Hier steht das Verbot: Die Stadtpolizisten Stefan Fladung (l.) und Andreas Wagner kontrollieren die städtische Skater-Bahn sowie alle öffentlichen Plätze und Anlagen. 
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Hier steht das Verbot: Die Stadtpolizisten Stefan Fladung (l.) und Andreas Wagner kontrollieren die städtische Skater-Bahn sowie alle öffentlichen Plätze und Anlagen. 

Polizeikontrollen

Corona-Pandemie: Jeden Tag Verstöße gegen Auflagen

  • Holger Pegelow
    vonHolger Pegelow
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Seit die Bundes- und Landesbehörden zur Eindämmung der Corona-Pandemie die Schließung von Läden und Gastronomiebetrieben verordnet haben, hat die Karbener Stadtpolizei alle Hände voll zu tun.

D as blau-weiße Auto der Stadtpolizei fährt durchs Gewerbegebiet. Kurz vor dem Wendehammer in der Robert-Bosch-Straße biegt es auf einen Firmenparkplatz. Andreas Wagner und Stefan Fladung steigen aus und gehen in Richtung Skater-Bahn. Die beiden sind auf Kontroll-Tour durch die Stadt. Es gilt, die behördlichen Auflagen zum Versammlungsverbot und zur Kontaktsperre zu überwachen.

Und damit etwa junge Leute, die sich trotz Verbots auf der Skaterbahn treffen, nicht gleich verscheucht werden, haben sie das Dienstfahrzeug weiter weg geparkt und laufen den Rest des Weges durch die kleine Grünanlage zu Fuß. Doch an diesem Nachmittag ist niemand zu sehen.

Corona-Pandemie: Aushänge an der Skater-Anlage

Die städtische Skateboard-Bahn ist mit rot-weißem Trassierband abgesperrt. Ein Aushang der Stadt, von Bürgermeister Guido Rahn unterzeichnet, weist darauf hin, warum hier niemand mit Rollbrettern oder BMX-Fahrrad fahren darf. "Gemäß Vorgabe der Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland sind kommunale Spielplätze, sonstige Freizeitanlagen, Freizeitsportanlagen, allgemeine Sportanlagen, zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 bis auf Weiteres geschlossen."

Daran hält sich nicht jeder, wie sich auch auf dem Spielplatz am Klein-Karbener Sportfeld zeigt. Die rot-weißen Absperrbänder sind durchgerisssen worden, vielleicht auch, weil viele Spaziergänger nicht außen herum hinter dem KSV-Haus und dem Anglerheim den Umweg gehen möchten.

Solche Hinweise hängen an Dutzenden öffentlicher Einrichtungen und Plätzen. "Wir haben nun den Auftrag, die Einhaltung der Auflagen zu überwachen", sagt Wagner. Das ist so viel Arbeit, dass sie alle Hände voll zu tun haben. "Zu unserer normalen Arbeit kommen wir kaum noch", sagen sie. 80 Prozent der Zeit seien sie damit befasst, die Verbote zu überwachen. Das an sich wäre schon Arbeit genug. Aber weil es auch in Karben etliche Uneinsichtige gibt und Menschen, die nach anderthalb Wochen nicht verstanden haben, worum es jetzt gehen muss, greifen die beiden Stadtpolizisten ein. Das übrigens auch an Wochenenden und in den Abendstunden.

Denn das scheinen die kritischen Zeiten zu sein. "Am Wochenende haben wir eine Gruppe aufgelöst, die sich in Groß-Karben mit Camping- stühlen in einem Kreis auf die Straße gesetzt hatte", berichten Wagner und Fladung. Von den sechs Leuten habe man die Personalien aufgenommen und die Gruppe aufgelöst. "Wir haben sie belehrt, dass man aktuell maximal zu zweit unterwegs sein darf und eine mündliche Verwarnung ausgesprochen." Auch auf den öffentlichen Plätzen treffen die beiden Polizisten immer wieder Uneinsichtige an. "Es vergeht kein Tag ohne Verstöße", sagen sie. Das bestätigt Fachdienstleiter Manuel Peña. "Ein Großteil der Karbener hält sich an die Vorgaben. Aber wir treffen täglich Grüppchen an, die wir auflösen müssen." Besonders krass sei gewesen, dass eine Gruppe auf einem Platz Shisha geraucht habe.

