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Biber müssen ständig nagen, weil auf diese Weise ihre stets wachsenden Zähne abreiben. Im Lilienwald sind die Spuren ihrer Anwesenheit zu sehen. Das hat Folgen für die Aue, in der das Pfadfinderzentrum angesiedelt ist. Die Wiesen rund ums Lager sind morastig geworden.

Petterweiler Riedgraben

Biber-Bauwerk in Karben lässt Pfadfinderlager versumpfen: „Wollen Tiere nicht verjagen“

  • vonJürgen Schenk
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In der Idylle am Petterweiler Riedgraben scheint das Thema Renaturierung noch einmal eine ganz neue Dimension zu bekommen. Kein Zweifel: Der Biber ist zurück.

Karben – Im Lilienwald gibt es nun einen kleinen See. Der Biber hat eine »Staustufe« am ehemaligen Bachlauf selbst konstruiert. Viele Bäume, die eigentlich gar nicht erpicht darauf sind, stehen jetzt im Wasser. Zwischen 80 und 100 Zentimeter liegt der Pegelstand zurzeit höher als normal. Und eine Fließbewegung des Gewässers ist nur noch schwach zu erkennen. Kenner des Spreewaldes in Brandenburg dürften sich wieder wie im Urlaub fühlen.

Auswirkungen hat das Biber-Bauwerk vor allem auf die Niederlassung der Pfadfinder. Zum Teil ist die Anlage in der jetzigen Situation gar nicht benutzbar. Die Grillwiese am Riedgraben kann man nicht mehr betreten, ohne dabei nasse Füße zu bekommen. Um die Feuerstelle herum versumpft das Gelände zusehends. Und gegenüber, auf der außerhalb des Lagers gelegenen »Spielwiese«, scheint der Wasserstand noch höher zu sein. Dementsprechend üppig gedeiht an diesen Stellen nun die Vegetation.

An Spielen, Zelten, Grillen, Musizieren oder ähnliche Geselligkeit ist nirgends zu denken. Auch Spaziergänger, die den Lilienwald am Pfadfinderlager passieren, sollten sich derzeit auf matschige Schuhe einstellen. »Mit dem Rasenmäher haben wir überhaupt keine Chance mehr«, sagt Christian Rolf vom Vorstand der Petterweiler Pfadfinder. »Mit dem Gerät bleiben wir beim Mähen im Boden stecken. Nur noch direkt an der Feuerstelle ist ein trockenes Plätzchen übrig. Das ist natürlich schade, da wir jetzt, nach vielen Monaten, endlich wieder starten wollen.«

Karben: Pfadfinder im Einklang mit Natur – und dem Bieber

Ungeachtet davon wissen die Pfadfinder sehr wohl, dass der Biber ja »einfach nur sein Ding macht«. Naturverbundenheit gehört für die Vereinigung immerhin zum ureigensten Credo. Man habe prinzipiell nichts gegen den fleißigen Nager. Vermutlich handele es sich ja auch um eine ganze Familie, sagt Rolf. Ihr Ausgangsbau befinde sich am sogenannten Klötzl-Teich südöstlich vom Pfadfinderzentrum. »Es wird nun darum gehen, zusammen mit der Stadt Karben und anderen Institutionen eine Lösung zu finden. Wir wollen die Tiere nicht verjagen, sondern mit ihnen als Nachbarn leben. Viel unternehmen kann man ohnehin nicht im Moment«, beleuchtet er weiter den Sachverhalt.

Rolf berichtet in diesem Zusammenhang von »einem guten Austausch mit der Stadt« und »konstruktiven Gesprächen«. Selbst wenn sich die Lage verschlimmern sollte, bestünde für die Häuser auf dem Gelände wohl keine Gefahr. Man wolle die weitere Entwicklung jetzt erst einmal beobachten. Die Umweltbeauftragte der Stadt, Melanie Jakob, verweist auf die behördlichen Zuständigkeiten. »Wir können von uns aus nichts machen. Der Stein muss zuerst bei der Unteren Naturschutzbehörde ins Rollen gebracht werden«, erklärt sie.

Karben: Pfadfinder-Treffen starten trotz sumpfigem Areal

Fast ein Jahr lang lag der Lilienwald in einer Art Dornröschenschlaf. Wegen der Corona-Pandemie hatten die Pfadfinder ihre 50-Jahr-Feier im vergangenen Sommer absagen müssen. Ab der kommenden Woche sollen wieder Gruppenstunden angeboten werden und dann auch die ersten Wochenendlager. Die in der Wetterau geltende Stufe zwei des hessischen Corona-Präventionskonzeptes macht’s möglich.

Vor allem Kinder und Jugendliche aus Petterweil gehören zum Stamm der »Grauen Adler«. Auch sein Pfadfinderleben habe schon im Grundschulalter begonnen, erzählt Christian Rolf. »Das ist der normale Weg, wie man in Petterweil zu den Pfadfindern kommt. Wir sind ein Verein wie jeder andere, der in der Gemeinschaft einfach gut funktioniert.«

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