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Mittags sieht es nicht so aus, als wenn die B3 in der südlichen Wetterau ausgebaut werden müsste. Morgens aber rollen Fahrzeuge Stoßstange an Stoßstange in Richtung Frankfurt. Für die Verkehrsplaner steht deshalb fest: Die B3 muss ausgebaut werden.

B3-Ausbau

B3 im Süden an Kapazitätsgrenze - Kommt nun der Ausbau?

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In den Verwaltungen von Karben und Bad Vilbel macht man sich Gedanken darüber, wie und wann die B3 zwischen Kloppenheim und Massenheim auf vier Spuren ausgebaut werden kann.

Wer morgens aus Karben und der Wetterau auf der B3 zur Arbeit nach Frankfurt fährt, kennt die Situation. Zwischen der Auffahrt Kloppenheim und der Abfahrt Massenheim geht es nur im Schneckentempo voran. Stoßstange an Stoßstange quält sich der Berufsverkehr in Richtung Bankenstadt. Die Auffahrt Dortelweil sorgt zusätzlich für Probleme, weil dort Hunderte von Pkw aus dem Neubaugebiet Dortelweil-West auffahren.

Wie kann man dieses Nadelöhr beseitigen? Wie könnten die von Karben immer wieder thematisierten Umfahrungen von Kloppenheim und Okarben aussehen? Braucht man diese Straßen überhaupt? Haben sie einen Effekt? All das sind Fragen, mit denen sich auch die hessische Straßenbaubehörde Hessen Mobil beschäftigt. In der Vergangenheit hat sie immer wieder um Geduld gebeten, bis die von ihr beauftragten großräumigen Verkehrszählungen und die darauf fußenden Prognosen vorliegen.

Kürzlich waren Vertreter der Behörde zu einem Fachgespräch im Rathaus. Dort trugen sie die lange erwarteten Daten vor, gemeinsam wurde das weitere Vorgehen besprochen.

Bürgermeister Guido Rahn (CDU) berichtete während der jüngsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung darüber. Anlass waren gleich drei parlamentarische Anfragen, und zwar von Mario Beck (CDU), Thomas Görlich (SPD) und Thorsten Schwellnus (FW). Die Planer haben vier sogenannte Prognosevarianten untersucht. Zunächst einmal keinerlei Ausbau der B3, dann den vierstreifigen Ausbau im Bereich Kloppenheim-Massenheim ohne Karben, dann den vierstreifigen Ausbau mit Vorschlagsvariante für Kloppenheim und Okarben sowie einen Weiterbau der B3 vom Knoten 0 in Kloppenheim in Richtung Norden.

Laut Stadtoberhaupt zeigen die Ergebnisse, dass Ortsumgehungen bzw. Weiterbau der B3 Richtung Norden nur dann Sinn machen würden, wenn zeitgleich der vierstreifige Ausbau zwischen Kloppenheim und Massenheim erfolge. Dazu heißt es in der Stellungnahme des Magistrats an die drei Fragesteller: "Die Planungen zu den Ortsumfahrungen in Kloppenheim und Okarben stellen keine Lösung dar, wenn nicht vorher der vierstreifige Ausbau zwischen Kloppenheim und Massenheim erfolgt ist."

Wie belastet der genannte Abschnitt ist, zeigte sich laut Magistrat bei der Betrachtung der sogenannten Nullvariante. Also keinerlei Ausbau der B3, also weder in einem Bogen um das Berufsbildungswerk herum und dann ans Petterweiler Kreuz. Die hochgerechneten Daten liegen zwischen null und elf Prozent. Ursache: "Die B3 kann zwischen Kloppenheim und Massenheim fast kaum noch Verkehr aufnehmen."

Gemeinsam mit Bad Vilbel

In den Kommunalwahlkämpfen war immer wieder eine weiträumige Umfahrung für Okarben gefordert worden. Die Prognose der Verkehrsplaner sieht lediglich eine Verkehrszunahme von acht Prozent vor. Grund sei der achtstreifige Ausbau der A5. Die geplante Ortsumfahrung Okarben würde nur eine Verlagerung des Verkehrs von der jetzigen Strecke auf eine neue Straße westlich von Okarben bringen. "Der Verkehrsablauf könnte aber auch eventuell durch einen optimierten Strecken- und Knotenausbau in Okarben erfolgen", sagen die Verkehrsplaner laut Rahn.

Aussagen zu punktuellen Verbesserungen wie etwa Einfädelspur Dortelweil oder Aufweitung des Knotens 0 in Kloppenheim, seien nicht getroffen worden. Das bedauert man im Karbener Rathaus, schließlich seien zwischen 10 000 und 12 000 Abbieger am Knoten 0 in Richtung Bad Homburg gezählt worden.

Da ein vierstreifiger Ausbau der B3 im Süden absolute Priorität hat, will man im Karbener Rathaus nun dafür gemeinsam mit Bad Vilbel vorgehen. Rahn war deshalb jetzt nach eigenen Angaben bei seinem Amtskollegen Dr. Thomas Stöhr in Bad Vilbel. Dort wurde vereinbart, man wolle dafür kämpfen, dass die Planung für den vierspurigen Ausbau der B3 "zum schnellstmöglichen Zeitraum" komme.

Außerdem plant die Stadt die Ausweisung eines Gewerbegebietes an der Gärtnerei in Kloppenheim. In dem noch aufzustellenden Bebauungsplan könnte die weitergeführte B3 Bestandteil sein.

"Damit bestünde die Möglichkeit, den vierstreifigen Ausbau und die Ortsumfahrung Kloppenheim als eine Einheit zu betrachten." Abschließend kündigte Rahn an, die Ergebnisse im Rahmen einer Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung und Infrastruktur öffentlich vorzustellen.

Jahrzehntealt sind die Forderungen nach einem Weiterbau der B3 über Kloppenheim hinaus und eine weiträumige Umfahrung von Okarben. Jetzt wissen wir: Ohne einen vierspurigen Ausbau der B3 im Süden geht gar nichts. Und auch ohne ihn würde Okarben kaum mehr mit Verkehr belastet. Die Verantwortlichen müssen sich also fragen, ob die Millionen für eine Okarbener Umfahrung nicht besser in den vierspurigen Ausbau zwischen Kloppenheim und Massenheim investiert werden sollten. Die aktuellen Prognosen weisen auch nach, dass die Politik bei der Prioritätensetzung nachsteuern muss. Der B3-Ausbau im Süden muss ganz nach oben, denn immer neue Baugebiete werden für neue Verkehrsmengen sorgen. Auf allen Ebenen muss also Druck gemacht werden, damit der maßgebliche Bundesverkehrswegeplan an die aktuellen Entwicklungen angepasst wird. Schon das wird dauern, bis dahin brauchen Berufspendler noch jede Menge Geduld.

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