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Besprechung zu Beginn der Stimmenauszählung (v. l.): Helge Gottschalk, Wahlleiter Turgay Taskiran und Bürgermeister Guido Rahn.

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CDU mit Mehrheit - Grüne im Hoch

  • vonJürgen W. Niehoff
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Das künftige Karbener Stadtparlament wird bunt: Alle sieben Parteien, die angetreten sind, haben den Einzug geschafft. Stärkste Fraktion bleibt die CDU mit einer knappen absoluten Mehrheit. Gewinner sind die Grünen, die künftig sechs statt bisher drei Vertreter stellen.

In Karben stehen nach dem Wahlsonntag lediglich zwei Parteien auf der Gewinnerseite, einerseits die Grünen, die ihr Ergebnis gegenüber den Kommunalwahlen 2016 um 8,9 Prozent verbessern konnten, damit ihre Sitze im Stadtparlament verdoppelt haben und nunmehr sechs Stadtverordnete stellen. Und erstmals wird dort auch die AfD zu finden sein. Sie erhielt 5313 Stimmen und kommt damit auf einen Sitz in der Stadtverordnetenversammlung.

Deutliche Verluste hingegen mussten die beiden großen Parteien CDU mit einem Minus von vier Prozent gegenüber der Kommunalwahl 2016 und SPD mit einem Minus von 5,3 Prozent hinnehmen. FDP und FW Karben verloren zwar ebenfalls leicht, konnten aber ihre Sitze in der Stadtverordnetenversammlung behalten. Ebenso wie die Linken, die weiterhin mit einer Stadtverordneten vertreten sind.

Beck stolz auf’s CDU-Ergebnis

Obwohl die CDU gegenüber ihrem historischen Hoch bei den Kommunalwahlen 2016, wo sie 55,5 Prozent erreichen konnte, nun mit zwei Abgeordneten weniger im Stadtparlament vertreten ist, zeigt sich Vorsitzender Mario Beck zufrieden. «Noch nie kandidierten in Karben bei einer Kommunalwahl so viele Listen wie in diesem Jahr (sieben). Unter diesen Umständen und gegen den Trend in anderen Bundesländern in etwa jedes zweite Wählervotum erreicht zu haben, macht uns stolz«, kommentiert Beck den Wahlausgang. Ganz knapp hat es diesmal nur zur absoluten Mehrheit gereicht. 19 der 37 Sitze gehen an die CDU.

»Das Votum vom Sonntag ist nur bedingt mit jenem von vor fünf Jahren vergleichbar, da seinerzeit gleichzeitig die Bürgermeisterwahl stattfand, eine Liste weniger kandidierte und der bundesweite Trend für die Grünen noch nicht so stark war«, analysiert Mario Beck. Zufrieden ist der CDU-Vorsitzende darüber, dass die Karbener CDU am Sonntag trotz der leichten Verluste das beste CDU-Ergebnis im Wetteraukreis eingefahren habe, voraussichtlich sogar das beste CDU-Ergebnis in Hessen in Städten mit mehr als 20 000 Einwohnern.

Zufriedenheit bei FW und FDP

Zufrieden zeigt sich auch Thorsten Schwellnus (Freie Wähler). Gerade auch bei den Wahlen zum Ortsbeirat hätte seine Partei punkten können. Da habe die FW für den Ortsbeirat Petterweil einen Platz erobern können. »Und in den Ortsbeiräten Rendel, Klein-Karben und Kloppenheim konnten wir unsere Sitze halten«, freut sich Schwellnus.

Ebenso zufrieden ist auch der FDP-Vorsitzende Oliver Feyl mit dem Ergebnis seiner Partei. Sie konnte ihr Ergebnis leicht verbessern und wird deshalb auch weiterhin mit einem Stadtverordneten im Stadtparlament vertreten sein.

Ganz anders die SPD . Sie hat es nicht vermocht, den langsamen, aber stetigen Abwärtstrend zu stoppen. Bei den Kommunalwahlen 2006 konnte sie noch 39,4 Prozent verbuchen. Bis zum Amtsantritt von Guido Rahn im Jahr 2010 stellten die Sozialdemokraten seit 1970 durchgehend den Bürgermeister. Dann jedoch setzte der Abwärtstrend ein mit 27,6 Prozent im Jahr 2011, mit 21,8 Prozent im Jahr 2016 bis zu den 16,25 Prozent am vergangenen Sonntag.

SPD verliert weitere zwei Sitze

Im Vergleich zu 2016 verliert die SPD weitere zwei Sitze. »Damit können wir nicht zufrieden sein«, geben die SPD-Vorsitzende Nora Zado und SPD-Fraktionschef Thomas Görlich übereinstimmend zu. Keine andere Partei habe nach ihren Angaben so viele Anträge in den vergangenen fünf Jahren eingereicht wie die SPD. Trotz der Verluste will die SPD aber weiterhin ihr Bestes für die Stadt geben. Schade finden die beiden SPD-Politiker, dass der Einzug einer rechten Partei nicht verhindert werden konnte. Dafür zeigten sie sich erfreut, dass sowohl die Linke als auch die Grünen ihre Sitze verdoppeln konnten.

