1. Wetterauer Zeitung
  2. Wetterau
  3. Karben

Auszubildende des Bbw Südhessen erhalten ihre Zeugnisse

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Karben (jas). 106 von insgesamt 129 Jugendlichen, die alle wegen eines Handicaps auf besondere Hilfe angewiesen waren, konnten in einer Feierstunde im Berufsbildungswerk Südhessen ihre Abschlusszeugnisse entgegennehmen.

Besser hätte es für Julia Meixner gar nicht laufen können: Erst schloss sie als eine der Prüfungsbesten ihre Ausbildung als Floristin ab und dann fand sie auch noch in kürzester Zeit eine Stelle. Bereits seit Anfang Juni arbeitet die junge Frau aus Nidderau in Offenbach. »Ich hatte zwischen Ausbildung und Berufsbeginn gerade einmal fünf freie Tage, dann ging es schon weiter«, sagt sie. Noch zu Beginn ihrer Ausbildung hatte sie mit großer Prüfungsangst zu kämpfen, immer wieder hatten Hindernisse sie ausgebremst. Geholfen, den dreijährigen Weg zum Abschluss zu meistern, haben ihr die Mitarbeiter des Berufsbildungswerkes Südhessen. Und nicht nur Julia hat es geschafft: 106 von insgesamt 129 Jugendlichen, die alle wegen eines Handicaps auf besondere Hilfe angewiesen waren, konnten in einer Feierstunde ihre Abschlusszeugnisse entgegennehmen. Durch den festlichen Vormittag führten die Auszubildende Jasmin Ziemann und Freizeitpädagoge Matthias Kliebisch.

Hohe Anerkennung und Wertschätzung sprach Geschäftsführerin Renée Eve Seehof den Absolventen aus. »Sie haben alle Hürden und Klippen bewältigt und Durchhaltevermögen bewiesen.« Mit der Ausbildung sei ein wichtiger Schritt getan. Einen weiteren haben bereits 27 der 106 jungen Männer und Frauen gemacht - sie haben einen Job gefunden. Andere stehen in Vertragsverhandlungen oder bereiten sich auf Vorstellungsgespräche vor.

Ihre Glückwünsche zu den bestandenen Prüfungen überbrachten eine Vielzahl von prominenten Gästen. Allen voran ließ es sich Andreas Storm, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, nicht nehmen, zu gratulieren und den 106 Hauptpersonen des Tages Sonnenblumen zu überreichen. Die Bbw-Azubis revanchierten sich mit einer herzlichen Begrüßung des hohen Gastes aus Berlin in Form eines Filmes, wie er in der »Sendung mit der Maus« Tradition hat.

Ebenfalls gekommen waren die hessische Staatssekretärin Petra Müller-Klepper, Dr. Frank Martin von der Regionaldirektion Hessen der Agentur für Arbeit, Karlheinz Reichert, der Vorsitzende des Bbw-Verwaltungsrates, Elke Ehlen von der IHK Gießen-Friedberg, Bernhard Mundschenk von der Handwerkskammer Wiesbaden und Bürgermeister Guido Rahn.

Mit einer gehörigen Portion Aufregung und großer Zufriedenheit nahmen die Hauswirtschafter Carmen Augstein und Hussain Awan-Malik ihre Zeugnisse entgegen. Beide haben nicht nur gute Prüfungsergebnisse erzielt, sondern auch schon eine Stelle gefunden. In der Wiesbadener Jugendherberge ist Carmen seit Juni im Einsatz. »Es ist anstrengend, aber super. Ich habe nette Kollegen und nette Gäste«, sagt die junge Frau, die während ihrer Bbw-Zeit in einer Außenwohngruppe in Kloppenheim gelebt hat. Auch Hussain ist begeistert. Nach einem Schnitt von 1,8 in der Prüfung arbeitet er seit kurzem in einem Frankfurter Alten- und Pflegeheim. 26 Bewerbungen habe er geschrieben, »dann hat es geklappt«.

Stellvertretend für alle Absolventen berichteten Tabea Reitz (Bürokauffrau) und Danny Lauer (Metallbearbeiter) in einer kurzen Rede von ihrer Zeit im Berufsbildungswerk. Viel habe man gelernt, Selbstbewusstsein zum Beispiel, aber auch, die nötige Ruhe zu finden.

Storm bezeichnete das Bbw in seiner Rede als Leuchtturm. »Hier hat man eine Brücke für Jugendliche gebaut, die auf besondere Hilfe und Unterstützung angewiesen sind.Und diese Brücke trägt.« Anspruch müsse sein, allen, die spezielle Unterstützung brauchen, diese auch zukommen zu lassen. Als eine Art Führerschein bezeichnete er das Abschlusszeugnis, »jetzt haben Sie alles, was Sie für den Start in Arbeitsleben brauchen«. Den Absolventen, die noch keinen Job gefunden hab, rief er zu: »Bleiben Sie selbstbewusst. Die Starken kommen durch, und Sie gehören dazu.«

Als »starkes Fundament« bezeichnete Müller-Klepper die abgeschlossene Ausbildung. »Darauf können Sie jetzt Ihr Haus bauen.« Darüber hinaus unterstrich die Staatssekretärin die Bedeutung des Berufsbildungswerkes und bezeichnete es als »wichtigen Pfeiler des Reha-Angebotes, der jegliche Unterstützung der Politik« verdient habe. »Für das BBW kann ich Bestandsgarantie geben.«

Auch interessant

Kommentare