Melanie Lachner hat die Corona-Zeit genutzt und die Kinosäle auf Vordermann gebracht. 	FOTOS: PATRICK EICKHOFF
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Melanie Lachner hat die Corona-Zeit genutzt und die Kinosäle auf Vordermann gebracht.

Keine Filme

Cinepark Karben: Wiedereröffnung verschoben

  • vonPatrick Eickhoff
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Als erstes Bundesland macht Hessen die Kinos wieder auf. Doch im Cinepark Karben bleiben die Türen geschlossen. Denn für Geschäftsführerin Melanie Lachner stellt sich die Frage, welche Filme sie überhaupt anbieten kann.

Im Cinepark Karben sieht es derzeit aus wie auf einer Baustelle. Die Wände sind abgeklebt, Farbeimer stehen auf dem Boden. Auf den Toiletten sind Handwerker zugange. Ab heute dürfen in Hessen die Kinos wieder aufmachen. »Das lohnt sich nicht«, sagt Geschäftsführerin Melanie Lachner. Sie hat zu Beginn des Jahres das Karbener Kino von ihren Eltern übernommen. Ein optimaler Start sieht anders aus. »Damit konnten wir natürlich nicht rechnen.«

Derzeit bereitet sich das Kino auf die Wiedereröffnung vor. »Dass wir pünktlich zum 15. fertig werden, war wegen all der Vorkehrungen nicht darstellbar.« Zwei DIN-A4-Seiten umfassen die Regeln zum Schutz der Mitarbeiter und der Besucher. Diese müssen sich ans Abstandsgebot halten, eine Maske tragen und am Einlass ihre Daten hinterlassen, um potenzielle Infektionsketten verfolgen zu können. »Die Besucher dürfen die Masken auf dem Platz abnehmen«, sagt Lachner. Zwischen den Besuchern und Gruppen müssen drei Plätze frei sein. Außerdem wird nur jede dritte Reihe besetzt. »Die anderen werden wir absperren. Außerdem müssen wir darauf achten, dass die Startzeiten von zwei Filmen nicht so kollidieren, dass vor den beiden Sälen zu viele Leute aufeinandertreffen.« Nach einer Vorstellung müssen alle Sitze desinfiziert werden. Außerdem wird der Saal für 30 Minuten gelüftet. »Die Besucher müssen über den Notausgang den Saal verlassen. Wer also auf Toilette muss, sollte das vor der Vorstellung erledigen, weil er danach nicht mehr ins Foyer kommt.«

Cinepark Karben: Zahlreiche neue Hygienevorschriften

Ein Vorteil sei, dass es sich in Karben um ein kleines Kino handele. »Wir müssen auf die Abstandsregeln achten, aber wir haben keine 15 Säle, in denen wir kontrollieren müssen.« Für die Toilette gelte die einfache Vorschrift: Nur eine Person darf eintreten. »Wir sollen dort Desinfektionsspender anbringen. Diese werden geliefert und montiert.«

Die Geschäftsführerin des Familienbetriebs kommt ins Grübeln. »Natürlich stellt sich die Frage, ob sich all diese Investitionen lohnen. Denn wer geht denn so gerne ins Kino?« Hinzu komme, dass die Sommermonate ohnehin nicht die starke Kino-Zeit seien.

»Außerdem haben wir gar keine Filme.« Das sei das größte Problem. »Große Blockbuster wie James Bond sind nach hinten verschoben. Viele Filme nicht abgedreht. Wir wissen nicht, was wir zeigen sollen.« Da helfe es auch nicht, dass Hessen als erstes Bundesland Kinos wieder aufmachen lässt. »Kein großer Film wird erst nach Hessen vergeben, wenn in anderen Ländern und Städten noch Kinos geschlossen sind. Solange die großen Weltmärkte zu sind, brauchen wir nicht auf bekannte Filme zu hoffen.«

Cinepark Karben: Vielleicht Eröffnung am Vatertag

Deshalb überlegt Lachner, ob sich der Himmelfahrtstag in der kommenden Woche als Eröffnungstag überhaupt lohnt. »Wir hätten noch Kinderfilme im Angebot. Allerdings haben auch Streamingdienste einige Filme früher in ihr Angebot genommen als geplant.« Das macht es nicht leichter. Doch Melanie Lachner hat gemeinsam mit ihren Eltern Beatrix und Dieter, die das Kino jahrelang geleitet haben, die Corona-Zeit genutzt. Alte Sitze wurden ausgetauscht. Das Foyer wird gestrichen. »Wir haben außer an Silvester das ganze Jahr über geöffnet. Da fehlt manchmal die Zeit. Deshalb haben wir die Hygienemaßnahmen gleich genutzt und mal alles auf Vordermann gebracht.«

Ob und wann genau das Kino aufmacht, kann Lachner nicht sagen. »Wir hoffen natürlich darauf, dass alles schnellstmöglich besser wird. Wenn die ersten Blockbuster kommen, dann wird sich das Kino auch wieder lohnen.«

Cinepark Karben: Zurückhaltung auch in Bad Vilbel 

Und wie sieht es mit dem Kino »Alte Mühle« oder dem Open-Air-Kino im benachbarten Bad Vilbel aus? Dort übt man sich in Zurückhaltung. »Wir denken gerade darüber nach, ob, und wenn ja, in welcher Form wir kulturelle Angebote im Zeichen von Corona realisieren können«, teilt Claus-Günther Kunzmann, Leiter Fachbereich Kultur, auf Anfrage dieser Zeitung mit. »Hier ist aber derzeit noch nichts entschieden.«

Kinos in Hessen: Betreiber fordern einheitliche Regelungen 

Ab heute dürfen die Kinos in Hessen unter strengen Voraussetzungen wieder öffnen. In Sachsen und Schleswig-Holstein startet der Betrieb am Montag. Mecklenburg-Vorpommern (27. Mai) und Nordrhein-Westfalen (30. Mai) folgen. In anderen Bundesländern sind die Termine noch nicht bekannt. Die Geschäftsführerin des Cineparks Karben, Melanie Lachner, sieht das kritisch. »Wir brauchen einheitliche Regeln. Die Filmverleihe werden keine großen Filme herausgeben, wenn nur einzelne Bundesländer ihre Kinos öffnen und andere nicht.« Die Lichtspielhäuser in Hessen erwarten umfangreiche Maßnahmen. Maskenpflicht, Plexiglasscheiben, Desinfektionsspender, abgesperrte Reihen regelmäßiges Lüften der Säle. Ob und wie Essen verkauft werden darf, sei auch nicht klar. »Wir haben fürs Popcorn extra Deckel angeschafft«, sagt Lachner. Außerdem muss jeder Besucher zu Beginn der Vorstellung seine Daten hinterlassen. »Wer das nicht macht, kommt leider nicht rein.« 

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