Die Einfahrt zum Hauptgebäude des Karbener Continental-Werkes mit der Mahnwache der IG-Metall links vom Eingang. Geht es nach Geschäftsleitung und Aufsichtsrat soll das Werk bis spätestens Ende 2024 geschlossen sein.	FOTOS: JÜRGEN W. NIEHOFF
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Die Einfahrt zum Hauptgebäude des Karbener Continental-Werkes mit der Mahnwache der IG-Metall links vom Eingang. Geht es nach Geschäftsleitung und Aufsichtsrat soll das Werk bis spätestens Ende 2024 geschlossen sein.

Karbener CDU im Live-Chat

Conti-Werk: Verdi-Vertreter äußert Hoffnung

  • vonJürgen W. Niehoff
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Die angekündigte Schließung des Conti-Werkes in Karben beschäftigt nicht nur die betroffenen rund 1100 Mitarbeiter am Standort, sondern auch die politischen Gremien der Stadt. Jetzt gab es eine Diskussion der CDU dazu im Internet.

Die geplante Schließung des Continental-Werkes im Gewerbegebiet beschäftigt auch den Karbener CDU-Stadtverband. Seit Beginn der Corona-Krise hatte die CDU aktuelle Themen aufgegriffen, um sie via Livechat mit den Bürgern zu erörtern und so zu zeigen, dass sich die Politik selbst in so schwierigen Zeiten nicht hinter verschlossene Türen zurückzieht. Der Zuspruch war deshalb auch immer recht groß. Zum Teil über 2000 Internetnutzer schauten sich die Chats oder deren Aufzeichnungen an. Und weil derzeit viele Karbener - sei es aus eigener Betroffenheit oder aus Solidarität - die Zukunft des Continental-Standorts bewegt, hatte die CDU Vertreter der Betriebsleitung, der Belegschaft und der Gewerkschaft zu einem Livechat aus dem Rathaus mit Bürgermeister Guido Rahn (CDU) eingeladen.

Die Betriebsleitung musste ihre Teilnahme absagen. Sie darf sich zurzeit nicht zum Thema Schließung in der Öffentlichkeit äußern. Deshalb nahmen an der Diskussionsrunde am Donnerstagabend, die von dem CDU-Vorstandsmitglied Stephan Theiß moderiert wurde, außer dem Bürgermeister der Karbener Conti-Betriebsratsvorsitzende Frank Grommeck, sein Stellvertreter Stefan Neugebauer und der Vertreter der IG-Metall, Michael Erhardt, sowie für die Karbener Politik noch der FWG-Vorsitzende Thorsten Schwellnus teil.

Betriebsrat: Erst spät informiert

Die Bürgerinnen und Bürger konnten die Runde dabei über Facebook nicht nur live mitverfolgen, sondern sie konnten auch jederzeit eigene Fragen einbringen. Dieses Mal ein Problem, wie sich später herausstellte, weil die Technik nicht mitspielte und die Übertragung zu leise war.

Theiß eröffnete zunächst die Runde mit einem kurzen Sachstandbericht. Danach habe der Conti-Aufsichtsrat vor wenigen Tagen der Schließung des Karbener Standortes zugestimmt. Der Betriebsratsvorsitzende Grommeck schilderte dann die Ereignisse der letzten Monate. Danach sei die Belegschaft über die Schließung des Standortes erst Anfang September auf einer Betriebsversammlung informiert worden. »Auch mit dem Betriebsrat war zu diesem späten Zeitpunkt darüber noch keine Silbe gewechselt worden«, erklärte Grommeck kopfschüttelnd. Am 30. September habe dann der Aufsichtsrat der Schließung zugestimmt. »Von unseren Mitarbeitern versteht das keiner. Erst Ende vergangenen Jahres haben wir als Werk mehrere Auszeichnungen für Erfindungen und Innovationen erhalten«, wunderte sich auch Neugebauer. Auch der kurzzeitige Stillstand des Werkes im Mai sei nur erfolgt, weil die Zulieferer nicht mehr liefern konnten, und nicht etwa weil die Nachfrage nach den Produkten aus dem Karbener Werk ins Stocken geraten sei. »Das sind alles Punkte, die uns dazu veranlassen, jetzt erst richtig loszulegen. Uns geht es jetzt nicht mehr um das Wie der Schließung, sondern um das Ob. Weder aus betriebswirtschaftlichen Gründen noch aus strukturellen oder aufgrund von Auswirkungen der Pandemie lässt sich eine Schließung begründen«, machte Erhardt Hoffnung. Sie würden deshalb momentan an Ideen arbeiten, mit denen das Werk fortgeführt werden könne, wenn auch vielleicht nur in einem etwas verkleinertem Rahmen.

Die Technik: Nur einer kommt durch

Das begrüßte dann auch Rahn. Die Stadt habe zwar keinen direkten Einfluss auf das Geschehen innerhalb der Firma, doch versuche sie alles, um den Beschluss der Schließung wieder rückgängig zu machen. »Wir empfinden nicht nur Mitgefühle mit den Conti-Mitarbeitern und deren Familien, sondern auch für die Stadt hat dies große Auswirkungen. War doch Conti einer unserer großen Gewerbesteuerzahler«, sagte Rahn.

Der Bürgermeister versprach dem Betriebsrat die volle Unterstützung seitens der Stadt und ihrer Gremien auch in Zukunft. Dieses Engagement habe schon 2009 und 2013 zum Erfolg geführt, als schon damals bei Conti die Rede von Entlassungen und Verkleinerung war.

Nach der gut einstündigen Diskussionsrunde, bei der wegen der technischen Probleme nur eine Frage von außen durchgestellt werden konnte - nämlich ob sich die große Politik auch um die Zukunft des Werkes kümmere - und die deshalb auch von keinem der Anwesenden beantwortet werden konnte, zog Rahn gegenüber dieser Zeitung ein Resumee: »Mich hat erfreut, dass die Gewerkschaftler selbst in dieser schwierigen Situation sich so flexibel zeigen. Sie akzeptieren, dass es zu Änderungen kommen muss und wollen daran mitarbeiten. Also kein stures Nein, sondern ein verständnisvolles Zusammenwirken. Das macht mich hoffnungsvoll«, meinte Rahn.

Aufgrund der sich ändernden Situation im Automobilbereich sowie infolge der Corona-Krise hatte der Conti-Vorstand Anfang September einen verschärften Sparplan angekündigt. Als Grund nannte der DAX-Konzern die mit der Pandemie verschärfte, schon länger anhaltende Talfahrt am Automobilmarkt. Das erste Sparprogramm im vergangenen Jahr war Folge des Umbruchs zu klimafreundlichen Elektro-Autos, der auf längere Sicht ein Ende des Verbrennungsmotors bedeutet. Von den Sparplänen des Konzerns sind weltweit circa 30 000 Mitarbeiter betroffen, davon 13 000 in Deutschland und davon wiede-rum 1100 in Karben. Zwei Werke, nämlich die in Karben und Aachen, sollen komplett geschlossen werden. jwn

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