Corona-Pandemie: Mehrere Plätze sind Treffpunkte

Die Liste der zu kontrollierenden Punkte im Stadtgebiet ist lang. Doch immer wieder werden Orte genannt, die auch zu Corona-Zeiten beliebte Treffpunkte sind. So der Parkplatz am Trimm-Dich-Pfad, der Freizeitplatz an der TG-Turnhalle, der Bahnhof und eben die Skateboard-Bahn. Es geht der Stadtpolizei aber beileibe nicht nur um uneinsichtige Menschen. Peña sagt, gerade bei Geschäftsleuten habe anfangs eine größere Unsicherheit geherrscht, was sie noch durften und was nicht. Als die Verordnungen konkreter gefasst worden seien und man es ihnen erklärt habe, seien sie einsichtig geworden.

Dass viele genervt sind von den Auflagen, erleben die Stadtpolizisten häufiger. Sie selbst müssen in dieser "besonderen Situation" ständig neue Vorgaben umsetzen. Neu sei, dass die Eissalons nun kein Eis mehr zum Mitnehmen verkaufen dürften. Anfangs sei dies noch erlaubt gewesen. Auch darauf hätten sie nun zu achten, sagen Wagner und sein Kollege.

Es gelte, darauf zu schauen, dass die Gaststätten Tische und Bänke weggeräumt oder die Stühle auf die Tische gestellt hätten. "Bei den Gastronomen haben wir aber keinerlei Beanstandungen", heben die Stadtpolizisten hervor. Dass in dieser Ausnahmesituation Überstunden anfallen, scheint normal zu sein. Denn Fladung und Wagner werden auch an Wochenenden unterwegs sein. In den nächsten Tagen schon könnten bei warmem Wetter mehr Verstöße hinzukommen.

Corona-Pandemie: Appell von Bürgermeister Guido Rahn

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, die Corona-Krise ist nach wie vor präsent. Die behördlich angeordneten Schließungen von öffentlichen Plätzen und die Kontaktverbote zeigen zwar erste Erfolge. Doch sollten wir nicht fahrlässig werden und die Vorgaben zur Eindämmung der Pandemie weiterhin beachten, denn nur so ist es möglich, die Maßnahmen baldmöglichst zu lockern.

Bitte bedenken Sie, dass es weiterhin gilt, vor allem Ältere sowie die Risikogruppen - also Menschen mit Vorerkrankungen - vor der Ansteckung mit dem Virus zu schützen. Ich weiß, dass es nicht einfach ist, weitgehend zu Hause zu bleiben. Aber glauben Sie mir, es ist notwendig. Gerade jetzt, wenn es wärmer wird, zieht es viele von Ihnen nach draußen. Das ist einzeln oder zu zweit bzw. im Kreise der Familie durchaus erlaubt. Aber bitte halten Sie den Mindestabstand zu anderen ein, damit Sie niemanden anstecken oder selbst angesteckt werden.

Wir werden seitens der Stadt Karben die Einhaltung der Auflagen kontrollieren und Verstöße konsequent ahnden. Unsere Stadtpolizisten werden auch über das Wochenende und über Ostern im gesamten Stadtgebiet unterwegs sein. Wir hoffen aber, dass es nicht notwendig ist, Bußgelder zu verhängen, sondern appellieren an Ihre Unterstützung. Mein Dank in dieser Situation geht an die vielen freiwilligen Helfer/innen in unserer Stadt - zusammen meistern wir diese außerordentliche Situation.

Mit der Hoffnung und Erwartung, dass wir alle auch diese Krise baldmöglichst gesund überstanden haben und wieder "Normalität" in das Leben in unserer Stadt eingekehrt. Ich wünsche Ihnen, trotz aller Einschränkungen, ein schönes und frohes Osterfest. Bleiben Sie gesund! Guido Rahn, Bürgermeister

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