Computer-Senioren

Computer-Senioren bald offline?

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Sie bringen betagten Karbenern den Umgang mit Computer, Laptop und Handy bei. Die PC-Senioren haben sich im Senioren-Computer-Zentrum in Klein-Karben organisiert. Jetzt stehen sie am Scheideweg, denn der gesamte Vorstand will nicht mehr länger im Amt bleiben. Wenn sich keine Freiwilligen finden, droht die Auflösung.

Margarete Klein, die Vorsitzende des Karbener Senioren-Computer-Zentrums (SeCuZ), wirkt auf den ersten Blick ganz gelassen. Das liegt daran, dass sie sich fest entschieden hat, bei der nächsten Jahreshauptversammlung nicht mehr als Vorsitzende anzutreten. Neben der 70-Jährigen sitzen an diesem Morgen in den Räumen des Alten Rathauses in Klein-Karben auch die 2. Vorsitzende Margit Hudert (77 Jahre), Kassiererin Christel Wortmann (79), Manfred Hebald (70) und Thea Bedacht (80 Jahre). Auch sie werden künftig keine Vorstandsarbeit mehr leisten. Vor zwei Jahren, bei der letzten Jahreshauptversammlung, habe man erklärt, man trete nochmals an. "Aber dann ist Deadline", drückt es Klein aus. Man habe sich untereinander besprochen und jeder habe den festen Willen bekundet, endgültig aufzuhören.

Dafür gibt es sehr unterschiedliche, aber vor allem persönliche Gründe. Schwere Krankheiten in der Familie, Tod des Ehegatten oder, wie Margit Hudert es ausdrückt, "ich habe mit der Vorstandsarbeit abgeschlossen". Niemand der fünf Vorstandsmitglieder zeigt sich bereit, sich noch einmal "breitschlagen" zu lassen. "Wir würden einen neuen Vorstand gewiss unterstützen, aber nicht nochmal selbst ein Amt anstreben", erklären sie unisono. Also was jetzt? Margarete Klein hat in diesen Tagen einen Brief an die Mitglieder gesendet. Darin heißt es: "Sollte sich kein neuer Vorstand bilden, muss der Verein aufgelöst werden." Wie die ebenfalls versandte Einladung zeigt, meint es der jetzige Vorstand offenbar ernst. Denn die Tagesordnung beinhaltet einen Punkt, der den Ernst der Lage ausdrückt: Beschluss über die Auflösung des Vereins und, als Unterpunkt, "Wahl der Liquidatoren". Die sollen den Verein dann "geordnet auflösen", wie sie es ausdrücken. Damit der Vorstand diese Punkte nicht erst aufrufen muss, sollen sich Jüngere finden, die den Verein führen. "Für Jüngere könnte das eine Chance sein, neue Kunden zu finden", sagen die Noch-Vorständler. Gemeint ist jemand, der etwa als Computerspezialist seine Dienste anbietet und Menschen bei der Einrichtung ihres PCs oder bei technischen Problemen hilft. Auch vom Alter her haben die Vorständler eine Idee: "Jemand, der Anfang 60 ist und gerade in Rente gegangen ist." Die Voraussetzungen, dass jemand die Vorstandsarbeit übernimmt, seien da, betont Klein. Die Strukturen des Vereins seien intakt, man habe ein großes Programm. Und die jetzigen Vorstandsmitglieder seien bereit, die Neuen zu unterstützen. Dass sich neue Vorständler finden, scheint aber nicht unbedingt ausgemachte Sache. Bislang habe sich nämlich noch niemand gemeldet, "vielleicht ist einer bereit", schiebt Beisitzer Manfred Hebald nach. Dabei zählt der Verein 215 Mitglieder. Als das SeCuZ im September 2002 gegründet wurde, waren es gerade mal sechs.

Dass sich Senioren gezielt mit Computern beschäftigen, geht auf eine Idee des früheren Karbener VdK-Vorsitzenden Ludwig Schramm zurück. Die ersten Kurse wurden seinerzeit allerdings von der Stadt organisiert. Im März 2003 wurde der erste Vorstand gewählt. Der damalige Kursleiter, Christian Golde von der Datendigger GmbH, bot darauf hin mehrere erweiterte Kurse an und schuf mit seinem Engagement eine Plattform, die stetig wuchs. Die Büroarbeit wird mit fünf Stunden pro Woche angegeben. Zirka zehn Wochenstunden schätzen die Vorständler den Aufwand für die Arbeit im SeCuZ. Am Freitag, 5. April, kommen die Mitglieder um 15 Uhr im Bürgerzentrum zusammen. Dann hofft das Vorstandsquintett darauf, dass sich fünf Nachfolger finden. "Ansonsten müssen wir doch den Punkt 7 aufrufen." Und der heißt "Auflösung des Vereins". Dafür setzt die Satzung indes eine Hürde: Zwei Drittel der Mitglieder müssen dafür stimmen. Kommt diese Mehrheit nicht zustande, wird eine neue Sitzung einberufen. "Dann aber reicht die einfache Mehrheit."

Info

Viele Aktivitäten

Ob Personal Computer, Textverarbeitung mit Word oder digitale Bildbearbeitung – das Senioren-Computer-Zentrum (SeCuZ) leistet vielfache Hilfe. Gemeinsam mit Gleichgesinnten will man im SeCuZ in Klein-Karben die Berührungsängste vor der digitalen Welt verringern und Kenntnisse vermitteln. Ab dem 60. Lebensjahr kann man Mitglied werden. Der Monatsbeitrag beträgt zwei Euro. Dafür sind die Arbeitskreise kostenlos, für Computer-Anfänger gibt es Einzelunterricht. Zudem sind die Kurse, Vorträge und der offene PC-Treff im Monatsbeitrag enthalten. Der offene Treff im Alten Rathaus in der Rathausstraße 35 ist montags und freitags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Telefonisch ist das SeCuZ unter 06039/485541, im Internet unter www.secuz-karben.de erreichbar. (pe)

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