Obwohl die CDU ihre absolute Mehrheit im Stadtparlament behalten hat, will sie doch weiterhin mit den anderen Parteien zusammenarbeiten. »Wir werden in den nächsten Wochen die Gespräche mit den anderen Fraktionen außer der AfD führen und eine mögliche engere Zusammenarbeit ausloten. Mit einer breiten Mehrheit regiert es sich leichter als mit nur einer Stimme Mehrheit«, versicherte der CDU-Fraktionsvorsitzende Beck. Grünen-Vorsitzender Lindon Zena zeigt sich offen für diese Gespräche: »Wenn die CDU grüne Politik macht, sind wir dabei.«

Zena: Arbeit besser verteilen

Er macht aber auch keinen Hehl daraus, dass er es lieber gesehen hätte, wenn die CDU nicht die absolute Mehrheit erreicht hätte. Der Jung-Politiker blickt den kommenden fünf Jahren zuversichtlich entgegen: »Wir haben nun sechs statt drei Leute in der Fraktion, da können wir die Arbeit viel besser verteilen.« Für das gute Abschneiden seiner Partei macht er auch den Bundestrend mit verantwortlich. Themen wie Klima- und Umweltschutz hätten diesmal geholfen, anders als vor fünf Jahren, als das Thema Migration und Flüchtlinge vorherrschend gewesen sei.

Und eines macht Zena klar, seine Fraktion werde sich für Klimaschutz, Mobilität, Verbessern der Infrastruktur für Radler starkmachen. Dafür seien sie gewählt worden. »Klar haben wir uns über unser tolles Ergebnis gefreut.«

Die neue Karbener Stadtverordnetenversammlung setzt sich wie folgt zusammen, sie besteht wieder aus 37 Parlamentarierinnen und Parlamentariern. 19 Sitze gehen an die CDU, sechs an die SPD, sechs an die Grünen, drei an die FW sowie je einer an die FDP, AfD und Linke.

Für die CDU sind gewählt: Guido Rahn (11 478 Stimmen, als amtierender Bürgermeister kann er das Mandat nicht antreten), Mario Beck (7405 Stimmen), Ingrid Lenz (6548), Heike Liebel (5862), Albrecht Gauterin (5778), Friedrich Schwaab (5470), Sebastian Wollny (5457), Katrin Grüntker (5269), Kai Uwe Fischer (5248), David Gubitzer (5218), Christian Neuwirth (5073), Ehrhard Menzel (5013), Sabine Helwig (4949), Michaela Jörg (4938), Marita Scheurich (4788), Thomas Schrage (4674), Dr. Christoph Partes (4657), Philipp Freiherr von Leonardi (4545) und Carsten Heß (4478).

Die SPD-Fraktion besteht aus Thomas Görlich (3790), Nora Zado (3698), Anja Singer (3243), Gerald Schulze (3023), Angela Hermanns-Georgis (2968) und Wolfgang Seifert (2818).

Die Grünen-Fraktion setzt sich zusammen aus Birgit Scharnagel (5029 Stimmen), Markus Dreßler (4576), Lindon Zena (4525), Mario Schäfer (4278), Joachim Gottwald (4040) sowie Tina Rodriguez (3990).

Wilfried Repp (1446) zieht für die AfD in die Stadtverordnetenversammlung ein.

Oliver Feyl (1331) vertritt die FDP. Gabi Faulhaber (1249) ist für die Linken dabei.

Die FW-Fraktion besteht aus: Laura Macho (2979), Thorsten Schwellnus (2027) sowie Bodo Macho (1884). jwn

Karben Wahl- berechtigte Beteiligung % CDU %Grüne %SPD %AfD %FDP %Die Linke %Freie Wähler %Klein-Karben 2021 4.229 18,33 48,25 16,99 16,23 4,41 3,72 2,36 8,03 2016 4.417 42,3 57,7 6,9 20,3 - 2,6 2,8 9,7 Groß-Karben 2021 3.875 18,79 43,75 15,91 18,28 5,36 2,83 5,69 8,18 2016 3.621 41,4 54,9 7,7 25,1 - 2,0 3,6 6,8 Okarben 2021 2.359 20,56 46,94 15,03 14,35 6,82 3,81 7,66 5,40 2016 2.467 42,6 57,3 8,2 20,7 - 2,5 5,7 5,6 Petterweil 2021 2.649 21,93 46,50 12,30 19,41 4,46 4,83 5,57 6,93 2016 2.682 45,3 49,4 10,7 25,6 - 2,9 4,6 6,7 Burg-Gräfenrode 2021 1.072 22,95 63,74 11,31 9,24 5,09 3,85 1,28 5,49 2016 972 49,2 73,3 4,5 13,4 - 2,4 1,8 4,6 Rendel 2021 1.703 25,01 45,29 12,87 13,97 3,36 2,16 1,70 20,66 2016 1.711 46,9 54,0 9,9 17,6 - 2,4 1,9 14,2 Kloppenheim 2021 1.781 18,08 40,91 18,26 16,54 4,06 7,46 2,74 10,02 2016 1.737 38,1 56,9 8,4 18,2 - 4,0 3,9 8,5 Briefwahl I Klein-Karben 2021 55,09 14,14 16,89 1,21 3,48 2,54 6,64 Briefwahl II Groß-Karben 2021 51,04 16,72 17,57 1,82 3,60 3,46 5,79 Briefwahl III Petterweil 2021 49,69 14,59 20,99 1,36 3,55 4,36 5,47 Briefwahl IV Okarben 2021 54,18 14,45 17,00 2,37 1,62 4,24 6,14 Briefwahl V Rendel 2021 52,52 15,07 11,74 1,11 1,33 3,03 15,21 Briefwahl VI Kloppenheim 2021 53,43 16,46 11,56 2,06 4,59 3,25 8,65 Briefwahl VII Burg-Gräfenrode 2021 64,24 11,86 10,65 1,81 3,67 1,79 5,98 53,4 7,0 23,5 - 3,9 3,3 8,8 Gesamtergebnis 2021 2016 17.607 57,8 55,5 7,9 21,8 - 2,9 3,5 8,3 Sitzverteilung 2021 19 6 6 1 1 1 3 2016 21 3 8 - 1 1 3

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