Orchideenkenner Siegfried Gottschalk deutet auf eine verblühte Breitblättrige Stendelwurz. Die Böschung wird kurz darauf von den Bbw-Azubis (im Hintergrund) abgemäht, denn die Orchidee hat ihre Samen bereits verstreut.
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Orchideenkenner Siegfried Gottschalk deutet auf eine verblühte Breitblättrige Stendelwurz. Die Böschung wird kurz darauf von den Bbw-Azubis (im Hintergrund) abgemäht, denn die Orchidee hat ihre Samen bereits verstreut.

Bbw-Azubis kümmern sich um seltene Orchideenart

Karben (ach). »Der Naturschutz spielt während der Ausbildung unserer Garten- und Landschaftsbauer eine große Rolle«, sagt Ausbilder Stephan Lenkl vom Berufsbildungswerk Südhessen (Bbw).

Diese Fachkompetenz kommt nun in einer Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund (NABU) Karben und dem von der Oberen Naturschutzbehörde beauftragten Wöllstädter Orchideenkenner Siegfried Gottschalk zum Tragen. Die Azubis kümmern sich fortan um die Mahd von etwa 50 Meter Böschung an der Kreuzung der Kreisstraße 9 (Petterweiler Straße)/B 3. Dort kommt die auf der Roten Liste stehende Orchideenart Breitblättriger Stendelwurz (Epipactis Helleborine) mit nur noch etwa 20 Exemplaren vor.

»Das Aufkommen ist uns seit etwa 15 Jahren bekannt, es wird immer geringer«, hat NABU-Vorsitzender Dr. Jürgen Becker beobachtet. Das liege daran, dass die Friedberger Straßenmeisterei immer zur falschen Zeit, etwa im Mai, kurz vor der Blüte des Stendelwurz, mähe. Gottschalk und Becker wollen aber, dass dort Mitte April und Ende September gemäht wird. Zudem müsse die Mahd eingesammelt und nicht liegengelassen werden, weil Orchideen nährstoffarme Böden bevorzugen. Dies könne die Straßenmeisterei allerdings nicht leisten.

Im Vilbeler Wald verschwunden

Auch bei der Unteren Naturschutzbehörde beim Wetteraukreis gibt es dafür keine Finanzmittel. Deshalb haben sich die Umweltschützer an das gleich neben dem Orchideenvorkommen befindliche Bbw gewandt und stießen dort bei Ausbilder Lenkl auf offene Ohren. Seine 40 Azubis kümmern sich gerne – unentgeltlich – um die vom Aussterben bedrohte Pflanzenart, die sonst nirgends in der südlichen Wetterau vorkommt. Im Bad Vilbeler Wald ist sie vor wenigen Jahren verschwunden, wie Gottschalk festgestellt hat. Im Hochtaunus gibt es noch einige Exemplare.

Der Breitblättrige Stendelwurz blüht im Juni. Ihre Blüten sind weißrosa bis grün, er wird bis zu einem Meter hoch. Um zu gedeihen, benötigt die Pflanze einen Pilz, mit dem sie in Symbiose lebt. Dieser kommt am Straßenrand der K 9 ebenfalls vor. Die Naturschützer hoffen, dass die Stendelwurz genügend Samen gestreut hat und sind nun gespannt, ob im nächsten Jahr vielleicht ein paar mehr Exemplare dort gedeihen werden.

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