Will zur Not auch alleine weiterarbeiten: Dr. Jürgen Fehr, Hausarzt in Okarben.
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Will zur Not auch alleine weiterarbeiten: Dr. Jürgen Fehr, Hausarzt in Okarben.

Corona-Fälle

Corona-Fälle Karben: »Komische Situation« beim Hausarzt

  • vonJana Kötter
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Im Internet informiert Dr. Jürgen Fehr über »gesicherte Corona-Fälle« in Okarben. Grund zur Besorgnis seien diese jedoch nicht, stellt er klar. Allein um seine älteren Patienten sorgt sich der Hausarzt - und spricht Empfehlungen aus.

Die Praxis von Dr. Jürgen Fehr ist in diesen Tagen ungewöhnlich leer. »Als Hausarzt ist das aktuell schon eine komische Situation«, sagt er. Denn: Während die Corona-Pandemie und die strengen Kontaktverbote zu deren Eindämmung die Medien - und Gedanken vieler Bürger - dominieren, ist der Mediziner bislang noch nicht verstärkt gefragt. Im Gegenteil: In seiner Praxis fallen in diesen Tagen viele Routine-Untersuchungen wie Akupunkturen oder Vorsorgeuntersuchungen weg, auf die sein Praxisbetrieb wirtschaftlich jedoch angewiesen wäre.

Corona-Fälle Karben: Keine Schlangen vor der Praxis

Dabei hat eine Meldung, die Fehr vor wenigen Tagen sowohl auf seiner Webseite als auch auf Facebook veröffentlicht hatte, viele Karbener in Sorge versetzt. »Leider haben sich auch bei uns in Okarben gesicherte Corona-Fälle ergeben«, schrieb er dort. Einer ersten Meldung zufolge seien die Infizierten noch auf lokalen Veranstaltungen anzutreffen gewesen. »Es ist ein Problem, dass sich Betroffene nicht sofort an die bestehenden Empfehlungen zu sozialer Distanz gehalten haben«, sagt Fehr. Nichtsdestotrotz: Schlangen angsterfüllter Patienten bildeten sich in seiner Praxis gerade nicht, und das auch völlig zu Recht, wie Fehr meint. Die Karbener Betroffenen, die offiziell in Quarantäne gehen müssen, wüssten Bescheid. Darüber hinaus sei es »nicht unwahrscheinlich, dass Menschen nicht einmal merken, dass Sie Covid-19 haben«, betont der Facharzt für Innere Medizin. Denn gerade bei jüngeren Menschen ohne Vorerkrankung zeige sich Covid-19 - wenn überhaupt - nur durch einen leichten Husten, mitunter sogar ganz ohne Symp- tome.

Corona-Fälle Karben: Kittel und Masken gehen aus

Sprich: Bei den meisten Menschen verläuft Covid-19, so der offizielle Name der durch das neuartige Coronavirus ausgelösten Krankheit, »völlig harmlos«, erklärt der Mediziner. Er sei daher Stand heute »tiefenentspannt« - vor allem, wenn er an dramatische Grippe-Winter wie zuletzt vor zwei Jahren zurückdenkt. »Insgesamt erleben wir aktuell eine außerordentlich ruhige Saison mit sehr wenigen Atemwegsbeschwerden«, so seine Einschätzung. Bisher sehe er höchstens Menschen mittleren Alters, die mitunter 40 Grad Fieber hätten, jedoch nicht kranker seien als bei einer Grippe oder einem starken grippalen Infekt. »Zum Glück«, sagt Fehr, habe er noch keinen alten Patienten mit dem Coronavirus gesehen.

Denn kleinreden will der Hausarzt Corona beileibe nicht. Im Gegenteil: Um seine alten Patienten, die als Risikopatienten für schwierigere Verläufe gelten, mache er sich durchaus Sorgen. »Ihnen empfehle ich ganz klar, soziale Kontakte zu meiden und etwa die Kinder oder Freunde einkaufen zu lassen, sodass sie nicht rausgehen müssen.« Frische Luft hingegen sei durchaus empfehlenswert, etwa in Form regelmäßiger Spaziergänge. Allen Patienten sagt Fehr: »Ihr müsst davon ausgehen, dass Ihr es kriegen werdet - mit allen Konsequenzen, also im schlimmsten Fall einer Behandlung im Krankenhaus.«

Während er derzeit also noch entspannt in seiner Praxis arbeitet, denkt Fehr durchaus mit Sorgen an ein Zuspitzen der Situation. Denn Schutzmaterialien - Kittel, Atemschutzmasken, Desinfektionsmittel - fehlen wie in vielen anderen Praxen auch bei ihm. Unterstützung von offiziellen Behörden sei bislang ausgeblieben. Durch einen glücklichen Zufall habe er noch ein Kontingent im Baumarkt ergattern können, was ihn noch über die nächste Woche rette.

Corona-Fälle Karben: Anmeldung als »Schutzschild«

Hinzu kommen bauliche Vorteile seiner Praxis. Denn die vergleichsweise altmodische Anmeldung - das Gebäude war einmal eine Bürgermeisterei -, ergänzt durch eine Plexiglasscheibe, sei in diesen Tagen ein wahres »Schutzschild«. »Wer dahinter arbeitet, ist nicht infektgefährdet.«

Sollte sein Team jedoch erkranken oder er den Schutz aufgrund fehlender Materialien nicht mehr gewährleisten können, müsse er eben allein weiterarbeiten, sagt Fehr. »Solange es vernünftig geht, werden wir einen - wenn auch etwas eingeschränkten - Praxisbetrieb aufrechthalten.« Für seine Patienten wolle er weiter da sein, ganz gleich, wie viele sich Rat suchend an ihn wenden.

Corona-Fälle Karben: Tipps im Internet

Auf seine Webseite stellt Dr. Jürgen Fehr regelmäßig Gedanken und Empfehlungen zum Umgang mit dem Coronavirus, Hinweise für den Praxisbesuch sowie Tipps für Risikopatienten zusammen: www.hausarzt-karben.de/aktuelle-information.html. Dort hatte der Arzt auch umfassend über die Fälle in Okarben informiert und Tipps gegeben, wie die Mitbürger sich jetzt am besten verhalten. 

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