefährlichsten Unternehmungen gehörte ein Werbedreh auf dem Nebelhorn in über 2000 Metern Höhe. Mit der Kamera auf der Schulter, direkt am Abgrund - das sei nicht ohne gewesen. »Dann vergesse ich manchmal die Gefahr«, gesteht der Profi. An einem Spielfilm oder einer mit Schauspielern besetzten Geschichtsdokumentation würde er gerne demnächst einmal mitwirken. »Querdenker-Demos und andere irre Sachen« brauche er hingegen nicht. (Jürgen Schenk)

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