Ursula Jacobsen aus Karben ist für ihr Engagement in der Hospizhilfe mit dem Bürgerpreis der Sparkasse ausgezeichnet worden.
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Ursula Jacobsen aus Karben ist für ihr Engagement in der Hospizhilfe mit dem Bürgerpreis der Sparkasse ausgezeichnet worden.

Ursula Jacobsen

Bürgerpreis geht an Ursula Jacobsen aus Karben: „Finde es furchtbar, wenn Menschen einsam sind“

  • VonPatrick Eickhoff
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Ursula Jacobsen hat vor 13 Jahren die Ambulante Hospizhilfe in Karben mitbegründet und das Hospizangebot des Vereins viele Jahre als Koordinatorin geführt. Jetzt ist die 71-Jährige mit dem Bürgerpreis der Stiftung der Sparkasse Oberhessen ausgezeichnet worden.

Karben – Ursula Jacobsen ist eine »Alltagsheldin«. Zumindest wenn es nach der Bürgerpreis-Jury geht, zu der die Landräte aus Wetterau und Vogelsberg, die Vorsitzenden der Bürgermeister-Kreisversammlungen sowie Vertreter der Wetterauer Zeitung und des Kreis-Anzeigers gehören, Die 71-Jährige ist in jener Kategorie mit dem ersten Preis ausgezeichnet worden. »Ich war völlig überrascht, als mir mitgeteilt wurde, dass ich nominiert bin. Dass es jetzt sogar der Hauptpreis geworden ist, freut mich natürlich sehr«, sagt sie.

Die Karbenerin ist damit für ihren Einsatz in der Ambulanten Hospizhilfe Karben gewürdigt worden. Diese hat sie vor rund 13 Jahren mitbegründet, anschließend den Verein als Vorsitzende und die Begleitungen als Koordinatorin geleitet. Ein sensibles Thema. »Wer redet schon gerne über das Sterben?«, fragt sie.

Ursula Jacobsen aus Karben (Wetterau): Viel gegeben, viel zurückbekommen

Die 71-Jährige hat dies in den vergangenen Jahren häufig getan. »Ich finde es furchtbar, wenn Menschen einsam sind.« Dass manche den letzten Abschnitt ihres Lebens in Einsamkeit verbringen müssen, das stimmt sie traurig. »Mich rührt das sehr«, sagt sie. Bei der Ambulanten Hospizhilfe geht es darum, diese Einsamkeit zu verhindern. Die Helferinnen und Helfer arbeiten als Begleiter Schwerstkranker und Sterbender sowie deren Angehöriger. »Oft reicht es den Betroffenen einfach zuzuhören und da zu sein«, schildert Jacobsen. »Die pflegenden Angehörigen haben die ein oder andere Geschichte der eigenen Mutter schon zigfach gehört - wir nicht.« Wichtig sei es, dass die Begleitung zur Person passe. »Wenn sie schon die gleiche Basis haben, dann wird sich gleich ganz anders unterhalten.« Es erfülle alle Begleiter mit Dankbarkeit, die teils Schwerkranken »mal wieder lächeln zu sehen«. Ursula Jacobsen sagt: »Man gibt sehr viel, aber man bekommt auch sehr viel zurück.«

Wichtig sei aber auch der Umgang mit den pflegenden Angehörigen. Die dürfe man nicht vergessen. »Da kommen noch mal ganz andere Sorgen zum Tragen. Manche wissen gar nicht, wo sie ihrer Trauer und ihrem Leid hinsollen«, berichtet die 71-Jährige. »Es ist wichtig, mit den Angehörigen ins Gespräch zu kommen und ihnen auch einfach mal die Chance zu geben, zu weinen.« Schließlich würden manche weit über ihr eigenes Limit gehen und seien dadurch völlig am Ende - auch körperlich. »Ich habe oft erlebt, wie erschöpft die Angehörigen sind.« Bevor alle auf dem Zahnfleisch gehen, könne die Unterbringung in einer Einrichtung wirklich helfen. »Es sollte auf keinen Fall bis zur völligen Selbstaufgabe gehen.«

Und obwohl die Leute nicht gerne über den Tod sprechen, stellt die 71-Jährige fest: »Das Thema ist mittlerweile in der Gesellschaft angekommen.« Das sei der Unterschied im Vergleich zu den Anfangsjahren bei der Ambulanten Hospizhilfe. »Allerdings reicht das noch nicht«, bedauert sie. Sie hofft, dass auch durch die Auszeichnung mit dem Preis der Blick wieder auf das Thema geht. »Die Kollegen machen einen tollen und vor allem wertvollen Job.«

Karben (Wetterau): Wechsel an der Hospizhilfe-Spitze im Sommer

Die Ambulante Hospizhilfe gibt es seit fast 13 Jahren. Damals hatten die Karbener Ärztin Dr. Ellen Wedekind und ihre Patientin Sofie Oellrich die Idee. Ehrenamtliche absolvierten Aus- und Fortbildungen, um Schwerkranken am Lebensende beizustehen. Inzwischen ist die Hospizhilfe ein eingetragener Verein und in Karben fest etabliert. Viele Jahre führte Jacobsen die Hospizhilfe. Im Sommer ist sie von ihren Ämtern zurückgetreten. Neu ist eine Doppelspitze: Manuela und Ingo Vetter sind die neuen Gesichter der Ambulanten Hospizhilfe. Manuela Vetter hat hauptamtlich die Koordination der Helferinnen und Helfer übernommen, ihr Mann Ingo den Vereinssitz.

Stiftung der Sparkasse Oberhessen: Preisträger in Serie vorgestellt

Kultur, Sport, Hilfe für Mitmenschen - ohne ehrenamtlich Engagierte wäre vieles nicht möglich. In der Wetterau gibt es zahlreiche Menschen, die sich für andere einsetzen - auf ganz unterschiedliche Weise. Die Stiftung der Sparkasse Oberhessen würdigt dieses Engagement jährlich mit der Verleihung des Bürgerpreises Oberhessen. In einer Serie stellen wir die Preisträger von 2021 vor. Heute geht es um Ursula Jacobsen, die mit einem Hauptpreis in der Kategorie »Alltagshelden« ausgezeichnet worden ist. Sie war jahrelang die Vorsitzende sowie Koordinatorin der Ambulanten Hospizhilfe in Karben.

Kultur, Sport, Hilfe für Mitmenschen - ohne ehrenamtlich Engagierte wäre vieles nicht möglich. In der Wetterau gibt es zahlreiche Menschen, die sich für andere einsetzen - auf ganz unterschiedliche Weise. Die Stiftung der Sparkasse Oberhessen würdigt dieses Engagement jährlich mit der Verleihung des Bürgerpreises Oberhessen. In einer Serie stellen wir die Preisträger von 2021 vor. Heute geht es um Ursula Jacobsen, die mit einem Hauptpreis in der Kategorie »Alltagshelden« ausgezeichnet worden ist. Sie war jahrelang die Vorsitzende sowie Koordinatorin der Ambulanten Hospizhilfe in Karben. wpa

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