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Die Hofreite der historischen Weißenburg in Burg-Gräfenrode zerfällt. Nun will ein Investor aus Bayern dieses Hofgut revitalisieren und dort sowie auf dem dahinterliegenden Gelände zwölf Wohneinheiten errichten.

Münchner Investoren

Burg-Gräfenrode: Pläne für Wohnen an der Weißenburg

  • Holger Pegelow
    VonHolger Pegelow
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Ein großes Projekt steht den Menschen in Burg-Gräfenrode ins Haus. Ein Investor hat das Gelände der ehemaligen Weißenburg erworben und will die leer stehende Hofreite »revitalisieren« und Wohnraum schaffen. Entstehen sollen zwölf neue Wohneinheiten. Das Stadtparlament hat den städtebaulichen Vertrag dazu gebilligt.

D ie Kirchturmsuhr schlägt zwölf. Von irgendwo her sind quiekende Schweine zu hören. Es riecht nach Landwirtschaft. In den Gassen des alten Ortskerns von Burg-Gräfenrode ist kein Mensch zu sehen. Wer hier durchläuft, stößt auch auf alte Scheunen. Keine Frage: Der kleinste Karbener Stadtteil wirkt wie ein Dorf. Für manche ist das so attraktiv, dass sie hier wohnen wollen. In nicht allzu ferner Zukunft könnten sie hierzu eine weitere Gelegenheit haben. Denn ein Projektentwickler aus Grünwald bei München hat das Anwesen der ehemaligen Weißenburg samt Hofreite erworben. Er will auch die alte Maschinenhalle dazukaufen und dort - wie auf dem Gelände der Hofreite - Wohnungen bauen.

Der Projektentwickler hat bei der Stadt sein Vorhaben beschrieben. Im Exposé heißt es, Burg-Gräfenrode habe eine gewachsene Struktur mit einst landwirtschaftlicher Prägung. Über einen B-Plan von 1995 sei geregelt, dass der dörfliche Charakter des Ortskerns erhalten bleiben müsse. Neubauvorhaben seien in den Baufenstern der bisherigen Bebauung zu errichten. Der Entwickler hebt hervor, dass die hessische Denkmalbehörde das historische Ortsbild entlang der Weißenburgstraße erwähne.

Häuser in Form einer Hofanlage

Über die geplante Wohnbebauung schreibt der Projektentwickler: »Mit der neuen Wohnbebauung An der Weißenburg wird ein aktueller städtebaulicher Problembereich, bestehend aus einer baufälligen Halle im Bereich der geplanten Neubebauung und einer leer stehenden ehemaligen Hofeite, revitalisiert und neu geordnet.« Die ehemalige Hofreite in der Weißenburgstraße 13 sei beispielhaft für den landwirtschaftlichen Baustil in der Region. Die Anlage stehe deshalb auf der Denkmalliste der Hessischen Baudenkmäler. Die aktuell von Leerstand und beginnendem Zerfall geprägte Hofanlage bilde den Aufgangspunkt für die Neuentwicklung des Gebietes.

Der Investor plant auf dem Gelände sowie auf dem Areal der dahinterliegenden Maschinenhalle »maximal zwölf Wohneinheiten als Reihenhäuser, zusammengefasst in drei Gebäudekörpern«. Die Stellung der Baukörper solle dem Charakter einer Hofanlage nachempfunden werden. Die ersten beiden Baukörper sollen einen gemeinsamen Innenhof andeuten, der dritte Baukörper solle den Abschluss des Ensembles bilden und in Richtung Feldrand ausgerichtet sein. Die Bauten sind zweigeschossig geplant, wobei der Dachbereich als Staffelgeschoss genutzt werden kann. Wie aus den der Stadt vorgelegten Unterlagen weiter hervorgeht, sei die Bebauung als reine Wohnbebauung gedacht.

Erschlossen werden sollen die Reihenhäuser von einer Stichstraße aus, die von der Weißenburgstraße abzweigen wird, sich als Einbahnstraße durchs Neubauwohngebiet schlängeln und dann am Feldrand auf die Freihofstraße münden soll. Man gehe davon aus, dass neuer Autoverkehrnur in geringem Umfang entstehe. Die Stellplätze würden in dem neuen Gebiet errichtet. Wie aus einer dazu dazugehörigen Skizze hervorgeht, werden sich einige Parkplätze in der ehemaligen Hofreite befinden, ebenso dort, wo jetzt noch die Maschinenhalle steht, und ebenso entlang der Erschließungsstraße.

Der Projektentwickler hat mit der Stadt vereinbart, dass er die Kosten der erforderlichen Bebauungsplanung ebenso übernimmt wie die der diversen Gutachten. Die Auftragsvergabe erfolge in Abstimmung mit der Stadt. Diese Vereinbarung haben die Stadtverordneten in deren jüngster Sitzung einstimmig genehmigt, ebenso einstimmig haben sie den Beschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplans für dieses 3000 Quadratmeter große Areal in Burg-Gräfenrode gefasst.

In der Denkmalliste des Landes Hessen ist die Weißenburg nicht explizit erwähnt, sondern nur als Teil des Ensembles entlang der Weißenburgstraße. In der Liste heißt es wörtlich: »Die Gesamtanlage Burg-Gräfenrode verbindet entlang der Weißenburgstraße die Oberburg im Norden, die als Kern der hochmittelalterlichen Rodungssiedlung anzusehen ist, mit dem Amtshof (Weißenburgstraße 19) als südlichen Gegenpol.« Am Gebäude der Weißenburg ist ein Schild angebracht mit folgender Erklärung: »Ehemaliger befestigter Sitz der Familien Wais von Fauerbach. Im 30-jährigen Krieg zerstört.« pe

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