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Biogasanlage

Brand auf Biogasanlage wundert neuen Chef

  • vonPatrick Eickhoff
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Rund einen Monat ist es her, da hat es auf dem Gelände der Biogasanlage an der Kreisstraße nach Heldenbergen gebrannt. Für Thomas Kinitz, seit Mitte des Jahres kaufmännischer Geschäftsführer, ist das "die absolute Ausnahme." Doch mit welchen Stoffen wird auf der Anlage eigentlich gearbeitet?

Noch fährt Thomas Kinitz im Dieselauto auf das Gelände der Biogasanlage zwischen Karben und Heldenbergen vor. "Aber nur weil mein Elektroauto Lieferprobleme hat", sagt er und lacht. Der 58-Jährige nimmt es mit Humor, obwohl "es mir ein sehr ernstes Anliegen ist mit den alternativen Energien". Seit 1. August ist er kaufmännischer Geschäftsführer der Biogasanlage in Karben.

Dort ist momentan weniger los. Die Maisernte nähert sich dem Ende. "Deshalb fahren logischerweise weniger Lkw vor", sagt Kinitz. Der 58-Jährige ist aus Regensburg angereist, um sich ein Bild der Gegebenheiten vor Ort zu machen. "Außerdem ist es wichtig, regelmäßig mit den Mitarbeitern zu sprechen." Auf der Anlage in Karben sind das vier Personen. "Der Umgang ist, wie es bei einem kleinen Team zu erwarten ist, sehr familiär", sagt Kinitz. Den Weg aus Regensburg nimmt er deshalb gerne auf sich.

Mit Sitz in Regensburg

In Regensburg hat die In-Trust AG ihren Sitz. Die beschäftigt sich seit 2002 mit Biogasprojekten. Bisher werden rund 56 Projekte von der AG entwickelt, 12 Anlagen werden selbst betreut, darunter auch die Anlage in Karben. Deshalb ist Thomas Kinitz seit August auch Geschäftsführer der Karbener Anlage. Wenn Thomas Kinitz über die diese spricht, dann wird es schnell fachspezifisch. Es fallen Begriffe wie "Feststoffdosierer" und "Fermenter". Dabei ist das Prinzip der Anlage simpel.

Das verdeutlicht der 58-Jährige bei einem Rundgang über das Gelände. Landwirte liefern Mais, Zuckerrüben, Getreide, Kartoffeln, Hühnertrockenkot, Rinder- und Schweinegülle sowie Puten-, Rinder- und Schweinemist an. Dann geht’s auf die Waage. Nach der Überprüfung auf Trockengehalt wird die Ware in einem für die Silage vorgesehenen Bereich abgeladen und luftdicht verschlossen.

Anschließend werden in den beiden Gastürmen die Dosierer befüllt, die Silage in die Behälter geleitet. Innen entsteht das Rohbiogas, das in einer speziellen Anlage gereinigt und auf Erdgasqualität gebracht wird. Dieses wird ins allgemeine Netz eingespeist. In einem zusätzlichen Blockheizkraftwerk wird das Biogas verstromt und über einen Trafo ebenfalls ins Netz eingespeist. "In drei Stunden wird in etwa so viel von der Anlage produziert, dass ein Haushalt davon ein Jahr lang Strom hat", sagt Kinitz. Die Biogasanlage arbeitet sieben Tage die Woche 24 Stunden lang.

Beim Prozess bleiben Gärreste übrig, die die Landwirte abnehmen und auf den Feldern zum Düngen verwenden müssen. Einen Brand wie vor rund einem Monat hat der Geschäftsführer auf noch keiner Anlage erlebt. "Das ist die absolute Ausnahme", sagt er. Und auch wenn er von "entzündliches Material" spricht, dann bedeutet das nicht, dass die Anlage "explodiert". "Es gibt vielmehr eine große Stichflamme und danach ist es vorbei."

Staatsanwaltschaft ermittelt

Momentan laufen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft - bei einer hohen Schadenssumme von rund 200 000 Euro ein normaler Ablauf. Außerdem sind die Reparaturarbeiten am Dach in Planung. "Und wenn es ruhiger wird, dann werden auch die Wege hier gereinigt", sagt er. Denn wenn viel Verkehr ist in der Erntezeit, dann falle das gerne auch mal hinten runter. "Es gibt immer was zu tun."

Auch zur Stadt Karben hat Thomas Kinitz ein "hervorragendes Verhältnis", wie er sagt. Die Stadt ist über eine Tochterfirma Hauptgesellschafter der Anlage. "Die Kommunikation mit dem Bürgermeister läuft einwandfrei und über kurze Wege. Das ist exzellent." Eigentlich wollte der Geschäftsführer dieses Jahr eine große Feier organisieren. "Die muss leider ausfallen. Wir wollten die Mitarbeiter verschiedener Anlagen aus Deutschland zusammenbringen und einen Lehrgang samt Weihnachtsfeier organisieren." Corona machte den Plänen einen Strich durch die Rechnung. "Vielleicht ja dann im nächsten Jahr." Dann kann er bestimmt auch im Elektroauto vorfahren.

Thomas Kinitz ist in Bonn geboren und seit dem Jahr 2000 Vorstandsvorsitzender und Gesellschafter der In-Trust AG in Regensburg. Zu seinen Hauptaufgaben gehören die Bereiche Unternehmensentwicklung, Strategieplanung und Produktkonzeption. Für die Betreibergesellschaften übernimmt er die Funktion des Geschäftsführers. Die Karbener Anlage erzeugt Energie für rund 7 500 Haushalte pro Jahr. wpa

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