Sozialverband

Beratungsbedarf steigt deutlich

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Formulare werden von immer weniger Menschen verstanden, der Beratungsbedarf steigt. Immer mehr Menschen suchen Hilfe beim Sozialverband VdK.

Jahrzehnte galt der Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands als Vertretung derjenigen, die im Zweiten Weltkrieg verletzt worden waren oder die dort Angehörige verloren hatten. Das Ende des Weltkrieges ist lange her, der Mega-Name ist längst verkürzt worden. Heute heißt die mitgliederstarke Organisation nur noch Sozialverband VdK. Das Aufgabenfeld ist vielfältig.

"Wenn es den Menschen schlecht geht, kommen sie zu uns", sagt die VdK-Orts- und Kreisvorsitzende Ellen Benölken. Wir sitzen in ihrem Büro in Friedberg, wo auch sehr viele Karbener Rat suchen. "Viele Karbener kommen auch hierher, weil es anonymer ist", weiß die Vorsitzende. Denn die Beratungsthemen sind weit gestreut und erstrecken sich über das gesamte Sozialgesetzbuch I bis XII. So berät der VdK beispielsweise über Opferentschädigung. Immer wieder kämen Menschen aus den Kriegen dieser Welt. Auch deutsche Soldaten, die im Ausland eingesetzt und dort verletzt wurden, werden betreut. Der VdK berät aber ebenso Opfer sexueller Gewalt und hilft bei Anträgen auf Entschädigung gegen den Staat.

Sensible Themen

"Die weitaus meisten Beratungen betreffen aber immer noch die klassische Schwerbehinderung", sagt die Vorsitzende. Es geht um Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. Eine kurze Sprechzeit reicht aber fast niemals aus, weiß sie. Zu vielfältig seien die Fragen, zu umständlich die Formulare, zu sensibel die Themen. Für die meisten Menschen seien die Formulare unverständlich, zumindest aber umständlich. Viele Formulierungen seien unbekannt, auch etwa, was genau im Schwerbehindertenrecht zu beachten sei.

Ein Beispiel nennt Benölken, das ihr immer wieder begegnet. Um einen gewissen Schwerbehindertengrad zu erlangen, werde nicht die Krankheit an sich anerkannt, "sondern die Leistungseinschränkung". Dahinter steckt die Frage: "Was kann der Mensch noch?" In ihrer täglichen Beratungspraxis hat sie erfahren, dass die Zahl psychischer Erkrankungen in jüngster Zeit "massiv gestiegen" sei. Auch die schiere Zahl von Fragen, die etwa bei den Pflegeanträgen zu beantworten sei, ziehe eine Sprechstunde in die Länge. "Da müssen bis zu 60 Fragen beantwortet werden." So komplex wie der Themenkatalog an Beratung und der Beratungsbedarf seien, so sehr variiere die Zeit einer Sprechstunde. "Die kann mal zwanzig Minuten, aber auch mal zwei Stunden dauern."

Komplexere Vorgänge

Mit dem immer komplexer werdenden Vorgängen sei auch die Zahl der Beratungen gestiegen, ebenso die Zahl der Mitglieder. In der gesamten Wetterau gibt es rund 17 000 VdK-Mitglieder. Allein in Karben sind nach Angaben von Benölken 250 Mitglieder hinzugekommen; Ende 2018 waren in Karben 750 Mitglieder registriert.

66 Euro kostet ein Jahresbeitrag, darin seien die Beratungen enthalten. Diese würden durch Ehrenamtliche geleistet. Auch sie arbeite ehrenamtlich, sagt die 67-Jährige. Sie sei fast jeden Tag in Friedberg und habe noch viele Termine. "Dieses Ehrenamt ist wie ein Hauptamt. Aber ich mache es gerne."

Sprechstunden in Karben

VdK-Sprechstunden sind in Karben jeden ersten Montag im Monat von 10 bis 12 Uhr sowie jeden dritten Mittwoch von 16 bis 19 Uhr im Beratungszentrum gegenüber vom Rathaus. Telefonisch sind die Ingeborg Appel und Dieter Bos unter der Nummer (0 60 39) 48 11 71 erreichbar.

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