Ein Ort mit Weitblick und zum Entspannen: Reiner Neidhart am Aussichtspunkt Schäferköppel mit der 120 Jahre alten Kastanie.	FOTO: DOS
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Ein Ort mit Weitblick und zum Entspannen: Reiner Neidhart am Aussichtspunkt Schäferköppel mit der 120 Jahre alten Kastanie. FOTO: DOS

Schäferköppel

Weitblick bei Wind und Wetter

  • vonAnne-Rose Dostalek
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Der Platz wird von einer alten Kastanie dominiert. Er bietet einen Ruhepunktund einen Weitblick in die Landschaft. Der Kloppenheimer Schäferköppel ist Reiner Neidharts Lieblingsplatz.

Der Wind zaust die Kastanien am Schäferköppel, und ab und zu gehen Regenschauer runter. Es ist Winter, der Himmel ist grau und die Taunushänge sind verhangen. Doch Reiner Neidhart liebt den Aussichtspunkt bei jedem Wetter. »Ich bin schon vor 30 Jahren hier hoch gejoggt oder habe das Fahrrad genommen, als wir unseren Laden noch in Nieder-Erlenbach hatten«, sagt der Karbener Gastronom und Spitzenkoch.

Nachdenklich steht er unter der wuchtigen über hundertjährigen Kastanie, Aesculus hippocastanum lautet der botanischer Name. Ihr Geäst hebt sich schwarz vom Himmel ab. Der Stamm mit seiner rissigen graubraunen Borke hat den Umfang von gut fünf Metern und ist im unteren Teil gespalten. Übertroffen in der Höhe wird sie nur von den Windkrafträdern, die eine manchmal geräuschvolle Kulisse im Hintergrund sind.

Blick auf ein Dreistädteeck

»Hier an diesen Ort mit der alten Kastanie bin ich über die Jahre immer wieder hergekommen, um Kraft zu schöpfen«, sagt er. Es sei ein wunderschöner Platz zum Entspannen, besonders, wenn im Frühjahr, Sommer und Herbst die Baumkrone Schutz und Schatten bietet. »Heute nennt man das wohl »Baumbaden«, sagt der 59-Jährige schmunzelnd.

Er hat sich einen farbenfrohen Schal um den Hals geschlungen, den Hut gegen den Regen aufgesetzt und unter der schweren Jacke leuchtet das Gelb eines Strickpullovers hervor. So macht ihm das Wetter wenig aus, als er Richtung Nordwesten blickt, wo sich über die Weite der Wetterau die Taunushänge erheben, zum Teil noch mit Schnee bedeckt. Ein Dreistädteeck sei von hier aus zu betrachten, weiß Neidhart.

Als Rastplatz beliebt

Die Rosskastanie, die vor einigen Jahren Gesellschaft von jungen Bäumen bekommen hat, steht auf Nieder-Erlenbacher und damit Frankfurter Gebiet. Die Windkrafträder dagegen, die im Rücken, Richtung Osten, fauchend Energie produzieren, gehören zu Kloppenheim und damit zu Karben. Und am Fuße des Schäferköppels Richtung Ober-Erlenbach, beginnt schon die Bad Homburger Gemarkung.

Der Aussichtspunkt Schäferköppel mit der unter Naturschutz stehenden Kastanie und dem Rastplatz ist beliebt. »Silvester kommen oft viele Leute hier hoch und feiern«, sagt Neidhart. Aber auch sonst sei es ein beliebter Ort, an dem sich Wege aus allen Himmelsrichtungen kreuzen.

Wallfahrt am Weltjugendtag

Von Kloppenheim aus kann man gut zu Fuß hochlaufen, und Neidhart erinnert sich gerne an die Wallfahrt, die die katholische Gemeinde vor Jahren zum Weltjugendtag gemacht hat. Zwanzig junge Menschen aus Kalabrien in Italien seien zu Besuch gewesen. Zusammen seien sie hier hochgepilgert, wo man dem Himmel so nah sei.

Einen Moment lang hält Neidhart inne und denkt an die Zeit, als Gemeinschaft so unbeschwert war. »Ich wünsche mir, dass wir das bald wieder haben«, sagt er und will nach vorne schauen.

Corona hat alle Pläne des Maitre de Cuisine von Neidharts Küche, dem Spitzenrestaurant in der Karbener Robert-Bosch-Straße 48, durcheinandergewirbelt. 2020 wollte Neidhart das Jubiläum »20 Jahre Neidharts Küche« in Karben feiern. Doch daraus ist nichts geworden.

Mitarbeiter weitgehend gehalten

Erst mal ist er froh, mit dem Restaurant einigermaßen durch die Zeit gekommen zu sein, und hat die Küche umgestellt auf Menüs zum Mitnehmen. »Es läuft gut mit unseren »Genusstüten«, sagt er. Die Mitarbeiter hat er weitestgehend halten können, dank Kurzarbeitergeld, den staatlichen Corona-Hilfen und dem Abholservice für Speisen. »Für 2021 hoffen wir, dass wir unsere Jubiläumsfeier nachholen können«, sagt Neidhart. Ein letzter Blick auf die Kastanie, die so viel gesehen hat und so viel zu erzählen hätte.

Ein Blick in die Weite, wo sich die Wolken jagen, dann geht er eilenden Schrittes zurück zum Auto, das vollgepackt mit Einkäufen ist. Die Arbeit ruft, die Pause am Schäferköppel ist vorbei.

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